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Die fortschrittlichen todesmetalligen Draufgänger aus Winterthur (kurz «Hazardeur») sind in der Szene trotz über 500 Facebookfans vermutlich noch eher ein Geheimtipp. Trotzdem haben sie bereits ihre erste Scheibe namens «Rational Gaze» veröffentlicht.

Mein Kopf fängt automatisch an, sich im Drumming-Rhythmus zu bewegen.  Ich habe die Band noch nie live gesehen – kein Wunder, Hazardeur hat sich auch erst dieses Jahr neu formiert und wird erst im Dezember auf Tour gehen. Sie haben keine Fotos online und trotzdem erzeugen die Songs ein Bild nach dem andern vor meinem geistigen Auge. Das könnte natürlich auch an Song Nummer 4 liegen, den ich gerade höre: Manipulating the Unconscious.

Wer verbirgt sich hinter dem Puzzle, das sich nur stückweise über die Musik zusammenfügt?

Ich sehe, wie die Finger über die Saiten gleiten, sie zupfen und anschlagen, Gitarren-, Bass-  und andere Hälse umhergeschwungen werden, wie sie herumwirbeln und dabei trotzdem die Kontrolle über ihre Instrumente nicht verlieren. Der Drummer drescht lockerlässig mal sitzend, mal halb stehend auf die Tomtoms, Trommeln und Becken ein, wirbelt die Sticks herum.  Der Frontmann beugt sich vor, sein Mic fest im Griff und mit durchdringendem Blick growled er seinen Part. Alles Bilder von Instrumenten und vielen Schattenspielen, die nur in meinem Kopf sind und von einem einzigen Bandmitglied erzeugt werden. Das ganze Album wurde nämlich von Bandgründer Ben aufgenommen, der auch gleich alle Instrumente spielte. Erst später gesellten sich dann die Mitglieder der aktuellen Formation dazu. An den Konzerten wird künftig Lars den Bass schwingen, Jakob und Andreas ihre Gitarren herumwirbeln und Marc die Vocals übernehmen, während Ben sich auf die Drums konzentriert.

Was darf man von Hazardeur erwarten?

Zu Beginn dachte ich «Hm ja. Lyrics… ich werde das vermutlich nie schaffen, irgendwas zu verstehen.» Vielleicht habe ich auch nur eine Anwärmphase gebraucht oder musste meine Ohren noch etwas mehr trainieren, aber bei Conceived in Iniquity war meine Sensibilisierung auf die tiefe Brummstimme eingestellt/abgeschlossen und ich verstand den Text doch noch.

Ein dauernder Wechsel zwischen schon fast ruhigen und entspannten Klängen mit leichtem Mitnick-Faktor zum abrupten Beinaheschleudertrauma zieht sich durch alle Songs ihres Debutalbums. Sie gönnen einem immer nur eine sehr kurze Erholungsphase, bevor die Ohren wieder mit Vollgas dabei sind – der Körper folgt von ganz alleine. Hazardeur werden die progressive Death Metal-Szene mit ihrem Erstlingswerk nicht in Aufruhr versetzen, werden sie aber definitiv mit ihren Songs bereichern. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die Band durch die Einflüsse aller fünf Members weiterentwickelt.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls neugierig auf ihren ersten Auftritt, den sie für Dezember planen – ein definitives Datum oder eine Location haben sie leider noch nicht bekanntgegeben.

Release:
30. Mai 2014

Tracklist:
01 – Unity Of Opposites
02 – Destined To Deceive
03 – Hidden Masks
04 – Manipulating The Unconscious
05 – Massive Interception
06 – Collapsing Under The Weight Of Existence
07 – Voices Of The Devious
08 – The (In)Human Condition
09 – The Sixth Great Wave
10 – Conceived In Iniquity
11 – God Of Our Times