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«Spectre», der mittlerweile 24. Bond-Film läuft gerade in den Kinos und darf sich dem Hype, den die Werbebranche um ihn herauf beschworen hat, stellen.

Spectre ist weniger schwerfällig als Skyfall, mit einigen unterhaltsamen Actionsequenzen. Und das Schauspiel von Christoph Waltz ist wieder einmal grandios. Aber damit hat es sich leider auch schon mit den positiven Eigenschaften des Films. Sam Mendes versucht verzweifelt einen Bond-Film fürs Jahr 2015 zu zeigen, scheitert dabei aber an der Bond-Formel, die sich seit den 60er-Jahren nicht mehr verändert hat. Und deshalb sind alle Wendungen schon vom ersten Augenblick an völlig vorhersehbar, die Handlung immer noch voll mit denselben Sinnlosigkeiten, die schon seit dem ersten Bond durch die Kinos geisterten.

Wenn man schon versucht, das Bond-Franchise in die heutige Zeit zu hieven, dann sollte man sich auch endlich mal von den ewig gleichen Mustern trennen. Wie oft muss Bond noch alleine und unbewaffnet freiwillig in die Höhle des Löwen treten, wo er jeweils ganz offensichtlich schon erwartet wird? Das mag ein paar Male unterhaltsam gewesen sein, aber schon mit dem vierten Bond-Film wirkte das abgelutscht und spätestens seit Daniel Craig übernommen hatte und die Produktionsfirma einen Neustart von James Bond erreichen wollte, hätte man damit brechen müssen.

Über die technischen Spielereien von Q braucht man eigentlich nicht gross was zu sagen, die wirkten noch aufgesetzter als sonst, auch wenn sie für einen kurzen Lacher gut waren («No Ammo Loaded», für die, die ihn schon gesehen haben). Das Auto – ein Aston Martin DB10, eigentlich für Agent 009; aber kaum hat Q Bond dies mitgeteilt, weiss man auch schon, dass dieser sich den Flitzer «ausleihen» wird – dient als reine Werbung für den Hersteller, denn mehr als eine kurze Verfolgungsjagd durch Rom gab die Kiste nicht her. Dafür kriegt James eine neue Uhr mit einem «besonders lauten» Alarm. Und vorher wird ihm noch «Smart Blood» injiziert, Nano-Partikel, die seinen Gesundheitsstand und seine Position ständig ans Hauptquartier senden. Hätte Q Bond einfach einen Chip implantiert, wäre das sogar noch halbwegs glaubhaft gewesen, aber nicht halb so cool. Schliesslich braucht ein Bond immer Gadgets, die ihrer Zeit mindestens 20 Jahre voraus sind. Nur eben keinen Plot, der auch nur ansatzweise zeitgemäss ist – oder bewahre, auch nur den kleinsten Sinn ergibt.

Irgendwie will der Neustart der Bond-Serie, der mit Daniel Craig als neuem Bond angefangen hat, nicht wirklich gelingen. Zu sehr bleibt sie in den alten Schemata hängen. Vielleicht ist es Zeit für eine neue Agenten-Serie. Brad Thor’s Scott Harvath wäre die perfekte Vorlage für einen Geheimagenten der Neuzeit. Bis jetzt sind die Romane noch nicht verfilmt, aber jeder einzelne ist weit durchdachter und authentischer als jeder Bond, ohne einen «Überhelden» vermissen zu lassen.

So bleibt ein Actionstreifen, mit solch aufgesetzten Witzen, plumpen «Überraschungen» und vielen riesigen Explosionen, dass man ihn sich auch mit ausgeschaltetem Hirn anschauen kann und sich dennoch mehr als einmal kopfschüttelnd an die Stirn fassen muss.

Immerhin eine gute Szene gibt es auch in Spectre: Als Christoph Waltz eine Katze vom gefesselten Daniel Craig aufnimmt, wird eingefleischten Bondfans klar, dass Franz Oberhauser und Ernst Blofeld (bekannt seit dem zweiten Bond-Film From Russia With Love) ein und dieselbe Person sind. Kurze Zeit später stellt Blofeld das dann auch für alle anderen klar.