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Harrys Narbe schmerzt wieder, Hermine macht etwas Dummes und Draco ist kein Arschloch mehr: Negative White stellt euch den neuen Harry Potter vor. 

Fortsetzungen sind für einen Autoren nicht leicht. Und wenn die ersten sieben Bände Literaturgeschichte geschrieben haben, dann sind die Anforderungen noch höher. Die Fortsetzung sollte mindestens so gut sein wie die Vorläufer, gleichzeitig aber etwas Neues beinhalten. Mit Harry Potter and the Cursed Child sind die Autoren J.K. Rowling, Jack Thorne und John Tiffany dieser Anforderung nicht ganz gerecht geworden. Nichtsdestotrotz ist das Buch lesenswert.

Wer die Saga um den Jungen mit der Blitznarbe kennt, der weiss, dass die Britin eine meisterhafte Storytellerin ist. Sie führt den Leser an der Nase herum, versteckt Geheimnisse im Offensichtlichen und wartet immer wieder mit Twist auf. Zudem hat die Story viel Humor, Tiefgang und ist atemberaubend spannend. All das hat der neue Harry Potter.

Was er nicht hat, sind die Details, die die Zaubererwelt so liebenswert machten. Den Clash of Characters, der die Geschichte abseits der ganzen Magie zauberhaft machte. Zudem ist der neue Band ein Theaterstück. Während früher Harry und seine Freunde in den Raum der Wünsche flohen oder ins Ministerium stürmten, so rennen sie nun auf die Bühne. Viele Fans dürfte dieser Drehbuchcharakter stören.

Aber das interessiert hier wohl keinen oder?

Also spoilern wir die Geschichte.

+++ WARNUNG SPOILER +++

Wenn du die Story mehr oder weniger detailliert nicht schon jetzt wissen willst, überspringst du diesen Abschnitt am besten.

Die Story

Das achte Buch beginnt dort, wo das Siebte endet: Harry und Ginny bringen ihre Kinder zum Hogwarts-Express und Albus Severus Potter äussert seine Befürchtung, in Slytherin zu landen. Albus‘ Ängste werden sich bewahrheiten: Er landet nicht nur in Slytherin, er findet sich auch schnell in einer Aussenseiter-Rolle wieder. Sein einziger Freund ist kein anderer als der kleine Scorpius Malfoy, Dracos Sohn.

Die ersten drei Schuljahre überfliegen die Autoren, oft mit sehr lose zusammenhängenden Szenen. Scorpius ist ein Geek, Albus ein unsicheres Grossmaul. Derweil jagt Auror Harry schwarze Magier und findet mehr am Rande einen Zeit-Umkehrer. Wer sich an das Finale des fünften Bandes erinnert, wird wissen, dass es offiziell seit dem Kampf im Ministerium keine Zeit-Umkehrer mehr gibt.

Nun ist aber wieder einer im Spiel, und Amos Diggory, Vater des von Voldemort ermordeten Cedric Diggory, will damit seinen Sohn zurückholen. Harry verweigert ihm diese Hilfe, wohl wissend, was alles schief gehen kann, wenn man mit der Zeit herumspielt.

Harrys Sohn Albus und sein Kumpel Scorpius haben diesbezüglich weniger Skrupel. Mit der Hilfe des alterssenilen Amos und seiner Nichte Delphi reisen sie in die Vergangenheit, um Cedric zu retten. Natürlich geht alles schief und die neu gestaltet Zukunft präsentiert sich schrecklich: Voldemort siegt, Umbridge ist Schulleiterin, Albus wird nie geboren, weil Harry sein 18. Lebensjahr nicht erreicht. Als die beiden Jungs ihre Lektion gelernt und die Vergangenheit wieder gerade gebogen haben, wollen sie den Zeit-Umkehrer zerstören.

In diesem Moment offenbart Delphi ihr wahres Gesicht. Und ihre Abstammung, denn die junge Hexe ist keine andere als die Tochter von Voldemort und Bellatrix Lestrange. Ihr Ziel ist es, ihren Vater zurück zu holen und sein dunkles Reich zu nie gekannter Grösse zu erheben. Albus und Scorpio haben nicht die Kraft, sich ihr im offenen Kampf zu stellen, und Delphi entführt die beiden in die Vergangenheit. Selbstverständlich liegt es nun an Harry, Ron und Hermine, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Tatkräftige Hilfe erhalten sie von Draco Malfoy.

Wie sich der finale Kampf genau abspielt, führen wir hier nicht aus, immerhin soll für den Leser noch was übrig bleiben. Aber wie man es sich von der Saga um den Zauberer mit der Blitznarbe gewöhnt ist: Am Ende siegt das Gute.

Fazit

Für Fans der Harry Potter-Serie ist der achte Band ein Muss. Er ist kurzweilig wie seine Vorgänger und lässt den Leser mehr als einmal nach Luft schnappen. Magische Details und ausgefeilte Action fehlen, statt dessen liegt der Fokus eher auf Beziehungen und Gefühlen. Wie in allen Time-Travel-Geschichten liegt ein grosser Reiz im Spiel mit den alternativen Realitäten, und gerade Ron und Hermine sind mehr als einmal für einen Lacher gut.

Für jene, die nur die Filme kennen oder sich überlegen, erst jetzt in die Saga einzusteigen, dürfte das Buch eine grosse Enttäuschung sein, es braucht das Vorwissen der vorherigen sieben Bände.