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Fast vier Jahre ist es her, als Haubi Songs einen seiner ersten Auftritte im Winterthurer Portier hatte. Seither ist viel Wasser die Eulach herabgeflossen, und das Projekt des Luzerners Nick Furrer ist gereift.

Mundart-Musik war stets verpönt. Zu provinziell, zu eindimensional sei sie. Und die Kritik ist teilweise sicherlich gerechtfertigt, doch Künstler wie Stiller Has beweisen schon seit Jahren, dass selbst schweizerdeutsche Texte Tiefgang haben können.

Nachdem die vielbejubelte Band Alvin Zealot einen leisen Tod starb, widmete sich der Bassist Nick Furrer seiner eigenen Vision. Dieses Jahr erschien dann das Album Ergendwie Zöme von Haubi Songs (zu deutsch: halbe Songs). Es ist ein Werk, das zum grössten Teil von einer Fernbeziehung handelt. Der Sound, erschaffen nur durch den Bass und einer Vielzahl von Loops. Die Text, die direkt aus dem Alltag einer jungen Generation entspringen, die nicht recht weiss, wer sie ist und was sie will. Dabei beweist Haubi Songs ein geschicktes Händchen für den Effekt der Einfachheit. Die Arrangements sind reduziert, lassen Raum, damit sich die Lyrics entfalten können. Ein anglizistischer Jugendslang trifft auf urchigen Dialekt und öffnet das Spannungsfeld zwischen Lokalkolorit und digitalisiertem Weltbürgertum. Haubi Songs verpackt ein Lebensgefühl auf eine ebenso schräge wie erfrischende Art: sanft vertonte Alltagspoesie.

«Fluganscht Basu – easy wack,
Im Handgepäck ä schöni Zyt.»

Furrer beweist auch auf der Bühne, dass er zu einer neuen Ära von Mundart-Künstlern gehört, die alte Vorurteile raffiniert umschiffen. Seelenruhig baut er seine Songs Stück für Stück auf. Furchtlos mutet der Luzerner dem unsteten Publikum im Eingang des Salzhaus Winterthur seine teils krass sperrigen Rhythmen zu.

Ist es erst Kunst, wenn es jemanden erreicht? Diese Frage stellt sich Haubi Songs gar nicht. Furrer wirkt wie ein verrückter Wissenschaftler, der hinter seinen Gerätschaften die Klangexperimente um ihrer selbst willen durchführt. Dabei spielt es keine Rolle, wenn der Versuch erst schief geht. Denn das Beobachten dieser Experimente ist das eigentliche Spektakel; nicht die fertig synthetisierten Songs. Es sind halbe Songs, aber ganze Kunst. Performance-Kunst.