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Die Halle war restlos ausverkauft, viele Freunde der guten Musik haben sich hier versammelt um sich den Rockstars ihrer Jugend hinzugeben. Aus demselben Grund, den auch mich dahin verschlug. Sie waren die Helden meiner Jugend und verwandelten so manchen, langweiligen Sonntag zu einem rockigen Abend.

dsc. Ich hatte hohe Ansprüche in Angesicht dessen, was ich von ihrer Musik ab Platte hielt. Mit so vielen Erinnerungen und so vielen Assoziationen, welche ich mit ihrer Musik bereits verband, konnte das wohl nur gut kommen.

Ich sah sie auf der Bühne stehen und ihre ersten Songs so vor sich hinzuträllern. Gut geschniegelter Haarschnitt mit Gel versetzt, wie es sich als Boyband gehört. Die Hemden gebügelt und das Werbungsdauerlächeln aufgesetzt. Ich war schockiert. Die Rockhelden meiner Jugend hatten sich in eine Boygroup verwandelt, die sich dem Softrock hingab. Vom Erfolg geblendet hatten sie nicht mal mehr die Energie, ihre Gitarren selbst in die Hand zu nehmen, oder ihr Bier irgendwo abzustellen. Glücklicherweise hatten sie Bühnenpersonal. Das Publikum war absolut begeistert und klatschte und rockte selbst bei den langsamsten Lieder mit.  Bei dem Lied We will stand together zeigte Nickelback zum ersten mal, dass sie doch noch ein wenig Feuer im Hintern besitzen und so startete Daniel Adair mit einem Schlagzeug Solo durch, welches echt noch den Rocker Geist mit sich trug.  Wie es sich zu einem richtigen Rockkonzert gehört, dürfen auch die Groupies nicht fehlen, wenigstens eine schaffte es in der Konzerthalbzeit ihren BH auf die Bühne zu schmeissen, noch einmal Glück für Chad Kroeger und seine Band, sie bleiben dem Rockerimage treu. Was natürlich nicht fehlen durfte war das Lied How you remind me, Nickelbacks bekanntester Song, welcher heute noch an jeder Fete abgespielt wird und den wohl das gesamte Hallenstadium auswendig mitsingen konnte.  So fand ich mich wieder zwischen all diesen verliebten Kuschelrocker,  Pärchen, Mutter und Sohn Gebilde. Ich hatte einfach kein Feeling für einen Kuschelrock-Abend, I wanna be a rockstar, selbst dieses Lied konnte das Image nicht verbessern. Das aufmunternste des Abends war wohl das stetige zuprosten der Band. Etwas was sie noch nicht verlernt haben.  So hebe ich mein Glas und verabschiede mich von den Rockhelden meiner Jugend. Nichtsdestotrotz möchte ich für ihr Musikalisches Können schwärmen, auch wenn der Stil etwas verfehlt wurde. Aus irgendeinem Grund schaffen sie es jedes Jahr aufs Neue das Hallenstadium in Zürich zu füllen und dem möchte ich meinen grossen Respekt aussprechen.

Fotos: Nickelback im Hallenstadion, 2012 – Sacha Saxer