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Die Aargauer Kombo Gonoreas lud zu einem kleinen Unplugged-Konzert in Wettingen ein und Negative White dachte sich, dass sie mal vorbeischauen sollten. Ob sich der Umweg gelohnt hat?

Sang sich die Seele aus dem Leib: Leandro Pacheco (Sacha Saxer)

Sang sich die Seele aus dem Leib: Leandro Pacheco (Sacha Saxer)

 

sax. Das erste Mal, dass uns Gonoreas über den Weg lief, war an der Eröffnung der Zürcher Metalbar Ebrietas, an welcher sie im Loch auf der Bühne standen und das erste Mal die Aufmerksamkeit unseres Fotografen erregten. Damals noch mit Jonas Ambühl von Axis and Allies als Interimssänger, zeigten die Aargauer schon, was sie zu bieten haben. Doch erst als sie mit Leandro Pacheco ihren neuen Sänger gefunden – und mit ihm ein neues Album, dass sich auch auf seinen Gesang abstützte, aufgenommen hatten – begannen sie, ihre Stärken zu offenbaren. So entpuppte sich dann auch das aktuelle Album The Mask Of Shame als eines der stärksten Schweizer Metalalben des Jahres. Wir liessen es uns natürlich nicht nehmen, an der Plattentaufe im Nordportal Baden dabei zu sein, wo sich Bassist Patrick Rafaniello als extrem gefühlvoller Balladen-Sänger entpuppte.

Metal unter Strom spielen, dass können viele – manche besser, manche schlechter. Aber die harten Klänge unplugged richtig rüberzubringen, bedarf einiger Finesse. Die Location für einen solchen Gig war perfekt gewählt: Eine kleine, leicht verrauchte Kneipe – ja im Aargau ist das bis zu einer gewissen Grösse noch erlaubt – direkt beim Bahnhof Wettingen. Quasi Heimspiel für die Brugger. War letztes Jahr die Brunner’s Rock Night im Tägi in Wettingen der erste öffentliche Auftritt vom neuen Sänger Leandro Pacheco, so war die Rock Bar84 am Freitag Schauplatz des ersten Unplugged Konzertes seit dem Abgang von Gitarristin Larissa Ernst, die joblich bedingt ihr Engagement bei Gonoreas aufgeben musste. (Erster Gedanke von mir als Fotograf war: «Mist, jetzt hab ich nur noch vier Typen vor der Linse.» Erster Gedanke von mir als Musikjournalist war aber: «Ach nee, ich werd ihr Mörderbrett vermissen.») So war es auch ein Abend, der zeigen sollte, ob die mittlerweile zum Quartett geschrumpfte Truppe auch ohne Larissa richtig abgehen können. Und dann noch unplugged…

Der verbleibende Gitarrist Damir Eskic spielte sich an der hölzernen die Seele aus dem Leib und blieb auch, als ihm eine Saite riss, locker und spielte auf den fünf verbleibenden die letzten beiden Songs durch, als wäre dies das alltäglichste. Ob es jetzt einfach nur ein sehr guter Tag für ihn gewesen war oder ob er versuchte hatte, Larissa’s Fehlen zu kompensieren, ist schwer zu beurteilen, aber das Resultat war grandios. Damir liess die Saiten seiner Gitarre singen und das Lächeln hätte man auch mit einer Stahlbürste nicht aus seinem Gesicht schrubben können. Was er da als Gitarrenvirtuoso leistete, war ganz grosses Kino.

Doch statt tausend Worte zu verlieren, sollte man hier echt besser Bilder sprechen lassen. Wie an kleinen Clubkonzerten üblich, waren die Bedingungen für die Kamera nicht die Besten, doch irgendwie schafften es die Musiker, in ihrem eigenen Licht zu erstrahlen und die Freude, die sie an jenem Abend hatten und auch aufs Publikum übertrugen, konnte gut eingefangen werden. Klein, fein und absolut grossartig – mehr braucht man über diesen Auftritt nicht zu sagen.

 

Fotos: Sacha Saxer