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Changed und Posh im Downi in Worblaufen. Da kann eigentlich nicht viel falsch laufen. Zumindest musikalisch nicht. Allerdings scheinen sich die Schweizer wirklich stark ans Sprichwort: «Was der Bauer nicht kennt…» zu halten.

Posh im Downi (Foto: Sacha Saxer)

Posh im Downi (Foto: Sacha Saxer)

Sanfter Regen fällt vor dem kleinen Club in Worblaufen, die Nacht hat längst ihren Besitzanspruch angemeldet. Somit ein perfekter Abend für ein Rock-Konzert. Leider empfanden dies nicht annähernd genug Leute gleich.
Beim Support Changed aus Solothurn getraute sich niemand vor die Bühne, so dass ich und meine Kamera die einzigen waren, die sich ihrem Sound hingaben. Sowas ist wirklich schade, denn gerade an Konzerten mit wenigen Besuchern ist es für die Bands immer wertvoll, wenn sie die Leute up front sehen. Changed lieferte ein grandioses Set ab und wurde sogar zu einer Zugabe gerufen – was bei einer Vorband nicht oft der Fall ist.

Der Publikumsresonanz zum Trotz ballerte die Solothurner Band Songs raus, die jedem Musikliebhaber ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Von tiefgründigen Songs wie What If über starke Covers wie Killing in the Name (Rage Against The Machine) lieferte die Truppe auf den Punkt ab. So gut, als dass ich in ihnen eine der wenigen Bands sehe, die den Überhit der Cranberries: Zombie covern könnten, und einen eigenständigen Song daraus machen könnten. Sime hat die Stimme und das Gefühl, einen solchen Kracher zu interpretieren. Ich würde mich darauf freuen.

Die obligate Umbaupause später standen Posh auf der Bühne. Vorher noch haben Sängerin Martina und ich darüber gewitzelt, dass wir uns immer in Bern treffen – obwohl sie aus St. Gallen und ich aus Zürich stammen.
Wenn man bei Posh vor der Bühne steht, fragt man sich unweigerlich, wieso man bei Schweizer Rockmusikern immer nur von Krokus und Gotthard redet. Posh ballert diese überbewerteten Bands sowas von weg, dass man sich fragt, wieso die beiden jemals bekannt wurden. Posh besitzt so viel Feuer im Allerwertesten, dass jeder Gig zu einer Explosion wird.

Das einzige, was man sich von dem Quartett noch wünschen könnte, wäre, dass Pädi (Gitarre) und Danny (Bass) sich noch mehr in die Show einbringen und Martina nicht die ganze Bühne kampflos überlassen. Andi hinter dem Schlagzeug gibt sich redlich Mühe, aber ausser einem ausgiebigen Drumsolo bleiben ihm nicht viele Möglichkeiten sich noch mehr einzubringen. Ich bin mir allerdings bewusst, dass dies eine sehr schwierige Aufgabe für die beiden Saitendrescher ist, denn Martina lässt das Duracell-Häschen wie einen rheumatischen Greis aussehen.

Was leider wirklich beschämend ist, ist die Tatsache, dass die meisten Leute kein Interesse mehr daran zu haben scheinen, sich neue Musik anzuhören, auch mit dem Risiko, dass sie einem nicht gefällt. Dabei kriegt man gerade in diesen kleinen Clubs die spannendsten Bands zu hören. Bands, von denen viele das Potential haben, ganz gross zu werden, wenn sie entsprechend unterstützt würden. Mein erstes Sabaton-Konzert sah ich im Rock-City in Uster, einem Luftschutzkeller. Heute haben die so ziemlich alles erreicht, was man als Metalband erreichen kann. Aber sie erinnern sich noch gerne an den Gig in dem kleinen Loch. Seht euch die Bands an, so lange sie noch unbekannt sind. Wenn ihr sie dann in 10 Jahren im Hallenstadion seht, könnt ihr vor euren Freunden damit angeben, dass ihr vor 10 Jahren nach dem Konzert noch ein Bierchen mit der Truppe gekippt habt.
Und ihr habt damals läppische 10-20 Franken gezahlt… denkt mal daran.

Fotos: Sacha Saxer