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Sehnlichst wurde Evanescence von ihren Fans erwartet. Die Band überzeugte musikalisch und bestand in der Schweiz auch die Feuertaufe zu ihrem neuen Album Evanescence. Die Songs kommen bei Teenagern und Altrockern sowie bei absoluten Normalos und Gothic-Ladies gleichermassen an.

Den Start in den Abend durfte The Beauty of Gemina machen. Die Schweizer Band um Michael Sele wurde ganz kurzfristig angekündigt. Mittlerweile sind die vier Herren auch über die einheimische Schwarze Szene hinaus bekannt durch Auftritte im Fernsehen, an Openairs in ganz Europa oder als Support von Unheilig. Nur das Radio spiele sie nicht, weil ihre Melodien und Texte schlecht für die Psyche und selbstmordgefährdend seien, so Sele. Der Auftritt war – für meinen Geschmack – nichts Aufregendes. Sele spart sehr mit Bewegungen und die Musik klang eher monoton mit einigen guten Ausnahmen. Beim Publikum hingegen kam der melancholische Sound sehr gut an und die Band bewies beim Verteilen von Autogrammen Publikumsnähe.

Wer so viel Glitzer aufs Gesicht bringen muss wie Amy Lee, der braucht schon etwas Zeit dafür. Obwohl das Bühnenbild sehr fix umgebaut wurde, mussten die Fans lange auf Evanescence warten. Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Sie sah gut und frisch aus. Zwar hatte sie einige Pfunde mehr auf den Rippen als auch schon, doch das tut ihr gar nichts ab und von weiter hinten merkte das wohl niemand. Wild auf der Bühne herumrennen kann sie auf jeden Fall noch immer und ihr Kapital – ihre Stimme – war gewohnt kraftvoll.

Mit What You Want gab Amy gleich zu Beginn den Ton an. Mit lautem Gekreische wurde Evanescence begrüsst. Wieso auch während dem Konzert und vor allem bei Balladen sich einige Mädels wie an einem Justin Biber Konzert verhielten und quietschend die Show störten, haben sich wohl einige gefragt, welche die Show in Ruhe geniessen wollten. Das Wort «Rasten» gibt es bei Amy Lee sowieso nicht. Die Powerfrau gab den Fans zwischen den Liedern kaum Zeit, um richtig Applaudieren zu können; zack, wurde das nächste Lied angestimmt. Sie verlor kaum Worte ans Publikum und sagte auch, dass sie lieber einfach ihre Songs spielen möchte. Klar sprechen die Songs für sich, doch etwas schade fand ich es trotzdem. Sie hätte viel mehr auf das überschaubar kleine Publikum eingehen können.

Die Band spielte einige Tracks ab ihrem neuen Album und selbstverständlich einen guten Anteil ihrer alten Hits wie Going Under, Bring Me to Life oder Lithium. Für das Schlussbouquet wählten sie My Immortal. Amy Lee bringt so viel Gefühl in ihre Stimme, dass man einfach von ihr verzaubert sein muss. Mal wild und launisch dann wieder vor Sentimentalität triefend brachte sie beides am Konzert harmonisch zusammen. Mit ihren sanften Künsten am Piano und ihrer energiegeladenen Art ist sie einfach bewundernswert. Der Rest der Band geht neben ihr ziemlich unter.

Die effektvolle Lightshow passte zur Intensität des Auftritts. Die Lichtstrahlen schossen mal blau, mal rot im Raum herum, bestrahlten gefächert das Publikum oder tauchten die Bühne in sanftes Licht. Hinten flackerte immer wieder der Evanescence-Schriftzug auf. Ins Bühnenbild an sich wurde überhaupt keine Arbeit gesteckt. Nach meiner Meinung würde ein pompöserer Auftritt bei Evanescence nicht schaden. Mehr, im Sinne von mehr Zeit, dürften sie ihren Fans das nächste Mal ebenfalls schenken. Das Konzert dauerte bloss ca. 70 – 80 Minuten, was nach einer solch langen Abwesenheit doch eher bescheiden ist.

Fazit: Das Konzert war musikalisch top, doch Evanescence könnten noch viel mehr aus sich herausholen.