Mark Tremonti, bekannt als Gitarrist von Alter Bridge und Creed, besuchte im Rahmen seiner Solo-Tournee Zürich und bewies, dass er nicht nur ein begnadeter Gitarrist, sondern auch ein begabter Sänger ist.

Der Sonntagabend begann schon etwas zwiespältig. Auf der einen Seite ist es für ein Metal-Konzert immer gut, wenn es nicht restlos ausverkauft ist, denn die Veranstalter vergessen dabei immer den Platz, den es für ein vernünftiges Moshpit braucht, auf der andern Seite sieht eine nicht gefüllte Halle für die Band nicht so toll aus. Mephistosystem, die Vorband des Abends, schien sich an den Lücken im Publikum nicht zu stören. Obwohl die Band sehr engagiert spielten, erreichten sie das Publikum kaum, was jedoch eher daran lag, dass ihre Musik nicht trivial ist und durchaus zuerst ein paar Mal gehört werden muss, bevor man sie wirklich geniessen kann. Dass der Gesang dann auch noch unglücklich abgemischt wurde, machte es nicht einfach, die kritischen Texte zu verstehen. Schade, aber die Schweizer Rockband wird sicherlich noch an diversen Anlässen zu hören sein. Zur Zeit arbeiten die Jungs an ihrem nächsten Album, können aber noch keinen Veröffentlichungstermin bekannt geben. Bis dahin kann man sich hier über das letzte Album Move the Clouds informieren.

Obwohl sicherlich ein paar Besucher extra wegen Mephistosystem nach Zürich gekommen sind, wartete der grösste Teil auf einen Mann: Mark Tremonti. Nach seinen Erfolgen mit Creed und Alter Bridge als Gitarrenvirtuoso – er wurde vom renomierten Magazin Guitar World nicht zu Unrecht drei Mal in Serie zum “Guitarist of the Year” gewählt – tritt er nun komplett in den Mittelpunkt seines Soloprojektes tremonti. Hier übernimmt er auch den Part des Sängers, der für ihm zwar nicht gänzlich neu – er sang schon bei beiden Bands Backing Vocals – aber dennoch anders ist. Nun kann er sich nicht mehr hinter der Stimme eines anderen verstecken und das muss er definitiv auch nicht. Aber auch beim Mainact war die Abmischung des Gesangs nicht gut. Zu leise im Vergleich zu den Instrumenten drang Marks stimme aus den Boxen, auch seine Ansagen waren teilweise kaum zu verstehen. Sehr schade. Über die beiden Rückkopplungen während des Konzerts konnte man hinweghören, aber wenn ein essentieller Bestandteil eines Songs nicht mehr auszumachen ist, dann hat der Soundtechniker gepatzt und das muss und darf nicht sein.
Während ihn seine Kollegen von Creed jeweils daran erinnerte, dass sie nicht Slayer seien, wenn er mal wieder etwas härtere Riffs einbauen wollte, konnte er bei seinem eigenen Projekt die Saiten malträtieren, wie es ihm gefiel. Tremonti kommt somit deutlich härter daher als Creed oder auch Alter Bridge. Allerdings wurde das Konzert für mein Empfinden mit der Zeit zu eintönig und nach einer Dreiviertelstunde hatte ich eigentlich genug gehört. Die beste Technik nützt nichts, wenn man ein zu kleines Repertoire hat. Die Abwechslung hat einfach gefehlt. Dies kann sich natürlich in Zukunft leicht ändern, wenn er ein weiteres Album fertiggestellt hat, und ich hoffe es wirklich, denn sonst war es ein ziemlich gelungener Abend. Die Stimmung im Publikum war mehrheitlich gut, auch wenn ich vergeblich auf ein Moshpit oder wenigstens ein Massengehüpfe im ganzen Saal gehofft hatte. Hier ist noch deutlich Steigerungspotential vorhanden. Vielleicht lag’s aber auch nur daran, dass die Leute nach dem Wochenende einfach zu müde waren.

 

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