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…entführte Spencer Krug alias Moonface jeden, der am Montag, 3. Januar im Fri-son zugegen war. Was genau das zu bedeuten hat, lest ihr hier.

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Stille Konzertästhetik (Foto: Tatjana Pürro)

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich Spencer zugetraut, dass er den ganzen Abend kein Wort verliert. Das hätte irgendwie gepasst, zu dem Bild, das seine Kompositionen von ihm vermittelt. Hätte zu dem Geheimnisvollen, Undurchsichtigen gepasst, das er ausstrahlt. Zu diesem Mann, der so viele Emotionen mit sich herum zu schleppen scheint. Hätte! Er hat aber doch geredet und sogar recht viel.  Dafür hat sich eine meiner anderen Vermutungen bewahrheitet: Es waren Stuhlreihen aufgestellt worden. Kein unnötiges Herumgestehe, zu der Musik kann man sowieso nicht tanzen. Moonface persönlich machte sich zwar darüber lustig: Wir wären so ruhig, meinte er. Oder: It’s monday night! Let’s party! Aber eigentlich hat es eben doch gepasst, zu dieser Musik, die man geniessen muss. Musik, für die man die Augen schliessen sollte, weil man dann besser träumen kann.

Zuerst lud uns jedoch der Supportact Prader & Knecht zu einer anderen, leichteren Art von Träumen ein. Cello. Gitarre. Und zwei Stimmen, die ganz zauberhafte Harmonien erschufen. Gänsehaut garantiert! Unkomplizierte, aber ausdrucksstarke Melodien. Wunderschöne Texte, die Mut machen. Die voller Liebe sind. Die das Leben in einem Marmeladenglas einfangen, damit es leuchten kann. Zudem sind die beiden einfach liebenswert. Live noch viel eindrücklicher, als auf Aufnahme. Falls ihr die Möglichkeit habt sie auf der Bühne zu sehen: lasst euch Prader & Knecht nicht entgehen!

Kurze Umbau-Pause. Spencer stellte sein Bier auf einen Stuhl. Erzählte irgendwas. Begann. Ich fotografierte um Stuhlreihen herum. Stand hoffentlich niemandem sonst vor der Linse und setzte mich. Um zu lauschen. Denn Basstönen des Klaviers, die uns betteten, die wie Decken waren, gegen die Kälte. Den hohen Töne, wie Spieluhren, die uns beruhigten. Dazwischen Moonfaces Stimme, so gefühlvoll, es bräuchte keine Texte, um zu verstehen, was für Geschichten er erzählte. Moonface sagte, er wäre kein Konzertpianist. «I’m ok», präzisierte er. Aber er ist viel besser, als nur ok. Das Piano sang mit ihm mit, weinte mit ihm mit. Wenn man die Augen schloss, konnte man sich viel vorstellen. Vielleicht lange vergangene Bilder in schwarzweiss, von einer Liebschaft, die nicht glücklich endete. Bilder von Schneestürmen in Skandinavien und von Sommern in Montreal. Piano und Stimme füllten den ganzen Raum. Drangen in jede kleine Ritze. In unsere Köpfen und unsere Herzen. Es war unmöglich sich von dieser Musik nicht berühren zu lassen.

Man wollte nicht, dass Spencer zu spielen aufhörte. Manchmal, wenn ein Lied geendet hatte, lagen die letzten Töne  einige Sekunden im Raum. Keiner klatschte. Man musste sich erst losreissen von dem eben Gehörten. Das Klatschen fühlte sich sowieso nur an, wie ein unangenehmer Unterbruch. Am liebsten wäre mir ein leerer Raum gewesen, wo nichts ablenkte, von dieser schweren Musik, die doch so zerbrechlich erschien. Die man als ruhig beschreiben könnte, die aber von Gefühlen so bewegt ist. Auch Spencer Krug selbst bewegte sich viel. Stampfte auf den Boden. Sass nie ruhig auf seinem Klavierschemel. Fuchtelte mit seinen Händen, wenn er sie nicht zum Spielen brauchte. Ruhig ist etwas anderes.

Das Konzert dauerte nur etwas mehr als eine Stunde. Er spielte Lieder von seinem letzten Album Julia With Blue Jeans On, sowie zwei neue Songs. Nach einer einzigen Zugabe verschwand Spencer von der Bühne. Für manche war es vielleicht etwas kurz, doch ich persönlich fand es gerade gut. «One hour is a long time to watch a guy play piano.» So hatte Spencer es ausgedrückt. Nicht ganz. Eine Stunde hat gereicht, weil die Musik so schwermütig, so bedrückend auf einem lag. Man kann sich nicht davon befreien. Es nahm einem mit. Gefühlsmässig. Moonface ist kein «easy listening»! Ganz sicher nichts für Leute, die nur leichte Kost mögen.

Zum Abschluss, ein ganz kurzes Fazit zum Abend: Tolle Musik! Toller Musiker! Viel Gefühl und auf jeden Fall etwas ganz Besonderes, wenn auch nichts Einfaches. En gros etwas zu bedrückend, aber das Konzert bleibt in Erinnerung.