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Die schottische Band Holy Esque trägt mit «At Hope’s Ravine» den Postpunk ins 21. Jahrhundert. Besser als alle zuvor.

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Golden schimmert das ikonische Kreuz vom makellosen Weiss. Kein Schriftzug, kein Hinweis stört das monumentale Cover von At Hope’s Ravine. Die Schlichtheit prophezeit epochale Grösse.

Könnte jemand je das Erbe von Ian Curtis antreten, wäre es Pat Hynes aus Glasgow. Seine Band Holy Esque hat mit At Hope’s Ravine ein atemberaubendes Album geschaffen. Elf Songs, die Grenzen zwischen Religion und Atheismus verwischen. Holy Esque nahmen sich nichts Geringeres vor, als die moderne Beziehung zur Spiritualität zu ergründen. Sie schaffen es mit einnehmender Überzeugung.

Und dennoch kann einen nichts auf auf die Intensität des ersten Stücks vorbereiten. Düster flirren die Gitarren durch unendliche Tiefen, der leidende Vibrato in Pat Hynes’ Stimme fährt direkt in die Knochen. Prism ist ein zitterndes Fanal, eine flammende Rede, eine donnernde Predigt.

Cold broken child on a path through the wild
Holding life on your way to the light
Whisper a way, oh my dreams they decay
On a sick dark node to your pastPrism

Holy Esque (Foto: zvg)

Holy Esque (Foto: zvg)

Rose schickt krachende Blitze durch den Himmel. Doch selbst die rohe Gewalt der Instrumentalisierung vermag nicht von der unvergleichlichen Poesie in den Texten ablenken. Die Lyrics sind das schwarz schimmernde Juwel zwischen den dunklen, dichten Arrangements. Pat Hynes klagt, kreischt, krümmt und windet sich.

I doubt in my faith, now yours is lost in dark face
All broken lies so, I’d hope and I’d pray
Something so sweet, it’s bittered and frayed
If you love something truly now give it awayRose

Wenn Kunst das Produkt der Umwelt ist, dann trifft das auf kaum eine Band besser zu als Holy Esque. Sie reflektieren Glasgows unerbittlichen Sakralbauten, die betonierte Moderne, die raue Wildheit des schottischen Nordens. Spielerisch wechseln sie zwischen Schatten und Licht, zwischen Melancholie und Hoffnung.

Tear entwickelt sich nach und nach zur heimlichen Hymne. Hynes‘ Stimme krächzt fiebrig und die Gitarren fräsen Klippen in die Küsten und zerreissen die dunklen Wolken. Hier hört Holy Esque an, dass sie aufs Ganze gehen. In ihrer Musik gehen Abgründe auf, in die man sich – mit Genuss – hineinstürzt.

Atemlos rauscht die Band in Silences durch nächtliche Strassen, steigt mit My Wilderness in dunkle Katakomben hinab. Sie führen weiter, was die Editors und Placebo begonnen haben: Holy Esque tragen das Erbe von Joy Division in das 21. Jahrhundert.

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Die Homogenität des Albums kann man dennoch ankreiden. Die Songs entwickeln erst nach und nach ein eigenständiges Profil. Die musikalischen Referenzen an den schummrigen 80ies-Goth sind unüberhörbar, auch wenn die eigene Handschrift ebenso präsent ist. Andererseits ist At Hope’s Ravine Holy Esque’s Debütalbum. Und selbst ruhige Momente wie das namensgebende Finale At Hope’s Ravine oder Doll House meistert die Band erstaunlich gut.

Die euphorischen Höhepunkte in ihrer Klang-Kathedrale bleiben dennoch die mitreissenden Hymnen Rose, Hexx, Silences oder Tear. Sie reichen denn auch bei Weitem aus, das Debüt zu einem faszinierenden Erlebnis zu machen.

Release
26. Februar 2016

Label
Beyond The Frequency

Tracklist

  1. Prism
  2. Rose
  3. Hexx
  4. Covenant (Ill)
  5. Silences
  6. Strange
  7. Doll House
  8. Tear
  9. My Wilderness
  10. At Hope’s Ravine