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Der Monomontag im Winterthurer Portier ist jede Woche aufs Neue ein Abenteuer. In der letzten Ausgabe im 2013 spielte Haubi Songs vor kleinem Publikum für das Zugbillet zurück nach Luzern.

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jt. Haubi Songs, also halbe Songs, ist Alltagspoesie in Mundart. Fernab jeglichem Schweizerdeutsch-Singsang aus der Hitparade. Nick, seines Zeichen Bassist bei der aufsteigenden Rockband Alvin Zealot aus Luzern, präsentierte sich bei seinem ersten Auftritt als Haubi Songs wie eine junge, schlanke Version von Endo Anaconda. In der Tat haben mir die Lieder das erste Mal seit Stiller Has wieder die Ohren für Mundart-Songs geöffnet. Tiefgründig, ironisch, traurig, frech und manchmal auch lustig loten die Songs die Orientierungslosigkeit einer Gesellschaft, die ständig in Bewegung ist, aus.
Halbe Songs waren es in der Tat. Nick arbeitete mit verschiedenen, teils in seinem Schlafzimmer vorbereiteten Loops. Um sich herum versammelte er mindestens tausend Knöpfe und Regler, die alle zur richtigen Zeit richtig gedrückt und gedreht werden wollten. Natürlich musste er ab und zu mal den Song neu beginnen, doch er gewann das Publikum mit Humor und Charme. Und wenn der Text eines Songs, der erst am Nachmittag entstanden ist, nicht mehr so ganz sitzt, hilft das Handy weiter. Klingt unprofessionell? Nun, es machte die ohnehin schon nachfühlbaren Texte weiter menschlich. Es war echt und kein kantenloser, abgespuhlter Auftritt. Ich für meinen Teil hoffe auf mehr halbe Songs.

Fotos: Janosch Tröhler