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Am 2. April verwandelte sich das verschlafene Dörfchen Stans zum Treffpunkt der 80er Jahre Metal Fans. Grund dafür war die Premiere des Iron Force Festivals.

Black Diamonds am Iron Force Festival 2016 (Foto: Miwa Erni)

Black Diamonds am Iron Force Festival 2016 (Foto: Miwa Erni)

Dass es immer noch ein Bedürfnis nach 80er Jahre Metal Musik gibt, zeigte sich alleine schon darin, dass die erste Ausgabe des Iron Force Festivals ausverkauft war. Über 350 Fans stürmten das Jugendhaus Senkel in Stans. Schon um 15 Uhr war der Saal gut gefüllt und mancher Veranstalter hätte bei diesem Anblick feuchte Augen gekriegt.

Doch woher kommt dieser Andrang, woher diese Faszination an «alter» Musik? Klar, neun Bands für 29 CHF im Vorverkauf oder 35 CHF an der Abendkasse, das ist eine Menge Live-Musik für kleines Geld. Doch das half dem Bonebreaker Mayhem Festival letztes Jahr auch nicht. Auch die Lage sprach nicht unbedingt für das Iron Force Festival, zu unbekannt war das Senkel beim Durchschnittsschweizer. Folglich musste der Erfolg eine andere Ursache haben. Wenn man sich das Publikum ansah, fiel auf, dass das Durchschnittsalter weit höher war als bei den meisten heutigen Metal-Konzerten. Die meisten Besucher waren mit dem 80er Hair & Glam Metal aufgewachsen, hatten tapfer die oftmals über alle Massen peinlichen Bühnenoutfits der Bands ertragen und sich am satten Sound und den eingängigen Texten ergötzt. In den 90ern hatte dann die Nu Metal-Welle der Metal-Musik beinahe den Garaus gemacht und mit dem neumodischen Metal Core können diese Leute im Allgemeinen auch nichts anfangen. Für diese Fans war das Iron Force Festival ein Geschenk, ja ein Jungbrunnen gar. Zu dieser Art Musik hatten sie vor 30 Jahren gefeiert und so konnten sie sich für einen Tag mal wieder jung fühlen.

Nicht etwa, dass das Publikum nur aus älteren Semestern bestanden hätte. Bei den vielen Jugendlichen könnte eine Art Metal Core Überdrüssigkeit der Grund gewesen sein, sich bis nach Stans zum Festival zu begeben. Während das Greenfield Festival sich immer mehr um das jüngere Publikum bemüht, hat sich beispielsweise das Rock the Ring in Hinwil vor allem auf die älteren Besucher eingeschossen. Das Iron Force Festival hatte sich zum Ziel gesetzt, die goldenen 80er wieder aufleben zu lassen und damit einen Nerv getroffen. Zudem merkte man dem Festival von Anfang an den «Von Fans für Fans»-Charakter an, der bei der Metal-Szene meistens zu Sympathiebesuchen führt.

Die Auswahl der Bands war abwechslungsreich, passend und vor allem eines: intelligent. Alle Künstler gehörten musikalisch in die Zeit und waren zwar bekannt genug, um Leute zu ziehen, aber noch «handlich» genug, um bezahlbar zu sein. Und das trotz diesem unverschämt tiefen Eintrittspreis. Ein Grund, wieso es finanziell aufging, lag sicherlich auch an den sehr moderaten Getränke- und vor allem Essenpreisen. Anders als bei den bekannten Rockstar Burgern war man nach einem Burger nicht gleich pleite und die verschiedenen Saucen sorgten für leckere Abwechslung. Beim nächsten Mal wäre hier aber eine grössere Auswahl an vegetarischen Alternativen und nach Möglichkeit eines veganen Gerichts wünschenswert. Und auch wenn sie leider die Euro-Norm für das «Grosse Bier» angenommen hatten (4dl statt 5dl), so war es mit 5 CHF mehr als erschwinglich. Beides zusammen sorgte dafür, dass den Leuten genügend Geld für Verpflegung und Merchandise zur Verfügung stand.

Dass das erste Iron Force Festival ein grosser Erfolg war, zeigte sich auch in den zahlreichen Reaktionen nach dem Festival. Viele wollten wissen, wie es denn weitergeht. Und deshalb hat das OK, dessen Kern aus gerade mal zwei Personen (Yves Nellen und Christian Pfister) besteht, beschlossen, unter dem Namen Iron Force Production weitere Veranstaltung auf die Beine zu stellen. In ihren Köpfen nimmt das Iron Force Festival 2017 schon mal Formen an. Wir werden euch natürlich informieren, wenn genaueres bekannt wird.

Neben meiner Meinung als 40jähriger alter Sack (O-Ton der Fotografin des Abends), hier noch die meiner 12jährigen Tochter, die den ganzen Tag mit der Kamera begleitet hat und deren Fotos hier auch zu sehen sind: «Das ist das erste Mal, dass die sowas organisieren? Dann sollten andere mal vorbeischauen und gucken, wie das geht. Beim nächsten Mal bitte noch einen Fotograben, damit ich besser arbeiten kann. Aber unbedingt die Hamburger wieder dabei haben!»
Verstanden, Miwa. Du wirst auch nächstes Jahr bestimmt nicht verhungern müssen.

Fotos: Miwa Erni

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