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Am 7. Mai fand im Spirgarten in Zürich ein ganz aussergewöhnliches Konzert statt. Nazareth und Uriah Heep, zwei grosse Namen der Musikgeschichte, die insbesondere in der Generation meiner Eltern bekannt sind, fanden zusammen, um einen unvergesslichen Abend voller Erinnerungen zu gestalten. 

Schon von weitem war eine riesige Schlange vor dem Veranstaltungsort zu sehen, bei der das erhöhte Durchschnittsalter auffiel. Anders als bei vielen anderen Konzerten waren hier ältere Generationen, die meistens die 50 schon überschritten hatten, zu sehen. Dies war jedoch nicht verwunderlich, denn diese Generation ist mit Musik von Uriah Heep und Nazareth gross geworden und somit kann man sich die Chance, diese beiden zusammen an einem Abend auftreten zu sehen, nicht entgehen lassen. Dies spiegelte sich auch in der Besucheranzahl wieder: im Konzertsaal und sogar im Gang davor standen die Leute dicht Schulter an Schulter gedrängt und versuchten, einen Blick nach vorne auf die Bühne zu erhaschen, was sich jedoch den hinteren Reihen schwierig gestaltete.

Wer es jedoch schaffte, sich nach vorne durchzukämpfen, durfte ein Konzert miterleben, das von Anfang an grossartig war. Dan McCafferty, der Sänger von Nazareth, der schon deutlich ergraut ist und sich nicht mehr so agil bewegt, hat kein bisschen von der Kraft seiner Stimme verloren. Er schaffte es mit Liedern wie Dream On, Whiskey Drinkin’ Woman, Changin’ Times und natürlich Love Hurts so manchem Zuschauer ein paar Tränchen in die Augen und ein wehmütiges Lächeln ins Gesicht zu zaubern – schliesslich verband vermutlich jeder Einzelne aus dem Publikum sowohl glückliche als auch traurige Erinnerungen mit seinen Liedern.

75 Minuten dauerte die Reise in die Vergangenheit mit Nazareth, sie sollte dort jedoch noch nicht aufhören. Auch Uriah Heep, die im Anschluss auftrat, können auf eine lange Musikkarriere zurückblicken – “44 years of music to play for you tonight and we’re still counting!”, um es mit den Worten des Sängers Bernie Shaw zu sagen. Die fünf Briten schafften es an dem Abend, vielleicht sogar ein bisschen stärker als Nazareth, das Publikum absolut in ihren Bann zu ziehen, nicht zuletzt auch dank dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied Mick Box. Box und Shaw kommunizierten mit dem Publikum, spielten mit ihnen, und animierten sie immer wieder dazu, mitzumachen, zu klatschen oder sich sogar die Seele aus dem Leib zu singen.

Während dem ganzen Konzert wurde eine gute Mischung aus alten, teilweise sogar aus den Anfangszeiten von Uriah Heep stammenden, und neuen Liedern gesungen. Darunter waren Come Away Melinda und Gipsy aus ihrem allerersten veröffentlichen Album. Von der neuesten CD wurden I’m Ready, Into the Wild  und Nail in the Head gespielt, wobei mir persönlich vor allem das letzte davon im Kopf hängengeblieben ist und mich noch ein paar Tage danach verfolgte.

Besonders Freude machten während dem Konzert jedoch nicht nur die Lieder, sonder auch die Art, wie sie vorgetragen und in Szene gesetzt wurden. Man sah der Band zu jedem Zeitpunkt an, wie viel Spass ihnen die Musik machte. An dieser Stelle hingegen möchte ich jedoch vor allem an die Lichttechniker, die ihre Sache wirklich gut gemacht haben, ein grosses Lob aussprechen. Der Ton hingegen stimmte nicht immer so ganz, vor allem war das ganze Konzert eigentlich viel zu laut – ein paar Dezibel weniger hätten es auch getan. Dies tat jedoch der Stimmung keinen Abbruch, wie spätestens bei der Zugabe Lady in Black zu sehen war. Das Publikum war zu diesem Zeitpunkt kaum noch zu bremsen, es klatschte, tanzte, und sang aus voller Kehle mit, und liessen sich von Shaw nur zu gerne auf ein kleines Singspiel ein.

Alles in allem war es ein vollends gelungener Abend. Sowohl Nazareth als auch Uriah Heep waren in Höchstform und schafften es, eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu schlagen und somit auch sowohl junges wie auch altes Publikum zu begeistern – eine Leistung, die sich auf jeden Fall sehen lassen kann!