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Im dritten Teil unserer „Inspired by Music“-Reihe sprach Negative White mit Cornelius Fischer. Der junge Herr ist umtriebiger Fotograf, welcher nicht nur bei Konzerten magische Momente einfängt, sondern auch bei Shootings mit seinen Fotografien bleibende Eindrücke hinterlässt. Zudem ist er noch als Veranstalter tätig und hat auch einen normalen Job. Wie er all das unter einen Hut bringt und noch viel mehr verriet er uns in einem Interview.

Cornelius Fischer

Archiv 2010:
jt.Gleich zu Beginn eine lästige Standartfrage. Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Das ist eine ziemlich lustige Geschichte. Angefangen hat es mit meinem Lehrabschluss vor 5 Jahren als Laborant. Meine Eltern haben mir damals einen Flug nach Neuseeland geschenkt zur bestandenen LAP. Zu dieser Zeit hatte ich nur eine kleine Kompaktkamera die so einer Reise nicht würdig gewesen wäre. Daher musste eine Spiegelreflex her. Früh genug vor der Reise gekauft um noch üben zu können, hat es mich damals derart gepackt, dass ich bis heute nicht in Neuseeland war und der Fluggutschein gegen einen Gutschein für Fotoausrüstung getauscht wurde.

Ist denn die technische Ausrüstung das A und O in der Konzertfotografie?

Konzertfotografie ist neben der Sportfotografie eine der technisch anspruchsvollsten Sparte die man als Fotograf erlebt. Extrem wenig Licht und sehr schnell ändernde Lichtverhältnisse stellen hohe Ansprüche an die Kamera und Objektive. Eine gute Ausrüstung ist zwar noch lange kein Garant für erstklassige Bilder (den richtigen Moment kann nach wie vor nur der Fotograf erwischen), sie erleichtert aber die Arbeit im Bühnengraben ungemein.

Haben denn vor Rauschen strotzende Handyfotos keine Daseinsberechtigung? Meist sind diese mit persönlichen Erinnerungen verbunden.

In einer Zeit wo Zeitungen wie 20min, Tagesanzeiger etc. von sogenannten Mobile Reportern Handyfotos selbst auf der Titelseite drucken, wundert es nicht das man als ernsthaft arbeitender Fotograf Mühe hat seine Bilder zu vertreiben. Sicherlich haben Handyfotos keinen professionellen Anspruch, sie können schlichtweg auch nicht mit hochaufgelösten Fotos einer professionellen DSLR Ausrüstung mithalten. Aber aus Sicht der Fans, haben diese Fotos durchaus ihre Daseinsberechtigung.

Coldplay

Puh das ist immer wieder eine schwierige Frage. Ich hab in den letzten Jahren so viele Künstler gesehen und fotografiert. Wenn ich mich jetzt wirklich festlegen muss, dann wohl am ehesten Diary of Dreams (eigentlich alle Shows die ich gesehen habe), Snow Patrol in der Eishalle in Winterthur (2009) und Coldplay im Stade de Suisse (2009). Gerade das Coldplay Konzert war sehr magisch, da während des Konzerts ein Gewitter über das Stadion zog. Es goss in Strömen und donnerte, aber niemand störte es, Coldplay spielten einfach weiter und die rund 40’000 Fans sagen zur Hymnen wie Clocks oder In my Place. So etwas geht echt unter die Haut!

Kannst du überhaupt noch ein Konzert ohne Kamera in den Händen geniessen?

Ja, grundsätzlich ist das kein Problem. Es fällt jedoch zunehmend schwerer, je schöner das Bühnenlicht ist.

Du machst ja auch Shootings. Schlägt dein Herz eher für die Konzertfotografie oder für die geplanten Fotografien?

Sowohl als auch… Das schöne an der Konzertfotografie ist eindeutig, dass man nur eine Chance hat. Man muss in kürzester Zeit (in der Regel die ersten 3 Songs einer Show) Stimmung, Licht und die Musik einfangen, so dass ein Betrachter später das Bild anschauen und sofort sagen kann, genau so war’s an dem Konzert.

Nebenbei bist du auch noch als Veranstalter bei Solanaceae tätig und bist am Fotostudio Corestra in Aarau beteiligt. Sag mal, übernimmst du dich nicht ein wenig?

Manchmal ist es schon hart, Freizeit im klassischen Sinn (Kino, Weggehen, Parties etc.) hab ich schon länger nur noch selten. Im Sommer ’08 hab ich im gelernten Beruf auf 80% reduziert, zugunsten der Fotografie, die mir mittlerweile sehr am Herzen liegt…

Möchtest du dein Leben irgendwann nur mit der Fotografie bestreiten?

Das ist eine Frage die ich mir letztes Jahr ziemlich oft gefragt habe. Je öfter ich darüber nachgedacht habe, desto mehr kam auch der Wunsch auf langfristig von der Fotografie leben zu können. Bis dahin ist zwar noch ein langer aber harter Weg zu bestreiten, den ich aber gewillt bin zu gehen.

Du entspringst musikalisch aus dem Umfeld der düsteren Musik. Wenn man deine Website anschaut, wirkt alles eher gesellschaftskonform. Was hast du für einen Wandel durchgemacht?

Wie ich gerade gesagt habe, möchte ich langfristig mit der Fotografie Geld verdienen. Dies ist jedoch nicht innerhalb der Szene möglich. Im letzten Jahr hat sich meine Fotografie stark verändert und entwickelt. Ich habe begonnen professionell Hochzeiten zu dokumentieren, mich intensiv mit der Studiofotografie sowie Blitzlicht beschäftigt und begonnen dieses Wissen in Workshops an andere Fotografen weiter zu geben.

Nebenbei habe ich die High Fashion Fotografie für mich entdeckt. Künstlerische Inszenierung opulenter und ausgefallener Designerkleidung bietet da einen ganz besonderen Reiz. Ein Teil im Prozess dieser Professionalisierung meiner Fotografie, war es dann eben auch, mein online Portfolio entsprechend auf zukünftige Kunden auszurichten.

Man sieht dich auf vielen Konzerten im Graben kauern. Jetzt, da die alte Version von darklight.ch der Vergangenheit angehört, fragen sich bestimmt viele, wo man deine Bilder bewundern kann.

Ursprünglich hatte ich geplant eine Art Archivseite in das neue Portfolio zu integrieren. Aus Zeitmangel ist dieses Projekt vorerst jedoch auf Eis gelegt. Meine Bilder findet man deshalb zukünftig nur noch in den jeweiligen Medien, für die ich an den Konzerten fotografiere. Das wären z.B. imScheinwerfer.ch, medienbild, MetalWorld Magazin oder auch direkt bei verschiedenen Veranstaltern wie z.B. Divus Modus oder das Kiff Aarau.

Durch den engen Kontakt mit der Musik bekommst du so Einiges mit. Ich gebe dir ein paar Stichworte. „sinkende Verkaufszahlen“, „mehr elektronische Musik“, „mangelnde Bühnenpräsenz“. Was fällt dir dazu ein? Siehst du irgendwo Ursachen für Probleme oder sogar Lösungen für diese?

In einer Zeit in der Musiker kaum noch Geld verdienen können, und das wenige Geld was sie noch verdienen grösstenteils durch Konzerte und Merchandise erwirtschaftet wird, wundert es mich nicht, dass viele Musiker den Weg des geringen Widerstands gehen. Jeder Bühnenmusiker kostet Geld und wenn man nun als elektronische Band den Schlagzeuger weglässt, hat man diesen finanziell und technisch eingespart. Ein Laptop kann diesen Job schliesslich auch übernehmen. Das dies langfristig nur dazu führt das Livequalität solcher Bands abnimmt kann man nicht von der Hand weisen.

In meinen Augen hat jedoch die elektronische Musik, gerade im Live Bereich, ihren Höhepunkt mittlerweile wieder überschritten. In letzter Zeit sieht man wieder vermehrt Bands mit Gitarren, Schlagzeug und weiteren Instrumenten auf der Bühne. Gerade z.B. das Kiff Aarau schwenk derzeitig wieder massiv auf Gitarrenmusik um. Sei es im Bereich Rock/Pop oder auch Metal, diese sparten ziehen wieder vermehrt Konzertbesucher in die Clubs.

Was empfiehlst du jungen Fotografen, die es auch mal im Fotograben versuchen wollen?

Die Kunst eines guten Fotografen liegt in der Reduktion. 100 mittelmässige Fotos online stellen kann jeder, will man aber mit seinen Fotos Beachtung erhalten, wählt man die besten 3-4 aus diesen hundert Bilder aus, veröffentlicht diese und löscht den Rest.