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Jahrelange Arbeit stecken im Debütalbum der Zuger Band Humanoids und schon vor seiner Veröffentlichung hat es mächtig viele Vorschusslorbeeren eingeheimst. Wird «I Hear the Sun» dem Hype gerecht?

Humanoids  – I Hear the Sun (zVg)

Ein rundes Dutzend Songs liefert das Quartett um Aldo, Schwerich, Marc und Philipp auf ihrem Erstlingswerk I Hear the Sun ab. Schleppende, krächzende Gitarrenriffs, sphärischer Gesang, knackiger Bass und intelligente Drumbeats, das sind die Grundzutaten für den Humanoids-Sound. Nichts von der überstilisierten, sterilen Perfektion, wie sie auf vielen modernen Produktionen zu finden ist, wird einem auf dieser Scheibe um die Ohren geknallt. Im Gegenteil, das Knistern im Klang erinnert an die 70er, der Stimme schwingt stets ein Hauch Melancholie mit, die Saiten bewusst verzerrt um einen satteren, teilweise fast psychedelischen Sound zu erzeugen.

Wer’s bis jetzt noch nicht erkannt hat: Humanoids spielen Stoner-Rock und um es gleich vorweg zu  nehmen; sehr guten. Und dabei lassen sie sich von Genre-Grenzen – die beim Stoner-Rock ohnehin recht fliessend in andere Bereiche von Blues bis Metal fliessen – nicht beeindrucken. Speziell fällt hier der Track Sinkhole auf. Er klingt ein Stückweit wie ein The Beauty of Gemina-Song, dem man die Wave- und elektronischen Einflüsse entzogen hat und dafür surrende Gitarren in den Sound eingeflochten hat.

Die unterschwellige Blues-Note lässt Sad Man’s Choir aus den übrigen Tracks herausstechen. Während Sad Man’s Choir melancholisch daherkommt, wirkt Jaywalk eher bedrückend, ja fast erdrückend, und Clash beginnt so düster, dass sicher jeder Doom (die Musikrichtung, nicht das Computerspiel, Anm. d. Red.) Freund gleich wohl fühlt. Die schmerzverzerrten Gitarren eröffnen ein ganz anderes Klanggefüge und geben dem Album eine weitere Dimension.

Der Opener Unloose the Grey klingt dagegen schon fast klassisch brav und geradlinig. Er ist aber geschickt gewählt, vermag er doch neue Hörer relativ sanft und trotzdem schnell in die Klangwelt von Humanoids ziehen. Ein geschickter Schachzug.

Ein Wort zum Songwriting: Die Lyrics von I Hear the Sun sind ein gutes Beispiel dafür, dass Stoner-Rock seinen Namen nicht zu Unrecht trägt. Ich habe keine Ahnung, welche Arten von bewusstseinserweiternden Mitteln man sich einschmeissen müsste, um aus den Texten schlau zu werden. Ich bin mir sicher, auf irgendeine Art und Weise ergeben sie Sinn, er erschliesst sich mir einfach. Wenn man sie, respektive den Gesang als weiteres Instrument ansieht, funktionieren sie hingegen hervorragend.

Wer einen Einblick in die Welt des Stoner-Rock erhalten möchte, sollte sich diese Scheibe unbedingt einmal anhören. Wer diese Art von Musik schon mag, kommt an I Hear the Sun sowieso nicht herum.

Release
22. August 2014

Label
Ambulance Recordings/Irascible

Tracklist
01 – Unloose the Grey
02 – Tote Bag
03 – Pure
04 – Sinkhole
05 – Death and Taxes
06 – Dog Days
07 – Sad Men’s Choir
08 – Jaywalk
09 – Flyblown
10 – Clash
11 – Speed Bumb
12 – Down Below