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Al Pride haben ihren Stolz gefunden. Die Indie-Formation aus Baden liess sich für ihr neustes Album «Hallavara» ordentlich Zeit. Zu Recht, denn so reif hat sich die Band noch nie angehört.

Wäre nicht die Stadt Zürich schon rein wegen ihrer Grösse die musikalische Hochburg für junge Schweizer Bands, dann würde sicherlich das schöne Baden im Aargau den Titel innehaben. Für ihre übersichtliche Grösse bietet die Idylle an der Limmat mit Acts wie Yokko, den Jungspunden von One Sentence. Supervisor oder einem Grossteil der Chanson-Truppe Frank Powers doch einige Klangperlen. So auch die 2009 ins Leben gerufene Indie-Band Al Pride. Die Band um Sänger sowie Frontmann Nico Schulthess und seinem weiblichen Gegenüber Astrid Füllemann ist je nach Live-Formation bis zu acht Mann stark und kann auf drei Alben zurückblicken.

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Al Pride (Foto: zvg/Pascal Küng)

Wobei zurückblicken etwas weit hergeholt ist, denn ihr drittes Album Hallavara erblickte erst gerade das Licht der Welt. Nachdem Al Pride 2013 ihr zweites Album Another Color veröffentlicht haben und mit diesem so ausgiebig wie kaum eine Schweizer Band unterwegs waren, liessen sie sich für ihr neustes Werk genügend Raum und Zeit. Dieser Prozess kann auch mit einem gewissen Heranreifen verglichen werden, hört sich doch ihr neuster Wurf überraschend komplett an. Als wäre die Band in ihrem klangmässigen Heimathafen angekommen.

Ohne gross auf ihr 2011 erschienenes Debüt Hello Blue Light einzugehen – das zusammenfassend ein Stück mit dem Namen Popsong beinhaltete – macht die Band mit Hallavara einen grossen Schritt in Richtung Reife und Persönlichkeit. Hatten sie mit dem über Radicalis erschienen Zweitling schon einiges an Wiedererkennungswert gewonnen, lässt sich mit dem im letzten März veröffentlichten Nachfolger eine klare Linie erkennen. So klar wie die Linie, so klar auch der Albumtitel: «Hallavara» ist eine Wohlfühloase in Schweden, wohin sich die Band für die Aufnahmen abgesetzt haben. Zurückgezogen in ein kleines Landhaus mit grossen Ideen im Gepäck:

Es war Isolation. Leben, Essen, Schreiben, Aufnehmen, ab und an zu viel Trinken. Und das alles auf engem Raum. In einem Haus, gelegen in einem Zweihundert-Seelen-Ort, fünf Minuten entfernt von der atemberaubenden, rauen Küste und direkt am Waldrand.Nico Schulthess, Sänger

Die Frische und Freiheit in Natur gebetteten Ortes hatte wohl auch ihren Einfluss auf den Entstehungsprozess, schimmert doch eine gewisser Hauch an Wildnis und Meeresluft durch, der Songs wie Leaf oder People zusätzlich Fülle und Kraft verleiht. Was Al Pride in Schweden auf ein Album gebannt haben, ist nicht einfach Indie oder Pop, auch kein Indie-Pop. Kantige Gitarrenriffs sowie Synthie-Läufe mit Wärme und Herz finden sich mal zwischen Shoegaze und wenn Rasseln auf Bläser treffen sogar einem Hauch Soul. Hat doch der Opener Gold mit seinem mitreissenden Finale schon etwas von energiereichem Gospel.

Die beiden Stimmen von Schulthess – ehemals John Caroline und Teil der Badener Combo Finger Finger – und Sängerin Astrid tauchen mal unabhängig voneinander auf, mal im Gleichgang, mal im Gegeneinander und doch immer im Einklang. In Liedern wie Stones ergänzen sich die Zwei wie ein Guss und schweben textlich gleichwegs vor sich hin, wie der treibende Drumbeat verbunden mit den verletzlichen Piano-Rhythmen von Nicos Bruder Luk. Der Song zeigt die gewonnene Stärke der Band, die auch mit dunkleren Melodien zu strahlen vermag. Weit weg von Schweizer Radio-Pop und ausgelutschten „Alles gut, alles schön“-Lyrics. Schliesslich fliesst auch in die Entstehung neuer Musik einiges an Emotionen:

Wilde Partys und heftige Auseinandersetzungen waren genauso notwendig wie die ganz grossen, gemeinsamen Momente. All dies ist auf diesem Album.Nico Schulthess, Sänger

Spätestens wenn dem Hörer dann das Klavier-Intro der ersten Single-Auskopplung Leaf in die Ohren prescht und sich ein wahres Wohlgefühl in den mitschwingenden Beinen ausbreitet, erkennt auch der allerletzte Zweifler, dass durchwegs auch Bands aus unserer Heimat im Stande sind Alben abzuliefern, die in ihrer Grösse und Qualität über die Landesgrenzen hinausgehen. Klar lassen sich Parallelen zu grossen Vorbildern wie den belgischen Balthazar oder dem Geschwister-Duo Angus & Julia Stone feststellen, ohne dass das Ganze jedoch abgekupfert oder austauschbar wirkt.

(Foto: zvg/Pascal Küng)

(Foto: zvg/Pascal Küng)

Al Pride haben sich mit Hallavara auf jeden Fall gefunden, nicht nur auf Platte gebannt, sondern auch live. Nach einem epochal inszenierten Album-Showcase im Casino Bremgarten mit ordentlich Spektakel und Publikum zieht die Band nach einem gelungenen Tastemaker-Konzert am m4music für weitere Konzerte durchs Land. Dass bei einer solchen Scheibe noch einige Live-Termine hinzukommen werden, ist da keine Frage. Solch ein gutes Stück Baden strahlt auch über die heimische Idylle hinweg.