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Fulminant kehrt die Sängerin Adele nach vier Jahren mit der Single «Hello» zurück. Geniesst den Song, solange es noch geht.

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Adele kommt mit überwältigender Präsenz zurück ins vergessliche Pop-Gedächtnis

Manche Dinge verdienen Anerkennung. Etwa, dass Adele mit ihrem Album 21 ein überlebensgrosses Monument geschaffen hat, das sich wochenlang in den Charts hielt. Auch, dass die Sängerin bis 2012 rund 50 Millionen Tonträger verkaufte. Und dass sie den Rekord der Beatles egalisierte, als sie gleichzeitig zwei Singles und Alben in den Top 5 der britischen Hitparade hielt.
Aber Adele ist auch der beste Beweis, dass ein Jahrhundertphänomen wie ihre Stimme von den Medien vernichtet werden kann. Wer mag heute noch Rolling In The Deep oder Someone Like You hören?

Nach dem gigantischen Erfolg von 21 zog sich Adele Adkins aus der Öffentlichkeit zurück. Sie wolle sich ihrem Privatleben widmen. Ein bemerkenswerter Schritt, der ihrem Umfeld wohl hochangerechnet werden kann, denn der grosse Ausverkauf hätte angestanden.

Vier Jahre hat sie sich Zeit gelassen, eine lange Zeit im brutalen Haifischbecken des Mainstreams. Und heute, am 23. Oktober 2015, kommt Adele mit überwältigender Präsenz zurück ins vergessliche Pop-Gedächtnis. Hello, die erste Single vom Album 25, das im November erscheinen wird.

Was ist das für eine Rückkehr. Ich mochte Adele nie besonders, was aber nicht an ihrem Talent lag, sondern an der Inflation, die kein Entrinnen vor ihren Songs erlaubte. Doch mit Hello hat sich – für den Moment – einiges geändert. Sie ist eine Ausnahmeerscheinung, nicht nur wegen der ausserordentlichen Stimme, sondern auch wegen der Single. Andere Pop-Queens wie Beyoncé oder Rihanna ihre Körper zur Schau stellen und dazu Kaugummi-Melodien trällern, die morgen schon wieder vergessen sind. Rattenfängerei ohne Zeitlosigkeit.

Hello verzichtet auf billige Effekte. Eine sanfte, zurückhaltende Piano-Melodie reicht aus, um Adele’s Stimme zu tragen, so schwermütig sie daher kommt. Der Song ist urtraurig, melancholisch. Die Frau, die sich ins Privatleben zurückzog, kommt zurück mit einem berührenden Stück Erinnerung. Einer zerbrochenen Liebe, deren Wunden immer noch bluten. Hello umgibt diese Ehrlichkeit, diese Authenzität, die Adele von allen anderen abhebt. Es ist, als ob man direkt in ihr Herz sehen kann, und vielleicht sich selber erkennt.

Der Eindruck bleibt, dass es ein sehr persönliches Stück ist. Keine flirrende Pop-Rhythmen, sondern eine sich wiegende Phrasierung. Keine seichten Texte, sondern ein tiefschürfendes Geständnis vor der Welt.

Obwohl mich Hello fasziniert, weiss ich, dass die Uhr läuft. Es dauert keine Woche, bis der Song in der Heavy Rotation immer und überall zu hören ist. Wenn Musik eine Droge ist, wird das die Überdosis sein, die einen schönen Trip zu einem Albtraum werden lässt. Schade.