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Knorkator spielten in Winterthur ihr einziges Konzert in der Schweiz. Sie boten einen Abend für gedankenlose Gedankenspiele. Ein in Bier und Schweiss getränkter Bericht.

Artikel 2014-04-09 - Knorkator

Abgedrehtes Konzertfoto? Das passt zu Knorkator! (Foto: Nicola Tröhler)

Es ist warm. Feuchtwarm. Heiss. Die einzige Bewegung, die ich an diesem Abend machen werde, ist jene, die das Bier an die Lippen führt. Und trotzdem werde ich klatschnass aus dem Gaswerk herausgehen. Knorkator spielen in Winterthur ihr einziges Konzert in der Schweiz. Drei mutige Halbstarke – 17, vielleicht 18 Jahre alt – zünden sich gespielt lässig, aber mit unverkennbarer Anspannung Zigaretten an. Neben ihnen steht der breite Security.
Plötzlich ertönen laute Jubelrufe: Knorkator betreten unter Applaus die Bühne. Die Band und ihr Publikum tritt aufs Gas. Bis zum Anschlag. Natürlich wurde nicht lange gefackelt und Knorkator zogen das Niveau gekonnt auf ein Level, das einem Freitagabend angemessen war. Sänger Stumpen stopft sich also kurzerhand die Jacke eines Besuchers in den Lackschlüpfer.

Bier und Schweiss

Du bist schuld! Das Gaswerk erzittert ehrfürchtig vor der Mischung aus Genialität und Schwachsinn. Zum Glück bin ich ein alter Mann. Das geht mich alles nichts mehr an! Knorkator sind keine Blödeltruppe für junge Metalheads. Erstaunlich viele runzlige Gesichter zwängen und drängen sich in den Reihen. Eine Aura der unergründlichen Faszination scheint diese Band zu umgeben, die Songs mit Namen wie Arschgesicht oder Der Werwurm schreibt. Es spielt keine Rolle, dass die Luftfeuchtigkeit sich dem indonesischen Regenwald angleicht. Auf der Bühne singen sie: Entschuldigt, dass es mich nicht interessiert! Das Interesse gilt heute nämlich den Flüssigkeiten. Bier wird zugeführt und Schweiss abgesondert. In rauen Mengen. Im Moshpit flutschen glänzende, nackte Oberkörper aneinander vorbei. Ein feuchtfröhliches Treiben. Das alles scheint kein Sinn zu ergeben, doch wer Sinn sucht, ist an diesem Konzert auch falsch. Es ist ein kollektives Gedankenspiel ohne Gedanken. Dem Publikum gefällt’s.

Nur eine echte Provokation

Es wird zerstörerisch stickig. Stumpen wagt sich nur einmal aufs Glatteis, als er die Oropax kritisierte. Es ist die einzige Provokation, die als solche wahrgenommen wird, und deshalb auch da und dort mit Buh-Rufen quittiert. Aus Versehen lehne ich mich an die Wand. Meine Schulter ist sofort klitschnass. Es tropft von den Wänden. Knorkator spielen ihr Boney M-Cover Ma Baker. Die Stimmung quillt über. Mein Versprechen wurde indes gehalten: Keine Achselhöhle blieb schweissfrei – ob man wollte oder nicht.