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Das Deutsche Duo überzeugt mit solider Musik und unterhaltsamen Geschichten ein durch und durch begeistertes Publikum. Obwohl Sarah Nücken und Steffen Brückner nichts unerwartet Grossartiges auf die Bühne zauberten war an dem Auftritt im Komplex Klub nichts auszusetzen.

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fbo. Was sofort auffällt, wenn Steffen Brückner die als Garten dekorierte Bühne betritt, sind seine aufmerksamen, irgendwie immer erstaunt blickenden Augen. Er begrüsst das Publikum mit wachsamem Blick und einer fröhlichen Melodie auf der Gitarre, und erntet schon die ersten Lacher, weil seine ganze Erscheinung einem einfach gute Laune macht. Wie von den Tönen herbeigelockt betritt dann die Sängerin die Bühne, und die beiden setzen zum ersten Song an.

Neue Töne und altbekannte Klischees

Wer sich immer wieder daran stört, wie unpersönlich manche Konzerte sind und wie distanziert sich die Künstler verhalten, für den wäre der Donnerstagabend ein Traum gewesen: denn fast noch interessanter als die Musik von Mrs. Greenbird sind die Geschichtchen, die sie immer wieder erzählten, und ihre Witze und der Tonfall, in dem sie die Zuhörer sehr direkt ansprechen, macht sie sehr sympathisch. Steffen Brückner erkennt einige Fans aus der Döner-Bude gegenüber des Komplex wieder, Sarah Nücken erzählt von ihrem dramatischsten Video-Dreh, und natürlich bedient man sich auch ausgiebig der Palette Deutschland/Schweiz-Witze, was beim Publikum ausgesprochen gut ankommt.

Musikalisch vollkommen ausgereifte Singvögel

Ebenfalls nicht zu kritisieren ist die musikalische Leistung von Mrs. Greenbird. Sarah Nücken, die eine einzigartige und sehr starke Stimme hat, leitet ihren Gitarristen und die Band auf unglaublich gezielte Weise durch die traumhaften Melodien, die Covers sind so speziell interpretiert, dass man sie erst erkennt, wenn man genau hinhört; denn Mrs. Greenbird haben einen unverkennbaren Stil und machen jede Musik zu ihrem Eigenen. Songs wie Dead Flowers (The Rolling Stones, Sticky Fingers, 1971) und Creep (Radiohead, 1992) klingen viel zarter und unschuldiger, nachdem Mrs. Greenbird Hand an sie angelegt haben.
Schliesslich ist auch Steffen Brückner ein begnadeter Sänger: er stimmt sich wahnsinnig gut auf seine Partnerin ein, und das verleiht den Songs von Mrs. Greenbird das gewisse Etwas; das, das man vielleicht von Angus & Julia Stone oder Of Monsters And Men kennt: etwas überirdisch Traumhaftes. Frozen, It Will Never Rain Roses oder das schon bekanntere Shooting Stars And Fairytales (alle 2012) zeugen von musikalischer Reife und lassen vermuten, dass hinter dem hübschen Singvogel und dem Mann mit Hut noch ganz viel mehr steckt. Ob sie davon ein breiteres Europäisches Publikum mit One Little Heart (2013) überzeugen können, wird sich in Zukunft zeigen.

Angehende Profis auf der Showbühne

Zusammenfassend ist zu sagen, dass man, wenn man wusste, was einen erwartet, unmöglich etwas auszusetzen haben kann an Mrs. Greenbird im Komplex. Sympathische Menschen und gute Musiker, die Musik selbst hat nicht gerade Welthit-Potential, ist aber schön anzuhören. Was einem erfahrenen Konzert-Besucher vielleicht gefehlt haben könnte, war die Power: zwar war das Publikum extrem gnädig, wenn es darum ging, mitzuklatschen, -tanzen und -singen, grundsätzlich wartete man das ganze Konzert durch allerdings vergeblich darauf, dass die Musik vielleicht endliche den ganzen Raum füllen würde. Und es lag bestimmt nicht nur an der ausgeschalteten Lüftung (geschätzte Raumtemperatur 40°C) oder daran, dass Mrs. Greenbird mit dem Konzert in Zürich ihre Tournee abschliessen würden, dass die Mitfieber-Stimmung ein bisschen unter dem Durchschnitt lag. Das Publikum schien auf jeden Fall zufrieden zu sein, und man kann durchaus sagen, dass Mrs. Greenbird die Veranlagung dazu haben, etwas ganz Grosses aus sich zu machen; bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht schon vorher wieder vergessen werden.