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Mit ihrem neuen Album «Volcano» bewegen sich Temples mehr weg vom Psychedelic Rock hin zum Pop. Dabei sind die Songs manchmal gar zu glatt. Die Fans scheint das wenig zu stören, geht man nach dem Konzert im Plaza in Zürich am Wochenende.

ein Gastbeitrag von Maria Gerhard

Fast schon als scheu könnte man den Auftritt der Temples im Zürcher Plaza am vergangenen Freitag bezeichnen. Könnte man! Mehrere Scheinwerfer waren im Rücken des Quartetts so angebracht, dass man im gleissenden Licht nur selten einen Blick auf ihre Gesichter erhaschen konnte: Und dann blitzten im Dunst einmal nur niedergeschlagene Augen auf, einmal nur mädchenhaft weiche Lippen. Von Sänger James Bagshaw sah man nur den Umriss seines übervoluminösen Wuschelkopfs. Doch Scheu vor dem Publikum kann es wohl nicht gewesen sein, immerhin hatten die Jungs aus Kettering in England bereits vor etwa drei Jahren ihr Debüt. Ihr zweites Album Volcano kam im März.

Der Wuschelkopf James Bagshaw. Bilder: Evelyn Kutschera

Mit ihrer geschickten Inszenierung erzeugten die Musiker vielmehr einen fast schon mystischen Raum im Raum, innerhalb dessen man sich für wenige Stunden verlieren konnte, gleich einem Derwisch, der sich um sich selbst dreht. Mit seiner sanften Stimme trug Bagshaw seinen Fans in entfernte Galaxien. So tanzte ein ganz bunt gemischtes Publikum zu Burn Into The Sunset und (I wanna be your) Mirror, Songs die ganz deutlich den Sound der 60er-Jahre mit der heutigen Popkultur vereinen. Vom Psychedelic Rock rücken die Temples damit mehr und mehr ab.

Und da liegt vielleicht das Problem des neuen Albums begraben: Die Songs wirken manchmal etwas gar zu glatt. Ein bisschen Beatles, ein bisschen Velvet Underground, etwas von den Byrds, etwas, etwas, etwas… Aber wo fragt man sich, ist der höchst eigene Sound der Band. Irgendwie fehlen dann doch Ecken und Kanten die man mitnimmt, aus dem Konzertsaal hinaus. So verlässt man das Plaza nach einem wirklich schönen Konzert, schön, mehr aber dann auch nicht.