Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Bratende Sommersonne, Palmen im Backstage des Zürich Openairs und zwei gut gelaunte Kalifornier: Wir haben einen Teil der amerikanischen Alternative Rock-Überflieger The Neighbourhood zum Interview getroffen.

Sänger Jesse Rutherford nimmt am Zürich Openair ein Bad in der Menge. (Foto: David Schneider)

Sänger Jesse Rutherford nimmt am Zürich Openair ein Bad in der Menge. Bild: David Schneider

Sässen wir nicht im Artist-Bereich des Zürich Openair 2016 und hätten nicht das Schweizerdeutsch von Rundherum in den Ohren, man könnte vor lauter erdrückender Hitze denken, wir hätten uns in der sonnigen Heimat unserer Interviewpartner verloren: Mikey Margott (Bass) und Brandon Fried (Drums) von The Neighbourhood aus Newbury Park, Kalifornien sitzen gelassen und alles andere als überhitzt in der mit Palmen sowie Unmengen an Essen ausgestatteten Lounge und freuen sich in gut zwei Stunden die Bühne zu stürmen.

Unsereiner freut sich zwar auch auf das kommende Konzert, ist aber vielmehr froh um den Schatten und die Ruhe vor dem Sturm. Wie zwei Surf-Buddies hocken die zwei Musiker da, obwohl kein Mitglied der gehypten Alternative Rocker zwischen verrauchtem Indie und experimentellem R’n’B selber Wellen reitet. Dafür hängen sie umso lieber am heimischen Strand und nutzen diese entschleunigende Szenerie als Inspirationsquelle für ihre Musik.

Die Band um Sänger und volltättowiertem Sexsymbol Jesse Rutherford bringt nicht nur das Wetter und die Gelassenheit Kaliforniens nach Zürich, sondern auch ihr zweites Album Wiped Out!, welches im Oktober 2015 erschienen ist.

Brandon (Foto: David Schneider)

«Unser Bandleben ist tatsächlich ziemlich bunt.» Brandon Fried am Zürich Openair. Bild: David Schneider

Wow, ihr habt echt die kalifornische Sonne mitgebracht – hoffentlich auch genug Sonnenschutz! Es ist noch gar nicht lange her, als ihr das letzte Mal hier wart. Im März dieses Jahres habt ihr ein ausverkauftes Konzert in der Härterei gespielt. Erinnert ihr euch noch an euren letzten Besuch in Zürich?

Mikey: Als wir letztes Mal hier waren, hatten wir tatsächlich einen Tag und schauten uns in Zürich um vor unserer Show in der Härterei. Und wie kann es anders sein, wir endeten an dem Tag in einem grossartigen Musikladen, wo ich einen Haufen neues Equipment kaufte.

Brandon: Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir von Zürich aus all die Bergketten in der Ferne gesehen haben. Sogar mit Schnee und allem, obwohl es eigentlich schon ziemlich sonnig war zu dieser Zeit. Und als wir nach dem Konzert am nächsten Morgen aufwachten, war da wirklich auf einmal überall Schnee.

Ihr seid ja zurzeit ordentlich unterwegs und spielt auf namhaften Festivals quer durch Europa. So zum Beispiel das «MS Dockville» in Hamburg, «Pukkelpop» in Belgien oder auch die riesigen UK-Festivals «Reading» und «Leeds». Ist da ein Schweizer Festival wie dies hier in Zürich schon fast eine kleine Angelegenheit?

Mikey: Ich denke, die Show hier ist nicht kleiner oder anders im Vergleich zu den anderen Festivals, die wir hier in Europa gespielt haben. Wir mögen die Atmosphäre sehr und vor allem auch das Wetter, einfach umwerfend. Ich bevorzuge die Festivals hier in Europa zu denen in den USA. Sie sind so herzlich und schön, vor allem die Gastfreundlichkeit ist unvergleichlich. Du wirst wahrlich wie ein König behandelt. In Amerika gibt es wirklich nur eine Handvoll Festivals, die dem Vibe hier das Wasser reichen können.

Mikey Margott (Foto: David Schneider

«Im Endeffekt machen wir nicht nur gemeinsam Musik, sondern sind auch beste Freunde.» Mikey Margott über die Band-Chemie. Bild: David Schneider

Seit eurer Gründung 2011 und mit den zwei Alben habt ihr euch als Band entwickelt und schon einige wichtige Stationen wie zum Beispiel dem legendären «South By Southwest» abgehakt. Wenn ihr aber nach vorne schaut und träumt, wo wollt ihr trotz all dem als The Neighbourhood noch hin?

Mikey: Trotz all den Festivals wie «Reading» und «Leeds», dem «Osheaga» in Kanada und dem riesigen «SXSW» gibt es sicher noch welche, von denen die ganze Band träumt. Ganz oben steht «Glastonbury» und dann kommt «Outside Lands» in San Francisco.

Brandon: «Glastonbury» ist sowas wie das Überfestival unter all den Festivals auf dieser Welt, es ist einfach mächtig. Das ganze Paket macht es aus. Wenn du die Möglichkeit hast, «Glastonbury» zu spielen, dann hast etwas richtig gemacht. Es reicht schon, sich das jährliche Programm anzuschauen: Es spielen stets die coolsten Bands an diesem Festival.

mike_live

brandon_live

jesserutherford_stage

Ihr habt ein klares Auftreten als Band: Düster-schöne Musikvideos in Schwarz-Weiss, ebenfalls in Schwarz-Weiss gehaltene und stets stilvolle Live-Fotos sowie Artwork in Anlehnung an eure heimischen Wurzeln, wie auch das Spiel mit Symbolen. Hinter diesem ganzen Look, steckt da auch eine Truppe die mehr als Schwarz und Weiss in ihr Bandleben einbringt?

Brandon: Unser Bandleben ist tatsächlich ziemlich bunt. Es ist sicher alles andere als Schwarz-Weiss wie auf unseren Fotos.

Mikey: Klar gibt es zwischendurch auch schwarz-weisse Momente, die dann eher dunkel wirken. Schliesslich hast du auch als Band deine Ups and Downs, wie es wohl jede eingeschworene Gruppe hat, die für längere Zeit zusammen auf Achse ist.

Brandon: Das sind einfach normale Tour-Erscheinungen. Manchmal fühlt es sich an, als würdest du ein Leben lang mit denselben Leuten abhängen. Und dabei geht man sich sicher ab und an mal auf die Nerven. So kleine freundschaftliche Zickereien, wenn zum Beispiel einer stets mit offenem Mund isst. (lacht)

Mikey: Aber im Endeffekt machen wir nicht nur gemeinsam Musik, sondern sind auch beste Freunde. Schliesslich war die Freundschaft sogar vor der Musik da. Andere Bands sind zusammengewürfelt, aber wir kennen uns schon lange und das hilft dem Zusammenhalt.

Bereits mit eurem Debütalbum I Love You habt ihr grossen Anklang gefunden und durch eure klare, durchaus eigene Linie in Sachen Musik und Look auch einen gewissen Hype ausgelöst. Verglichen mit anderen Bands unserer Generation wie zum Beispiel Alt-J oder The 1975, die ebenfalls in kurzer Zeit gross geworden sind und sozusagen mit dem Erfolg erwachsen werden mussten.  Funktioniert das Ganze auch noch in 10, 15 Jahren?

Brandon: Ja, das glaube ich schon. Wenn wir weiterhin gemeinsam Musik machen, werden wir für immer dazu fähig sein. Solange wir als Band zusammenhalten und gemeinsam weiterkommen wollen, sind wir im Stande zu spielen. Bis wir irgendwann alt und grau sind.

Mikey: Es geht hauptsächlich um den Vibe und darum Spass am Ganzen zu behalten. Und solange dies so bleibt, ist der Rest ziemlich easy. (lacht)

Gitarrist Jeremy Freedman während dem Auftritt am Zürich Openair. (Foto: David Schneider)

Gitarrist Jeremy Freedman während dem Auftritt am Zürich Openair. Bild: David Schneider