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Negative White hat die Gelegenheit bekommen mit Itchy Poopzkid zu sprechen. Die Band hat gerade ihr neues Album «Six» herausgebracht – und war so nett uns zwei Exemplare für eine Verlosung zu signieren – und geht bald wieder auf Tournee. Was die Jungs von neuen Medien und Reisen halten und was ihre peinlichsten Tourerlebnisse waren, haben wir für euch in Erfahrung gebracht.

Sibbi brauchte immer was zum Spielen (Foto: Sacha Saxer)

Sibbi brauchte immer was zum Spielen (Foto: Sacha Saxer)

Im gemütlichen Raum von Joiz warten Main, Sacha und ich auf die kultige Punkrockband, die gerade noch in einem Live-Chat ist. Uns ist etwas mulmig zu mute, da wir den Verbandskasten für Max vergessen haben und uns nicht ganz sicher sind ob er das Interview heil übersteht. Grundsätzlich haben wir alle Stühle vorher kurz inspiziert, damit er sich nicht weh tun kann, aber man weiss ja nie…

Ich bin ein wenig nervös, da es erst mein zweites Interview ist, immerhin gut vorbereitet, aber dennoch fehlt mir der nötige Erfahrungswert um locker-flockig dort zu sitzen. Ich geh im Kopf nochmal die Fragen durch, welche ich auf meinen Spickzettel aufgeschrieben habe und überlege mir ob es nicht langsam Zeit wäre, mir ein Aufnahmegerät zuzulegen, damit ich nicht mitschreiben müsste. Noch bevor ich diesen Gedanken zu Ende denken konnte, kommen Max und Sibbi rein. Sie begrüssen uns alle freundlich, Main mit einem kleinen Augenzwinkern, da sie sie schon kennen. Sibbi schlägt vor, dass wir mit dem Interview beginnen und Panzer dann sobald er fertig ist nachkommen kann und so stelle ich die erste Frage:

Zum Thema Neue Medien: Was haltet ihr von Youtube, Facebook und Co. Im Bezug auf die Musikindustrie oder auf euch als Band?

Max: Neue Medien beinhalten sowohl Vorteile wie auch Nachteile. Man kann nicht per se sagen, dass die Entwicklung gut oder schlecht ist, man sollte vor allem auch nicht immer alles schlecht reden. Ein grosser Vorteil ist sicher die Reichweite, jedoch geht auch die Wertschätzung ein wenig verloren.

Sibbi: Ja, neue Medien haben natürlich – generell gesehen – das Musikgenre sehr viel schnelllebiger gemacht. Früher hat man sich noch drei Monate auf ein Album gefreut und das dann auch sechs Monate gehört.

(Foto: Sacha Saxer)

Neue Medien: Fluch und Segen (Foto: Sacha Saxer)

Ihr habt ein neues Album rausgebracht. Hattet ihr eine spezielle Inspiration, die euch gepackt hat und euch dazu gebracht hat zusammenzusitzen und dieses Album aufzunehmen?

Sibbi: Naja, was heisst gepackt? Ist ja nicht so, als das wir uns neu zusammengefunden hätten oder so. Wir haben schon geplant ein neues Album aufzunehmen.

Max: Wir wollten aber schon frischen Wind mitbringen. Deswegen haben wir auch jetzt das erste Mal mit einem neuen Produzenten, Florian Nowak aus Berlin, zusammengearbeitet. Das neue Album wurde auch komplett in Berlin aufgenommen.

Und wie gefällt euch Berlin?

Max: Ganz gut.

Panzer: Ja sehr gut! Ich war da auch schon öfters und wir haben Freunde in Berlin. Ist schon eine tolle Stadt.

Max: Man kann super viel machen. Berlin bietet sehr viel freizeittechnisch an, Clubs, Essen, Bier trinken…

Panzer: Es wär für mich aber keine Stadt zum Wohnen.

Sibbi: Es war aber auch eine ziemlich intensive Zeit.

Max: Das stimmt, wir waren die ganzen sechs Wochen dort und haben mega viele Songs geschrieben. Also richtig viele. Über 60 Stück. Und die Kunst war es dann, aus diesen 60 Songs die auszuwählen, die dann aufs Album sollen. Eben die perfekte Mischung zu finden.

Mittlerweile hat auch Panzer den Weg zu uns gefunden (Foto: Sacha Saxer)

Mittlerweile hat auch Panzer den Weg zu uns gefunden (Foto: Sacha Saxer)

Mit dem neuen Album geht ihr ja auch auf Tour: Sind Open-Airs geplant?

Sibbi: Ja sicher! Sogar richtig viele! Über 20 Stück! Wir haben einen unglaublich ausgebuchten Sommer. Und es sind alle möglichen Open-Airs mit dabei, grosse, kleine… Die Daten werden bald auf unserer Homepage ersichtlich sein.

Habt ihr denn auf eurer Tournee Lieblingslocations, auf die ihr euch besonders freut?

Panzer: Ich mag vor allem so alteingesessene Läden, die es bestimmt schon Jahrhunderte lang gibt und wo man dann erfährt das auf diesen Bühnen seinerzeit auch so Grössen wie Nirvana gespielt haben. Das ist schon ein Hammer-Gefühl dann auf so einer Bühne spielen zu können. Das LKA in Stuttgart oder der Club SO36 in Berlin wären solche Locations zum Beispiel.

Max: Da schliess ich mich an. Für mich war aber auch zum Beispiel das Roxy in Ulm immer was Besonderes. Da ging man halt früher selber hin und es war immer so ein kleiner Traum mal auf dieser Bühne zu spielen. Mittlerweile waren wir schon öfters da. Aber es hat mir zum Beispiel echt viel bedeutet, als es bei der letzten Tour mit etwa 1500 Leuten ausverkauft war. Das war ein geiles Gefühl.

Alle schauen Sibbi an.

Sibbi: Ach so, ja, also für mich gibt’s keine so Lieblingslocation. Es kommt halt auf die Leute an und die Stimmung am Abend, das ist viel wichtiger.

Max: Weise Worte und das aus deinem Mund.

xx (Foto: Sacha Saxer)

Max zu Sibbi: «Weise Worte und das aus deinem Mund.» (Foto: Sacha Saxer)

Und so peinliche Tourgeschichten? Ist euch überhaupt noch etwas peinlich?

Sibbi: Naja, also wir haben das Niveau schon so heruntergebracht, da gibt’s echt nicht mehr viel, was uns peinlich ist. Obwohl ich bin vor drei Tagen die Treppe runtergefallen und hab mir dabei das Knie aufgeschürft. Aber das war auch nicht wirklich peinlich…

Max: Nein, das war eher dumm.

Sibbi: Ja, das war wohl eher dumm. (lacht)

Max: Also mir ist es vor allem am Anfang mal noch ein-, zweimal passiert, dass ich verloren gegangen bin. Da kam der Tourbus schon so ultrafrüh am Morgen und ich war noch irgendwie weg und naja…

Panzer: Ja und der Tourbus war dann auch irgendwie weg, als du wiederkamst.

Max: Ja genau (lacht ebenfalls, etwas verlegen). Das war mir schon etwas peinlich.

Panzer: Also ich hab noch eine Geschichte, die mir wirklich, richtig peinlich ist! Da waren wir mit einer befreundeten Band unterwegs und ich stand nach unserem Auftritt in der Nähe der Bühne und hatte schon ordentlich was getrunken. Und auf einmal hatte ich so Bock, ich hatte wirklich das Gefühl, ich müsse jetzt dieses Lied singen, dass ich einfach auf die Bühne gestürmt bin und dem Sänger das Mikro aus der Hand gerissen hab. Und dann ist mir aber der Text nicht mehr eingefallen und ich stand da und stand da und stand da – gut dreissig Sekunden. Und alle haben mich so angestarrt, so «Hääää, was will der denn?», die Menge, die befreundete Band. Und irgendwann hat mir dann der Sänger das Mikro wieder aus der Hand genommen. Das war schon sehr peinlich!

Seit 2011 habt ihr euer eigenes Label, was bedeutet… – weiter komm ich im Satz nicht, da ich unterbrochen werde:

Max, Panzer und Sibbi: VIEL ARBEIT, WENIG GELD!

Sibbi: Es bedeutet aber auch viel mehr Freiheit. Man muss weniger Kompromisse eingehen und wird weniger zu irgendwas gedrängt.

(Foto: Sacha Saxer)

Das Fazit zum eigenen Label: «Viel Arbeit, wenig Geld, dafür viel mehr Freiheit.» (Foto: Sacha Saxer)

Ich bin sehr reiselustig … – hier wurde ich abermals unterbrochen:

Panzer: Ja, das ist schön für dich, wir sind eher lustig auf Reisen.

Max (lacht): Jetzt lass sie doch mal ihre Fragen stellen!

Naja, ich reise gerne und mache das oft in meiner Freizeit. Ihr seid ja beruflich bedingt schon viel unterwegs, wie ist das für euch? Nervt euch das irgendwann?

Max: Nein eigentlich überhaupt nicht. Touren spielen ist ja genau unser Ding. Deswegen machen wir das Ganze ja. Klar kann es mal eine Fahrt geben, die etwas lange dauert und dann etwas nervt, aber normalerweise macht der Live-Auftritt danach das alles wieder wett! Ausser du vergisst dein Hirn (und schaut dabei rüber zu Sibbi und schmunzelt).

Sibbi: Ja, seh ich auch so. Es kanns zwar schon geben das wir mal voll den Hänger haben und fast einschlafen. Wie vorhin als uns die Programmchefin etwas erzählen wollte und wir echt fast weggepennt sind.

Max: Ja, oder als wir einen Auftritt in Berlin hatten, dachten wir, wir machen das clever und fahren extra ein Tag früher los, damit wir uns dann noch etwas ausruhen können und genau an dem Tag kam ein Wintereinbruch. Am Ende haben wir 15 Stunden bis nach Berlin gebraucht. Das war ätzend.

Und dann privat? Wenn ihr mal Urlaub habt?

Panzer: Da reisen wir eigentlich auch. Es ist zwar nicht so, dass wir nicht auch mal gerne Zuhause sind. Aber vor allem ich und Sibbi; wenn wir dann mal drei Wochen Zeit haben, sind wir viel unterwegs. Und ich hab gehört, das sind bestätigte Gerüchte! Max will dieses Jahr auch noch ein bisschen reisen.

Mir ist als ich eure Tourdaten angeschaut, ist noch die Frage aufgekommen, warum ihr eigentlich nur englischsprachige Texte habt? Ihr tretet ja hauptsächlich im deutschsprachigen Raum auf, wieso keine deutschen Texte?

Panzer: Bis jetzt habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht. Aber wenn du mich jetzt so fragst… Ich glaub wir fühlen uns einfach ganz wohl mit den englischen Texten.

Max: Ausserdem machen wir sowieso was wir wollen!

Sibbi: Und akzentfrei Deutsch könnten wir sowieso nicht, da bietet sich Englisch an.

Wir können kein akzentfreies Deutsch (Foto: Sacha Saxer)

«Wir können kein akzentfreies Deutsch» (Foto: Sacha Saxer)

Wir werden kurz unterbrochen von Regina, die uns darauf aufmerksam macht, das wir noch etwa eine Minute haben. Also noch schnell die letzte Frage.

Wie kamt ihr auf die Idee ein Buch zu veröffentlichen?

Panzer: Wir hatten eh ein Tourtagebuch, ein 800 Seiten langes Tourtagebuch und da dachten wir, dass wir das zu einem Ratgeber für Bands machen könnten.

Max: Das war eine gute Idee, die Kritiken bisher waren gut.

Sibbi: Die Kritiken waren umwerfend!

Max (lacht): Stimmt, ich war eine halbe Nacht lang wach, weil unsere Tourbegleitung unter mir lag und in der Nacht das Buch gelesen hat und immer mal wieder schallend loslachen musste. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Band und wir verabschieden uns von ihnen. Um das Ganze abzurunden werde ich noch neckisch gefragt, ob ich wirklich nichts aufgenommen hätte und das es etwas komisch war mir dabei zuzusehen, wie ich Stichworte auf meinen Papierzettel kritzle. Main meint nur: «Typisch Studentin, die kriegt das schon hin». Die Band lacht und droht mir, dass ich ihnen ja nichts Falsches in den Mund lege und einfach irgendwas schreibe. Ich verspreche Ihnen, dass es zwar kein wörtliches Interview sein wird, aber dass ich ihre Aussagen alle gesammelt habe und sie wahrheitsgemäss niederschreibe. Und somit endet mein zweites Interview. Ich geh mit einem guten Gefühl nach Hause und bin äusserst froh, eine sympathische Band als Interviewpartner gehabt zu haben. In den kurzen dreissig Minuten konnten sie mir viele Fragen beantworten, wir haben viel gelacht und es war eine lockere und coole Stimmung.

Verlosung

Wir verlosen das 2x das neue, von Itchy Poopzkid signierte Album Six. Um an der Verlosung teilzunehmen, musst du an wettbewerb@negativewhite.ch eine Mail mit Betreff «Poopzkid» und deiner vollen Adresse schicken.

Teilnahmeschluss ist der 17. Mai 2015, 20 Uhr. Es gelten die üblichen Richtlinien.