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Die Aktivistengruppe «Anonymous for the Voiceless» hat in der Winterthurer Innenstadt vegane Ernährung propagiert. Und obwohl ich Fleisch esse, war ich von ihrem Aktivismus positiv überrascht. 

Da wandert man ohne einen bösen Gedanken an einem lauschigen Samstag durch die Winterthurer Altstadt und stösst plötzlich auf Anonymous-Masken.

Anonymous sind eine lose Gemeinschaft von Internet-Aktivisten. Neben Whistleblowern tummeln sich in der Szene vor allem Leute, die Verschwörungstheorien verbreiten. Sie tragen die Guy-Fawkes-Maske, die durch den Film V wie Vendetta Berühmtheit erlangt hat. Bislang ist mir das Phänomen nur online begegnet. Der Block aus zwölf Aktivisten zieht logischerweise sofort die Aufmerksamkeit auf sich.

Cube of Truth: Vegane Aktivisten prangern Nutztierhaltung an. Bild: Evelyne Oberholzer

Einige der Anonymen halten einen Laptop in den Händen. Darauf läuft ein Film mit drastischen Szenen aus einem Schlachthof. Um das Menschenviereck herum stehen einige Leute in schwarzen Shirts, einige halten ebenfalls Masken in den Händen. Ich quatsche einige von ihnen an um zu fragen, was sie hier genau machen. Ein junger Mann mit Dreadlock-Dutt verweist mich an Sophie. Sie ist die Organisatorin des Events und gern bereit, mir einige Fragen zu beantworten.

Warum benutzt ihr Anonymous-Symbolik? Seid ihr Verschwörungstheoretiker?

Sophie: Wir sind «Anonymous for the Voiceless». Wir wollen die Wahrheit zeigen, weil die Fleischindustrie systematisch die Kunden belügt. Eine Verschwörungstheorie kannst du nicht beweisen, wir hingegen wollen Missstände aufdecken. Darum haben wir uns entschieden, die Masken aus V wie Vendetta zu tragen.

Aktivistin Sophie vor dem «Cube of Truth». Bild: Evelyne Oberholzer

Wie lange tut ihr das schon?

«Anonymous for the Voiceless» wurde im April 2016 in Australien. In der Schweiz sind wir seit Dezember 2017 aktiv.

Bringt das was?

Auf jeden Fall. Die Leute sind sehr offen hier, jedesmal wenn wir einen Cube machen, haben wir einen Impact.

Was empfiehlst du Fleischfressern, denen das Tierwohl am Herzen liegt, die aber nicht auf Fleisch verzichten wollen?

Vegan werden.

Und wenn die Verdauung nicht mit macht?

Dann raten wir, bei Challenge 22 mit zu machen. Dort gibt es Hilfe, Coaching, Ernährungsberater und Ärzte, die dir persönlich helfen und dich betreuen.


Vermutlich ist es diese diese «Challenge 22», die der Gruppe den Vorwurf eingebracht hat, eine Sekte zu sein. «Challenge 22»-Mitglieder werden (extrem) intensiv betreut. Gleichzeitig wird «Anonymous for the Voiceless» für ihre intransparente Finanzierung und interne, zwischenmenschliche Probleme kritisiert. Das allein reicht aber nicht für den Sektenvorwurf, denn wer aus der veganen Community aussteigen will, kann dies recht einfach und schnell arrangieren. Zum Beispiel mit einem fleischlastigen Grillabend.

Trotz negativer Publicity: «Anonymous for the Voiceless» machen deutlich, aber gleichzeitig unaufdringlich auf ihr Anliegen aufmerksam. Sie missionieren nicht. Ganz im Gegensatz zur nächsten «Aktivisten»-Gruppe, die an diesem Samstag in Winterthur um Anhänger weibelte. Kaum hatte ich den Fehler gemacht, mir einen Flyer in die Hand drücken zu lassen, blubberte der Scientologe mich auch schon voll. Da sind mir die Tierfreunde also deutlich sympathischer.