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Auf ihrer Tour zum aktuellen Album Brilliant statteten die Altmeister des Elektro-Rock dem Kaufleuten einen Besuch ab. Mit neuen Songs und gut gefüllten Repertoire an alten Hits begeisterten Ultravox das Zürcher Publikum.

Ultravox im Kaufleuten Zürich (Sacha Saxer)

Ultravox im Kaufleuten Zürich (Sacha Saxer)

 

sax. Nicht wenige haben sich ab der Location des Konzerts der britischen Elektro-Rocker gefragt, ob da nicht der Fehlerteufel am Werk war. Ultravox im Kaufleuten? Vielleicht war es ein Versuch, ein jüngeres Publikum anzusprechen. Auf jeden Fall waren diverse ältere Fans nicht besonders glücklich über die Wahl des Veranstaltungsortes und konnten sich nicht überwinden, in den als Schickimicki-Tempel verschrieenen Club zu pilgern. So war der Altersdurchschnitt dann auch deutlich tiefer als beim letzten Ultravox-Konzert im Volkshaus. Allerdings waren im Gegensatz zum Auftritt im Rahmen der Reunion-Tour keine Kinder zu sehen, statt drei waren nur zwei Generationen von Fans anwesend. Wie dem auch sei, wichtig sind immer nur die, die anwesend sind und die hatten ihren Spass.

Die Band schien gut gelaunt, wenn auch wenig kommunikativ – grosse Publikumsinteraktion war auch vor zwei Jahren nicht wirklich vorhanden – und liess kaum einen Hit aus fast 40 Jahren Bandgeschichte aus. Kein Wunder bei einem Konzert von gut zwei Stunden Dauer. Da könnte sich manche junge Band noch ein paar Scheiben abschneiden. Der Sound war gut abgemischt, aber im hinteren Bereich des Kaufleuten leider nicht mehr so gut zu hören. Das lag sicher zum Teil an der Architektur des Saals aber vor allem auch an den Besuchern in den hintersten Reihen, die sich lautstark unterhielten, so dass man zeitweise mehr über die familiären oder beruflichen Probleme von irgendwelchen Unbekannten zu hören bekam, als die Musik der Band, wegen welcher man eigentlich nach Zürich gekommen war. Glücklicherweise bekamen die Besucher im Innern des Saals davon nichts mit und konnten sich ab der soliden Performance von Midge Ure und seinen Kollegen erfreuen.

Damit wäre aber auch schon ein weiterer Schwachpunkt des Abends erwähnt. Die Performance war solide, wirkte aber extrem routiniert und stellenweise fast gefühllos. Es dauerte über 40 Minuten, bis sich Midge zum ersten Mal ans Publikum wandte und auch dann war die Ansprache mehr als kurz: “Hey, wie geht’s euch? Habt ihr Lust auf ein wenig alten Elektro-Rock ?” Natürlich hatten alle Bock darauf, sonst wären sie ja nicht an ein Ultravox-Konzert gekommen. Mit Sleepwalk konnten die Briten dann auch nicht wirklich was falsch machen, der Track ist einfach ein Highlight. Daneben kamen auch die Songs vom aktuellen Album Brilliant nicht zu kurz. Noch immer funktionieren die locker fröhlichen Melodien über den treibenden Gitarrenriffs und auch mit 59 singt Midge mit klarer und kraftvoller Stimme.

Dancing With Tears In My Eyes in Vienna wird wegen dem routiniert abgespulten Auftritt wohl niemand, aber auch Visions In Blue wird niemand davon tragen. Die Herren sind etwas in die Jahre gekommen, wer kann’s ihnen vergönnen, aber sie sind noch immer Vollprofis. Etwas mehr Persönlichkeit hätte ihnen allerdings gut gestanden. Die Hoffnung auf einen weiteren Auftritt in einer passenderen Location ist aber noch nicht gestorben. Ich werde mit dabei sein.

 

Fotos: Sacha Saxer