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Der Papiersaal war am 19. Oktober «The Place to Be» für alle Liebhaber gehobener Singer/Songwriter-Musik. Mit Ryan Sheridan stand ein sympathischer Newcomer aus Irland auf der Bühne und begeisterte das Publikum.

Verzückte das Publikum im Papiersaal: Ryan Sheridan (Sacha Saxer)

Verzückte das Publikum im Papiersaal: Ryan Sheridan (Sacha Saxer)

 

sax. Es versprach ein ruhiger, gemütlicher Abend zu werden. Zwei aufstrebende Newcomer aus der Singer/Songwriter-Sparte standen auf dem Programm. Eröffnen durfte den Abend der junge Schweizer Levin, der sich nur mit seiner Gitarre bewaffnet alleine auf die Bühne stellte. Mehr brauchte der charismatische Musiker aber auch nicht, um das Publikum für sich gewinnen zu können. Das Geheimnis des Zürchers liegt in den einfach, aber dennoch raffinierten Liedern, seinem grossartigen Gitarrenspiel und seiner warmen Stimme, mit welcher er seinen authentischen Lyrics ehrlich vorträgt. Mit guter Publikumsarbeit, Auflockerung des Gigs durch feine Witze und viel Charme konnte er das Publikum im gut gefüllten Papiersaal schnell für sich gewinnen. Ein Künstler, den man im Auge (und im Ohr) behalten sollte.

Levins Interpretation von Paco de Lucia’s Rio Ancho zeigte auf eindrückliche Weise, dass er nicht nur wunderschöne Texte voller traumhaften Metaphern schreiben kann, sondern auch ein begnadeter Gitarrist ist.

War die Stimmung bei Levin gut, so wurde sie mit dem Betreten der Bühne von Ryan Sheridan und seiner Band richtig ausgelassen. Von der üblichen Zurückhaltung des Zürcher Konzertvolks war nicht viel zu spüren. Ab dem ersten Ton hing das Publikum dem Iren an den Lippen und er dankte es ihnen mit einem grandiosen Auftritt. Wie auch schon sein Support lockerte Ryan die Musik mit Witzen und flotten Sprüchen auf, suchte immer wieder die Nähe des Publikums, nicht aber, ohne sich immer wieder in den Hintergrund zu verziehen und seinem Bandkollegen Platz im Rampenlicht zu lassen.

Sheridans Stimme zu charakterisieren fällt schwer, besitzt sie doch so viele Facetten. Und es ist genau diese Stimme, welche seine Musik so speziell macht. Melancholisch, oft an der Grenze zum Nasalen, ohne jedoch den meist störenden Effekt des nasalen Klangs zu besitzen, vermittelt sie seine Texte offen und ehrlich und erreicht den Zuhörer direkt.
Klar, der Sound war sauber abgemischt, Ryan’s akustische Gitarre kam gut gegen Drums, E-Gitarre und Bass an, auch wenn letzterer zeitweise etwas dominant war, was aber schnell wieder korrigiert wurde. Grosses Lob an dieser Stelle an den Mixer, der hervorragende Arbeit geleistet hat. Aber trotz alle dem war es die Stimme, die mit ihrer Wärme das Publikum gewinnen konnte.

Besonders erstaunlich war die Textsicherheit des Publikums und dessen Bereitschaft! die Band zu unterstützen, wo es nur konnte. So brauchte es für einmal keinerlei Aufforderungen zum Mitklatschen und auch mitgesungen wurde aus freien Stücken. Wirklich schön, so etwas mal wieder sehen zu dürfen.
Auch die Zusammenstellung der Setlist war gekonnt, ein guter Mix aus ruhigen Balladen und kraftvollen Stücken, was sich besonders in der Zugabe nochmals ganz deutlich zeigte, als Ryan auf das ruhige The Game das wuchtige Brett von All And More folgen liess.

Alles in allem ein überaus gelungener Abend mit dem perfekten Sound für einen Herbstabend: Ein Hauch Melancholie, Wärme und hoffnungsvolles Verlangen. Ein Paradebeispiel dafür, dass das Ganze meist mehr als die Summe seiner Teile ist. Grandiose Stimmen zu einfühlsamen Lyrics, gepaart mit dem Spiel virtuoser Musiker. Besser kann man sich einen Konzertabend nicht wünschen.

Fotos: Sacha Saxer