Eine Supportband, die erst drei Tage vor dem Auftritt erfahren hat, dass sie für The Temper Trap im Komplex 457 eröffnen sollten und ein Hauptact, der sich, ohne sein Publikum je zu vergessen, völlig seiner Musik hingab und ein fast ausverkaufter Saal voller gut gelaunter Fans sorgten für einen grandiosen Abend in Zürich.

Negative White wagt sich immer mal wieder aufs Glatteis, besucht Konzerte von Bands, die sie noch nicht mal im Ansatz kennen, öffnet sich für den Sound neuer Bands, die hierzulande vielleicht noch nicht so bekannt sind. Dieser Donnerstagabend war ein solches Experiment. Die australische Band The Temper Trap um den indonesischen Sänger Dougy Mandagi stattete der Schweiz im Komplex 457 in Zürich einen Besuch ab und bei den meisten, welche die Ankündigung gesehen hatten, ging derselbe Gedanke durch den Kopf: «Wer zum Geier ist das?»

Das Quintett aus Down Under wird in der Schweiz noch als Geheimtipp gehandelt, und das ist zum einen gut so und zum andern völlig unverdient, wie es sich im Verlauf des Abends herausstellen sollte. Ich hab immer so meine Mühe, Bands in irgendwelche Schubladen zu stecken, aber irgendwie muss man jedem Konglomerat gleichgesinnter Musiker ein Label aufdrücken. Nennen wir also den Sound von The Temper Trap Indie Rock. Jetzt haben wir ein (nichtssagendes) Label, können wir bitte über die Musik und die Live-Performance der Band sprechen?

Dougy versteht es, das Publikum ohne grosse Show komplett in seinen Bann zu ziehen und seine Mitmusiker stehen ihm in dieser Hinsicht in nichts nach. Die Saitenarbeit von Jonathon Aherne am Bass und Lorenzo Sillitto an der Leadgitarre zeigt eine freche, für Indie Rock typische unsaubere Klangqualität (was hier ganz klar als positiv bewertet werden muss) und verleiht dem Klangkonzept eine weitere Facette, die durch das solide Drumwork von Toby Dundas und die Keyboard-Samples von Joseph Greer unterstützt und erweitert werden.

Interessant am Sound von The Temper Trap ist auch die offensichtliche Mainstream-Qualität der Musik, auch wenn sie dort (zum Glück) noch nicht angekommen ist. Wie schon erwähnt, ist The Temper Trap noch ein Geheimtipp, doch wenn man sich ihre Alben anhört, fragt man sich, “Wie lange noch?”. Der Massen-Appeal ist klar vorhanden, die Melodien sind eingängig und der Sound eckt trotz einiger Kanten nirgends wirklich an.
Wenn auch die Musik der Band eher ruhig ist, brachte sie die Stimmung der Besucher im gut gefüllten Komplex 457 zum Kochen zauberte manch ein Lächeln in die Gesichter der überwiegend weiblichen Besucher. Die Fröhlichkeit der Fans strafte den Song This Isn’t Happiness Lügen – The Temper Trap haben ihr Publikum sehr glücklich gemacht.

Der Abend startete mit der Schweizer Alternative Rockband BAUM, die erst drei Tage zuvor erfahren hatten, dass sie für die Australier eröffnen durften. Leider war das Set der sympathischen Jungs kürzer als ihr Soundcheck, der noch im vollen Gange war, als die Türen mit über einer Viertelstunde Verspätung endlich geöffnet wurden. Die warme Stimme von Sänger Baum, die interessanten Klangkompositionen und die ehrliche Freude am Spielen vermochten die Besucher schnell begeistern und viele hätten ihnen gerne noch länger zugehört. Für all diejenigen, denen der Auftritt zu kurz war oder ihn gänzlich verpasst haben, gibt’s aber eine gute Nachricht: BAUM tritt am 10. November im Zürcher Club Exil auf.

Sowohl die Vorband wie auch der Hauptakt waren sichtlich guter Laune, scherzten mit dem Publikum und Dougy ging gar kurz auf Tuchfühlung mit den Fans in der ersten Reihe. Nach dem Auftritt waren sich die Jungs auch nicht zu Schade für Fotos mit Fans und signierten geduldig Tshirts und CDs. Schön zu sehen, dass es immer noch Bands gibt, sich Zeit für ihre Fans nehmen. Ein schöner Abschluss eines gemütlichen Konzertabends mit gutem Sound und fröhlichem Publikum bei intimer Clubatmostphäre.