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Circus Ohlala – ein Wiedersehen

Der nun achtjährige Liebeszirkus Ohlala hat sich von einer niedlichen Ohlolita zu einer gestandenen Ohlalady gemausert. Gregory Knie hat ein Erotik-Spektakel inszeniert, das in der Schweiz seinesgleichen sucht.

«In control or out of control?» Bild: Severin Walker

«In control or out of control», fragt uns die adrette Empfangsdame am riesigen Zelteingang auf dem Flugplatz Dübendorf und streckt uns ein blaues und ein rotes Säckchen mit zwei Eintrittsbändchen entgegen. Fotograf und ich tauschen einen Millisekundenblick aus und antworten einstimmig: «Out of control!» Pfft – was für ‘ne Frage. Was es aber damit auf sich hat, wollte die Frau vor dem Schwarzen Loch, das Logo des diesjährigen Ohlala-Programms «Out of Control», nicht verraten. Und wir werden das auch nicht! Nur so viel: «b» wie boring…

Make-it-Up

Zugegeben, der Erotikzirkus und ich haben eine gemeinsame Vergangenheit. Als Servierdüse durfte ich beim allerersten Mal hinter den Kulissen mitwirken und meinen kleinen Teil zum Spektakel beitragen. Damals huschten wir alle noch in extra für uns im Beate Uhse eingekauften Karo-Röckchen mit Cüpli-Tabletts und Sushi-Platten umher und mussten unser Make-Up selber machen.

«Für mein Gesicht braucht sie knapp sechs Minuten.»

Heute ist das andersrum: Jede Hostess kauft sich ihr Dessous-Outfit selbst, dafür aber übernimmt die pinkhaarige Hobby-Visagistin Jacky das faszinierende und aufwändige Glittersteinchen-Make-Up – mit Bravour!

Visagistin Jacky ist schon seit zwei Jahren dabei. Bild: Severin Walker.

Spätestens als ich einige bekannte Gesichter unter den vermeintlichen Besuchern sehe, wäre ich für einen kleinen Moment gerne wieder Teil dieser quirligen Künstlerkompanie. Von einer Artistin, die ich noch vom ersten Mal her kenne, wollte ich wissen, was sich für sie seither verändert hat. «I have two babies!», antwortet sie ihren Mann anstrahlend, mit dem sie später eine Partnerakrobatik-Nummer zum besten gibt. Mit der Erkenntnis, dass offenbar Zirkusakrobatik das Mittel gegen Schwangerschaftsspeckröllchen ist, machen wir uns wieder auf die Jagd nach weiteren Eindrücken.

Love Mood

Da und dort schon einen Blick auf die Darsteller erhaschend, weil sie sich unters Volk mischen, erspähen wir auch die Gregory Knies Liebe zum Details. Alles ist auf «love, sexy and kinky» getrimmt. Eine stilvolle Chaise longue beim Eingang, allerorts samtige Ohrensessel und neckische Mosaikbein-Lampen an der Bar. Auch die Perlenketten-Vorhänge als Sichtschutz zu den Lounges dürfen nicht fehlen. Und wer etwas von der Erotik-Atmosphäre nach Hause nehmen will, kann sich beim Amorana-Stand eindecken.

Tanzeinlagen statt Nummerngirls. Bild: Severin Walker

Red-Carpet-Feeling

«Kostenlose Stecher.»

So eine Gala-Show ist zweifelsohne was Exklusives. Nebst gratis Cüpli und Popcorn kann man sich auch Häppchen von der Stange eines leckeren Oben-ohne-Kellners schnappen oder sich umsonst stechen lassen. Nein, nicht so, wie ihr jetzt denkt! Das Tattoo- und Piercingstudio Giahi ist vor Ort und hat sich mit ihrem alten bekannten Knie Junior was besonderes einfallen lassen: Wer sich Ohlala tätowieren lässt, hat ein Leben lang kostenlosen Zutritt zur Show! Kein Wunder, waren bereits eine Stunde nach der Gala-Eröffnung alle Termine vergeben.

Wizard of OZlala

Mit einem Mal wird alles dunkel, die Musik klingt nicht mehr aus den Boxen und auf den Zirkuswänden stehen Sprüche wie «out of control» und «go over the limit». Gleich darauf beginnt der riesige Styroporkopf, der bisher in Barnähe friedlich vor sich hin schwebte, zu sprechen. Die eindrückliche Videoprojektion fordert in Englisch die Gäste dazu auf, sich auf die bevorstehende Darbietung einzustellen.

In der Feuerfalle. Bild: Severin Walker

Und dann geht es auch schon endlich los mit hängenden Entfesslungskünstlern, strammen Motorradakrobatinnen und fliegenden Strippern. Man weiss gar nicht so recht, wo man hinsehen soll, ohne etwas zu verpassen. Da eine Lovestory in luftigen Höhen, dort eine burleske Schlangenfrau. Der «Zirkuszauberer» hinter den Kulissen hat genau gewusst, wie er das Publikum in den Bann ziehen kann – oder vielmehr in eine fantastische Welt aus Livemusik, Liebesak(t)krobatik und tanzenden Nummernboys and -girls.

Ohlullabye

Das durchdachte Schaulustspiel geht auf. Auch wenn Gregory beteuert, dass er heute noch vor einer Premiere nervös sei, so wissen die Knies genau, was zu tun ist, um ihre Zuschauer bei der Stange zu halten; oder gar an die Stange zu bringen. So ist die Show nach den Darbietungen in der Erotikarena längst noch nicht vorbei, sondern wird an der After-Party fortgesetzt – dafür sorgen die passionierten ProfitänzerInnen über, auf und neben der Tanzfläche des zum Club umfunktionierten Vorzelts.

«Mr chunnt usem  Zält und es isch, als wär d’Party scho sit zwei Stund in Gang. Geil!»

Ungünstig nur, dass dies alles an einem Mittwoch stattfindet – so ist der Circusvibe schnell verflogen und man bekommt seine Sinne rasch wieder «in control». Dass nach der Vorstellung auch keine verführerischen Dine&Shine-Boys mehr umher gehen oder was anderes Essbares zu erstehen ist, lädt auch nicht gerade zum Verweilen und Ausklingen-Lassen bei.

Showprotagonistin in schwindligen Höhen. Bild: Severin Walker

Zumindest an der Gala-Premiere verlässt man den wie üblich ausverkauften Emotionszirkus nicht mit leeren Händen. Kriegt man doch noch diverse Goodies wie einen Ohlala-Bierkrug in die Hand gedrückt. Das vertreibt das sich in der Magengegend breitmachende Leeregefühl (Sehnsucht?) etwas und macht definitiv Lust auf ein nächstes Wiedersehen!

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Bild: Severin Walker
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Bild: Severin Walker
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Bild: Severin Walker
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