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Demented Are Go haben mit einer energiegeladenen Show alle Erwartungen erfüllt, liessen den Komplex Klub beben und die Menge johlen. Für die Anwesenden war der Abend des 11. April ein Abend im Sinne der guten Musik und der guten Stimmung; denn je verschrobener die Leute aussehen, desto mehr interessieren sie sich doch nur für das Eine: Spass zu haben.

Sparky von Demented Are Go im Komplex Klub (Sacha Saxer)

Sparky von Demented Are Go im Komplex Klub (Sacha Saxer)

 

fbo. Noch keine Woche ist der Klub im Keller der Musik-Venue schlechthin geöffnet, und schon tummeln sich in den düsteren aber heimeligen Gemächern Jung und Alt, Normal und Alternativ, Punk und Rock. Wer bis anhin noch nicht das Glück gehabt hatte, den Komplex Klub, der vergangenen Samstag seine Pforten öffnete, von innen zu sehen, sollte vorgestern gleich zwei erste Male erleben; einerseits die aussergewöhnlich angenehme Stimmung in einem stilvoll eingerichteten Klub, und andererseits eine abgefahrene Show, in der von Spitzenmusik über Blut und Schweiss bis hin zu einem empörten, verstörten aber vor allem begeisterten Auditorium nichts fehlte. Der Komplex Klub schien genau der richtige Ort zu sein für ein Event dieser Art. Nicht nur hat man beim Abstieg ins Untergeschoss das Gefühl, man werde jahrhundertealte Katakomben am Ende der Treppe vorfinden; die Farben sind ebenfalls passend zu diesem Stil gehalten, und kleine Details wie die schweren, silbernen Vorhänge vor Garderobe und Toilette tragen ebenfalls zu einem Ambiente bei, welches Demented Are Go nur unterstützen kann.

Das ist Support!

Doch nicht nur der Klub lieferte die perfekte Vorlage: Tonga Tale, eine Schweizer Band – selbsternannte Punk’n’Roller – heizten dem heterogenen Publikum von der ersten Sekunde an ein. Der Sänger (die echten Namen der Bandmitglieder sind auf die Schnelle leider nicht so einfach herauszufinden) überraschte und überzeugte von Anfang an mit einer sicheren Stimme, und nach ein paar Einpendel-Songs legten die Zürcher dann richtig los. Fast schon Ohrwurm-Potential hatten die Lieder, die Tonga Tale kraftvoll und offensichtlich mit viel Spass von der Bühne schmetterten. Obwohl man ihnen vorwerfen könnte, dass sie ein leicht durchschaubares Muster haben, und dass sich irgendeinmal alles wiederholte, was sie trällern und zupfen, so haben Tonga Tale den eher undankbaren Job der Support-Band doch mehr als befriedigend erledigt, und man war sich eindeutig zu schade, sich die Zeit bis zum Auftritt des Haupt-Acts an der Bar stehend und leicht mit dem Fuss wippend zu vertreiben, anstatt Richtung Bühne zu marschieren und sich einzutanzen.

Ein Versprechen, das gehalten wurde

Nicht zuviel hat man sich versprochen, wenn man sich in Anlehnung an einige Bilder der Band auf leopardige Muster und blutige Wunden freute; geschminkt wie für einen Horrorfilm schlichen sich nach und nach vier Zombies auf die Bühne, und mit der Zeit würden ihre Wunden sogar noch grässlicher aussehen. Denn der Schweiss, der den Musikern schon nach fünf Minuten von der Stirn tropfte, bahnte sich seinen Weg durch die Farbe in ihren Gesichtern und hinterliess auf Wangen und Kinn gruselige Verfärbungen, sodass man sich durchaus hätte Sorgen machen können. Doch dass die vier ganz und gar nicht verletzt, ja, sogar topfit waren, merkte man, sobald sie ihre Instrumente und ihre Mikrofone bereit hatten, und vor allem der Slapbassist mit hämmernden Beats den Ton anzugeben begann. Jeder Schlag, jedes Zupfen, jeder Ton schien perfekt zu sitzen, und Demented Are Go legten gleich mit ein paar fetzigen Hits los, was sofort aufs Publikum übergriff. Eingefleischte Fans wirkten plötzlich wie nach einem langen Entzug endlich wieder von Grund auf befriedigt, und auch die, für die die Psychobillies etwas Neues brachten, fanden sofort Gefallen an den gängigen Melodien. Die Aggressivität, die durchaus auch zu spüren war, fand ebenfalls den Weg zum Publikum: bald schon rempelte man sich vor der Bühne an, die T-Shirts flogen, Bier wurde verschüttet, aber es störte niemanden, und die Haudegen fielen sich nach jedem Song freundschaftlich um den Hals.

Chaoten mit einem Flair für Dramatik

Demented Are Go sind – und werden es wohl auch immer bleiben – ein Phänomen; schon nur ihr Auftreten und ihre Outfits machen sie zu etwas so Phantastischem und Unwirklichem, dass man womöglich nur durch die Musik, die immer makellos ist, wirklich Zugang zu ihnen findet. Und ihre Masken verbergen schlussendlich doch ihre wahren Gesichter; man merkt, dass sie auf der Bühne stehen, um Musik zu machen, und nicht, um uns einen Einblick in ihre Seele zu geben. Und doch suchten sie den Kontakt zum Publikum: Fans, die offenbar nicht zum ersten Mal an einem Konzert der Band waren, wurden wie alte Freunde begrüsst, und hie und da erntete ein Zuhörer ein Kompliment für sein ausgefallenes Outfit.

Ein bisschen infrage zu stellen war durchaus Sparkys kurzer Aussetzer. Nach dem besonders heftigen 12. Song rief er, dass er eine Pause brauche, und verzog sich nach hinten. Für einen kurzen Moment schien die von Exzessen und Chaos gezeichnete Entität Mark Philips zum Greifen nah: ein Mensch wie du und ich, mit Schwächen und Bedürfnissen. Seine Kollegen, besorgt aber auch mehr oder weniger gefasst, verabschiedeten sich ebenfalls kurz und tauchten dann zu einem spontanen Solo wieder auf, mit welchem sie unter Beweis stellten, was sie draufhatten. Als Sparky sich dann für die letzten sechs Songs nochmals auf die Bühne schleppte und abermals genau dieselbe Power in die Musik butterte, die schon vorher nicht gefehlt hatte, verflogen alle Zweifel.

Im Ganzen gaben Demented Are Go sechzehn Mal hundertzehn Prozent auf der kleinen Bühne. Und obwohl der Menge der vielverlangte Song Retard Whore vorenthalten blieb, machten die Musiker eindeutig Lust auf mehr; und dem Komplex Klub alle Ehre.

Fotos: Sacha Saxer