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Musik ganz im Stil von Gotthard, wie ich sie seit jeher kenne – bis auf einen kleinen, aber dennoch schmerzlich spürbaren, respektive hörbaren, Unterschied.

Artikel 2014-04-14 - Gotthard

Nic Maeder ist kein Ersatz für Steve Lee (Foto: Michelle Brügger)

Vor allen Dingen bei Remember It’s Me hallte es immer und immer wieder durch meinen Kopf. Nein, der Satz stimmt so nicht, wenn Nic Maeder «remember it’s me» singt. No, it’s not – it’s Steve Lee I remember. Natürlich ist und bleibt es Gotthard, auch ohne den verstorbenen Frontmann Steve Lee. Und dennoch… Sobald die alten Songs gespielt werden, stutze ich. Es klingt wie Gotthard, bis auf die Tatsache, dass der Gesang anders klingt. Dadurch transformieren sich die Songs automatisch in sehr einfallslose Coverversionen. Das hat nichts mit Maeders Stimme zu tun. Die passt sehr gut zu den Gotthard-Songs. Aber eine gute Coverversion beinhaltet für mich eine Eigeninterpretation des Songs, was natürlich schlecht möglich ist, wenn tatsächlich Gotthard spielt.

C’est La Vie hingegen ist eine brandneue Ballade ganz im gewohnten Gotthardstil mit Harmonien, die unter die Haut gehen und garantiert auf der einen oder anderen Kuschelrocksongliste landen wird. Weshalb mich das Gefühl beschleicht, den Song bereits zu kennen, weiss ich nicht. Ich bin immer kurz davor, mich an den vermeintlich bekannten Song zu erinnern.

Zu Beginn ein verhaltenes Publikum, das erst nach und nach erwacht

Das Publikum macht auf mich zu Beginn einen eher verhaltenen Eindruck. Ob das daran liegt, dass die im ausverkauften Haus anwesenden Fans scheinbar alle gemeinsam mit Gotthard älter geworden sind? Die eine Hälfte sitzt in den oberen Rängen und die andere Hälfte geniesst das Konzert auf den Stehplätzen, was scheinbar sehr wörtlich genommen wird. Nur ein paar wenige Ausnahmen hüpfen ansatzweise wenigstens ein bisschen im Takt zur Musik, die Mehrheit aber wippt nicht mal mit dem Kopf.

Bei Heaven steigt das Publikum schon nach den Wörtern «Show me the way to your heart…» mit ein, das den Song auf Wunsch von Leo Leoni in ein Lichtermeer aus Telefondisplays verwandelte. Erst bei Mountain Mama scheinen sich zumindest ein Drittel der Zuschauer in Konzertbesucher zu verwandeln und die Stimmung passt sich nach und nach den heissen Temperaturen im Saal an. Bei Sister Moon ist es dann geschafft: Endlich wird gehüpft, mitgesungen, geklatscht.

Treue Fans – bis zum letzten Ton

Doch schon zwei Songs später verlassen viele Besucher den Saal. Ob sie wissen, dass gleich die Zugaben folgen werden? Ja, im Gegenteil: Sie hatten Durst und holten an den Getränkeständen Nachschub für den Rest des Konzerts. Als erste Zugabe performt die Band One Live One Soul und einmal mehr vermisse ich die weiche und trotzdem kraftvolle Stimme Steve Lees. Die kratzige Rockröhre von Nic Maeder passt schlicht nicht zu diesem sanften und einlullenden Song. Ich habe selten ein Konzert erlebt, bei dem der Massenexodus nicht bei den Zugaben eingesetzt hat. Aber bis auf wenige Ausnahmen geniessen die Gotthard-Fans den Abend bis zum letzten Ton.

Neu durchstarten und loslassen

Mein letztes Gotthard-Konzert war 2009 noch mit Steve Lee. Ich weiss nicht, was ich von diesem Konzert erwartet hatte. Natürlich ist Nic Maeder keine Kopie von ihm und das soll er um Himmels Willen auch nicht werden. Allerdings hatte ich auf einmal einen sehr bildhaften Vergleich vor Augen: An Totenwachen sehe ich nie in den offenen Sarg, weil ich den geliebten Menschen lieber so in Erinnerung behalten möchte, wie er zu Lebzeiten war. Deshalb hätte ich den Deckel «Gotthard» wohl auch nicht öffnen dürfen.

Mein Fazit dieses Konzerts mag manchen etwas harsch erscheinen. Ich bin nunmal kein grosser Fan von Coverbands, die keine eigenen Songs spielen. Mit Nic Maeder als Frontmann hört es sich aber leider wie eine solche Band an. Die Hälfte aller Lieder waren zwar von den neuen LPs, aber um mich als Gotthard-Fan zurückgewinnen zu können, sollten sie die alten Songs und damit die Vergangenheit loslassen und sich voll und ganz auf die neuen Songs konzentrieren.