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AnnenMayKantereit – drei Kölner Jungs und den Drang nach authentischer, handgemachter Musik: Sie lassen nicht nur Teenieherzen höher schlagen, auch Herbert Grönemeyer schwärmt von ihnen. Obwohl sie am liebsten draussen auf der Strasse spielen, waren sie am Samstagabend im Gaswerk in Winterthur.

Halb neun Uhr abends vor den noch verschlossenen Türen des Gaswerks in Winterthur. Die Stimmung der vorwiegend Anfang zwanzig Jährigen ist gut. Nur ein dezenter Hauch von Ungeduld ist zu spüren. Doch dann geht die Türe auf, es geht rein. Die grossen Lettern über der Bühne machen schnell klar, hier spielt die Band, auf die das ganze ausverkaufte Gaswerk wartet: AnnenMayKantereit.

Doch vorerst gilt es die englische Sängerin Findlay zu begutachten. Die zierliche Brünette tritt mit ihren drei Bandkollegen auf. Ihre Stimme ist mindestens genauso kräftig wie das rot ihres Jumpsuits, denn sie zu Nike-Turnschuhen trägt. Die Musik, eine Mischung aus griffigem Rock, süssem Pop und alternativen Elektroklängen lässt die Zuschauer erst aufmerksam hinhören, bevor sie sich den Klängen der Britin hingegeben. Natalie Findlay dankt es ihnen mit ihrer starken Präsenz und der Aussicht auf AnnenMayKantereit.

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AnnenMayKantereit liessen Herzen höher schlagen. Bild: Steffi Sonderegger

22 Uhr, das Licht wird gedimmt, vor der Bühne drängen sich mehr und mehr Leute. Lauter Jubel ist zu hören, als die Kölner Jungs anfangs Zwanzig die Bühne betreten. Wer die Gesichter nicht bereits in den weit über die Welt hinaus verbreiteten Videos gesehen hat, dürfte hier erstmal leer geschluckt haben. Denn wie richtige Rockstars sehen die jungen Musiker rund um Sänger Henning May nicht aus. Mit Turnschuhen und simplem T-Shirts erinnern sie eher an die Mathematikstudenten aus der WG von neben an. Doch wehe, die Kölner schlagen ihren ersten Takt an, dann sind vorschnelle Vorurteil innert Kürze vergessen. Denn AnnenMayKantereit haben sich nicht umsonst in den vergangenen Monaten und Jahren einen Namen gemacht.

Ihr Konzept ist einfach: Das was gefällt, wird gespielt, ohne grossen Effekte und Verzerrungen. Mit grosser Vorliebe tun sie das noch heute draussen auf der Strasse, im Wald oder einfach in einer Bauruine. Fängt Henning May erst an zu singen, fällt der Kinnladen runter, denn die rauchige Stimme, die teils an einen Joe Cocker erinnert, passt irgendwie so gar nicht zu dem zierlichen jungen Mann, der in den Youtube-Videos entweder am Klavier sitzt oder mit Kollegen wie Milky Chance den Police-Hit Roxanne zum Besten gibt. AnnenMayKantereit sind gut – das findet auch Herbert Grönemeyer, der sich bei der Ankündigung der Band bei der Sendung «Circus Halli Galli» auf Pro7 dazu äussert.

Der gleichen Meinung sind auch die Zuschauer im Gaswerk in Winterthur am Samstagabend. In den ersten Reihen werden die Augen gross, der Blick glasig. Vor dem Mischpult tanzen Männer mit langen Bärten und Jutebeuteln im Takt der Musik, die in nichts abweicht von den vorab gehörten Songs über digitale Kanäle – ganz im Gegenteil. AnnenMayKantereit zeigen sich authentisch und stark. Songs wie Oft gefragt und Barfuss am Klavier gehen unter die Haut, während bei Schon krass die Hände in der aufgeheizten Luft des Clubs tanzen. Kurz vor halb zwölf Uhr ist ausgespielt. AnnenMayKantereit sagen Danke und machen sich auf den Weg zu den nächsten Konzerten. Die sind in diesem Jahr allesamt ausverkauft.