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Zwei Jahre nach «The Mask of Shame» meldet sich die Aargauer Metalkombo Gonoreas mit ihrem mittlerweile sechsten Studioalbum zurück. «Destructive Ways» nennt sich die neue Scheibe und ist alles andere als destruktiv.

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Schon das instrumentale Intro Ritual stellt klar, dass man es hier mit einem Weltklasse-Gitarristen zu tun hat.  Ab dem ersten Ton beweist Damir Eskzic, dass er zu den besten Gitarristen der Schweiz gehört. Ein Metal-Album mit einem ruhigen, akustischen Stück zu eröffnen beweist Mut. Es funktioniert umso mehr als dass der nächste Track dafür gleich von Start an Vollgas gibt. Rebellion Against the Obsessor beginnt mit Screams, die man einem jungen Rob Halford zuordnen würde. Tatsächlich hat Leandro weiter an seiner Stimme gearbeitet und ist nun in der Lage, neben satten Clean-Vocals auch glasklare Screams rausschmettern zu können.

Auf Parallel Universe sind Anleihen von Brainstorm auszumachen, besonders wenn Leandro die lang gezogenen Silben mit dem für Andy Franck charakteristischen Singsang über die Double-Bass-Attacken von Stefan Hösli schiebt. Es bleibt zu hoffen, dass dies nur ein Experiment ist und nicht den zukünftigen Gesangsstil von Gonoreas darstellt. Dieses Rumgeeiere sollte den Deutschen vorbehalten bleiben, Leandro singt zu gut, um mit solchen Spielereien zu nerven.

Der Anfang von Wizards erinnert dank den atmosphärischen Klängen zuerst ein wenig an Nightcrawler von Judas Priest, aber nach wenigen Sekunden ist die Ähnlichkeit auch schon wieder vorbei. Eigentlich schade, dem Experiment mit solchen Klängen hätte ich gerne länger zugehört. So bleibt nur ein weiterer gelungener Track, der sonst aber nicht wirklich auffällt.

In Bruce Dickinsons Gesangsbuch hat Leandro für Empire geschaut. Zum Glück hat sich die Band nicht das letzte Album der Briten zum Vorbild genommen, sonst wäre aus dem Song kein 6:34 Minuten Meisterwerk geworden, sondern ein viertelstündiges, sich in Belanglosigkeiten verlierendes Schlafmittel geworden. Im Gegenteil, Gonoreas macht bei Empire alles richtig, was Iron Maiden bei Empire of the Clouds falsch gemacht hat.

Für den sozialkritischen Track When Nobody Asked sollte man sich etwas Zeit nehmen und sich mit seinem Text auseinander setzen. Er ist ähnlich wie It Never Rains von Mono Inc. leider sehr aktuell.

Das Album schliesst mit einem weiteren Instrumental-Track. The Offering greift die Melodie von Ritual auf und verzaubert auf 3:49 Minuten mit etwas vom Besten, das Gonoreas je veröffentlicht haben. Alleine schon wegen diesem Stück lohnt sich der Kauf der Scheibe.

Gonoreas zeigt sich erfrischend experimentierfreudig, ohne ihren eigenen Sound zu verwässern. An manchen Stellen hätten sie noch etwas mehr Mut beweisen dürfen, aber dies wird bestimmt nicht ihr letztes Album gewesen sein. Und hoffentlich findet sich auch der nächsten Scheibe auch wieder eine Ballade vom Kaliber von Still in your Heart.

Wer auch nur ein klein wenig für Metal übrig hat, muss sich Destructive Ways einfach holen. Dieser Silberling darf in keiner anständigen Metal-Sammlung fehlen.

Release:
6. November 2015

Label:
Sonic Revolution

Tracklist:
01 – Ritual
02 – Rebellion Against the Obsessor
03 – Destructive Ways
04 – Viking
05 – Parallel Universe
06 – Wizards
07 – Empire
08 – When Nobody Asked
09 – Dark Triad
10 – The Offering