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Eine noch unbekannte Folk-Death-Metaltruppe aus Thun will mit ihrem Erstlingswerk neue Wege begehen. Am 13. November kommt «Itinera» in die Läden und wird auch noch am selben Abend im Worbi getauft. Ein erster Einblick.

Artikel 2015-11-13 Hedere-Itinera Artikelbild

Hedera nennt sich das Quintett aus der Region Thun – lateinisch für Efeu – und wie das namengebende Gewächs klettert die Band entlang ihrer Wirtsmusikrichtung Death Metal hoch. Dabei verbindet sie aber geschickt Elemente aus Folk und Black Metal mit dem klassischen Death Metal und generieren so ihren ganz eigenen Sound. Dass sie dies schon bei ihrem ersten Album geschafft haben, spricht für Hedera.

Was noch stärker für sie spricht, ist die Tatsache, dass sie sich für ihr Debütalbum gleich an ein Konzeptalbum gewagt haben. Itinera erzählt die Geschichte eines Ehepaars zur Zeit der Industrialisierung – eine spannende Zeit, auf die in der zeitgenössischen Kunst viel zu wenig eingegangen wird – vom Einzug der Maschinen in die Arbeitswelt, über schwere Krankheiten und Krieg bis hin zum (vermeintlich) finalen Ende.

Was einem gleich zu Beginn auffällt, ist der duale Gesang – Mike’s düstere Growls und Iris’ glasklare Stimme – durch den sich die Geschichte des Paares wunderbar erzählen lässt. Während Mike’s Vocals vielfach etwas zu leise in den Soundmix gemischt wurden, strahlen die Lyrics von Iris wunderbar durch die harten Riffs und die Beats des Schlagzeugs durch. Das Konzept ist keineswegs neu; Bands wie Epica oder Leaves‘ Eyes verwenden diese Kombination schon seit Jahren. Dennoch hört sich Hedera nicht wie eine Kopie dieser Bands an. Alleine schon der Einsatz der Violine setzt sie deutlich von den genannten Künstlern ab.

Normalerweise würde ich jetzt an dieser Stelle die einzelnen Stücke zerpflücken und analysieren. Aber im Booklet schreiben sie folgendes:

Dieses Album entstand mit einem Hintergedanken in unserem Kopf. Ein roter Faden verläuft durch das Album, eine Geschichte, die darauf wartet, entdeckt zu werden. Während du die Texte liest und dir die Lieder anhörst, hoffen wir, dass du deine eigene Version dieser Geschichte entdeckst. Deshalb helfen wir dir auch nicht bei der Interpretation. Nichts läge uns ferner, als dich auf eine einzige Version davon einzuschränken.

(Frei übersetzt von mir, das englische Original liest sich besser.)

Aber auch ohne auf den Inhalt der Lyrics näher einzugehen, kann ich getrost sagen, dass sich hier jemand grosse Mühe gegeben hat, eine tragische Geschichte tiefgreifend zu verpacken. Die Musik funktioniert zwar auch wunderbar für Leute, die sich einen Deut um die Songtexte scheren, bietet aber gerade für diejenigen, die sich mit den Texten auseinandersetzen wollen, viel Tiefe. Gruftis kennen sowas von ASP, dessen Songs auch immer sehr tanzbar sind, aber auch immer eine zweite Ebene im Gesang enthalten.

Die neun Songs sind abwechslungsreich aufgebaut und überraschen immer wieder mit neuen Elementen, die ich an dieser Stelle nicht verraten möchte. Ich muss an dieser Stelle auch sagen, dass ich mich an der Wemakeit-Kampagne zur Finanzierung der Scheibe beteiligt habe. Dies, weil ich auf Grund der Kostproben, die Hedera zur Verfügung gestellt haben, gefunden habe, dass die Band Potential hat.

Potential, my ass! Sie haben sich zur Neuentdeckung des Jahres gemausert. Nicht die einfachste Kost, aber sicherlich eine der bekömmlichsten. So hört sich die Zukunft des Schweizer Metals an. Wenn dann auch noch die paar Aussprachefehler bereinigt sind und in Zukunft keine solch üblen Photoshop-Verbrechen mehr im Booklet landen, sieht es gut aus für Hedera. Von diesem Debütalbum können sich viele internationale Bands noch eine fette Scheibe abschneiden. Einer meiner fünf Lieblingssilberlinge dieses Jahres.

Release
13. November 2015

Label
self published

Tracklist
01 – Harbinger of Ruin
02 – Moloch
03 – Heirs of Sisyphus
04 – Deliverance
05 – Charon’s Toll
06 – Guardian Angel
07 – Ablaze
08 – Loss
09 – Conclusion