Samstagabend, 19.30 Uhr. Vor dem Dynamo steht eine grosse Menschenmenge, die man von weitem schon als Rock-Fans erkennt. Der Grund für dieses zahlreiche Erscheinen heisst Black Stone Cherry – die ein grossartiges Konzert vor ausverkauftem Publikum gaben.

Schon von Beginn an war die Vorfreude und dementsprechend auch die Ungeduld gross. Manche Leute konnten es kaum erwarten – so erklangen noch vor dem Auftritt der Vorband immer wieder «Black Stone Cherry! Black Stone Cherry! Black Stone Cherry!».

Doch die vier Schweizer von T.B.A, die die Ehre hatten, das Konzert zu eröffnen, liessen sich weder davon noch von der Tatsache, dass sie nirgends als Support-Act erwähnt wurden, beeindrucken. Für Lacher und Sympathie sorgten sie auf jeden Fall schon alleine durch ihr Aussehen, dass vom italienischen Gigolo bis zum offensichtlichen Kelly-Family-Fan (mit Schlaghosen!) ging. Nach wenigen Klängen war auch klar, dass sie nicht nur optisch etwas zu bieten hatten, sondern dass die drei Jungs und die Sängerin es auch musikalisch drauf haben. Die Sängerin hat nicht nur eine gute Stimme, sondern kann auch ausserordentlich gut Gitarre spielen, was sie mit kurzen Soli immer wieder zeigte. Aber auch die anderen Musiker standen ihr in nichts nach, wobei sie und der Gitarrist mit der Schlaghose mir am deutlichsten in Erinnerung geblieben sind – wohl auch wegen ihrer Bühnenpräsenz. Schade nur, dass der Sound so schlecht abgemischt war, dass man kaum verstand, was die junge Frau ins Mikrophon sang, schrie, oder sagte – nur die Aufforderung, für Black Stone Cherry zu jubeln, konnte man nicht überhören.

Dafür, dass T.B.A an diesem Abend ihren ersten grossen Auftritt hatten, haben sie ihre Sache auf jeden Fall gut gemacht. Sie haben ihre Aufgabe als Vorband mit Bravour erledigt – nach ihrem Auftritt war die Stimmung nämlich garantiert aufgeheizt. Und was will man mehr als Einstimmung für ein Rockkonzert, wenn nicht eine junge, dynamische und noch dazu talentierte Schweizer Rockband, die viel Spass an der Musik mitbringt?

Nach einer langen Umbauphase von 45 Minuten steigerte sich das Jubeln dann zu einem ohrenbetäubendem Lärm, als die Lichter ausgingen und somit Black Stone Cherry angekündigt wurden. Vom ersten Klang an, der aus den Lautsprechern schallte, war die Stimmung in dem Raum aufgepeitscht – nicht nur wegen der Musik, die auch hier nicht wirklich gut abgemischt war, sondern auch wegen der Show, die allen voran der Gitarrist und der Schlagzeuger boten: Was für eine scheinbar unerschöpfliche Energie!

In Wellen übertrug sich diese Energie dann auch bis in die hintersten Reihen des Publikums. Man erlebt es eigentlich sehr selten bei einem Konzert, dass die Hände auch in den hinterletzten Reihen in die Höhe gehalten werden, aber die Amerikaner erreichten dies mehrmals problemlos. Um es einfach auszudrücken: Die Jungs haben einfach Spass gemacht! Es war schön, ihnen beim Musizieren zuzusehen, diese Energie, die sie auch aufs Publikum übertrugen, mitzuerleben – mit dem Wissen, dass die Musik von Herzen kommt. Besonders gut sind natürlich Klassiker wie Blind Man, Lonely Train, undThings My Father Said angekommen. Auch Lieder von der neuen CD durften natürlich nicht fehlen, zum Beispiel konnte sich niemand dem Rythmus von White Trash Millionaire oder Blame it on the Boom Boom entziehen.

Während dem Konzert haben die vier Jungs immer wieder bewiesen, dass sie keine Berührungsängste haben: Im Dynamo gibt es schon selten bis gar nie einen Graben, trotzdem standen die Musiker (natürlich bis auf den Drummer) mehrmals ganz vorne am Rand der Bühne und schafften dadurch unglaubliche Nähe zum Publikum. Das macht schon fast wett, dass die Amerikaner ohne Zugabe nach etwas mehr als einer Stunde wieder abzogen.

Es gab viele richtig coole Momente an dem Abend – mein persönliches Highlight des Konzerts war eindeutig das Drum-Solo von John Fred Young, dem Sohn des Kentucky-Headhunters-Gitarristen Richard Young. Er legte eine beeindruckende Show hin, bei der seine Löwenmähne in der Gegend herumflog und die Sticks dank der Kraft, mit der er auf das Instrument einschlug, wohl mehr als nur ein paar Dellen bekamen. Bisher ist John Fred Young einer der besten Schlagzeuger, den ich je gesehen habe – schade nur, dass die Stimmung von dem unfähigen Lichttechniker etwas gestört wurde, denn während einem Solo sollte immer mindestens ein Spot auf den Musiker zünden! Trotzdem bleibt mir der junge Mann mit den wilden Haaren lebhaft in Erinnerung und ich werde nicht zuletzt dank ihm den Abend nicht so schnell wieder vergessen.

 

[Not a valid template]