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Das Konzertjahr startete 2015 besonders früh. Bereits am 2. Januar lud das Konzerthaus Schüür zu einer Singer/Songwriter Nacht. Getreu dem Motto «No rest for the wicked» schickten wir unseren Reporter Sacha Saxer nach Luzern. Ob er nach der Silvesterparty schon wieder fit war?

Lustiger Abschluss eines schönen Abends: Feather & Stone (Foto: Sacha Saxer)

Lustiger Abschluss eines schönen Abends: Feather & Stone (Foto: Sacha Saxer)

Gleich sechs Künstler gaben sich in der Schüür die Ehre. Da nicht mit einem riesigen Besucheraufgebot gerechnet wurde, hatten die Organisatoren beschlossen, den Saal zu verkleinern. So wurde mittels eines schwarzen Vorhangs gut die Hälfte des Raums abgetrennt und eine kleine Bühne für die Musiker neu aufgebaut. Dadurch wirkte der ganze Konzertabend schön kuschlig, was zur zu erwartenden Musik mehr als passend war. Der Weg von der Bühne zur Bar wurde dadurch auch stark verkürzt, was sich wahrscheinlich positiv auf den Umsatz ausgewirkt hatte.

Vollgas ins neue Jahr

Das Programm an jenem Abend war knapp kalkuliert, für Change Overs blieben gerade mal zehn Minuten und schon eine Viertelstunde nach Türöffnung begann der erste Act zu spielen. André Marty heisst der junge, sympathische Bursche. Anfänglich liess die Stimme noch etwas zu wünschen übrig, aber im Verlauf seines Sets, das wie bei allen Künstlern an diesem Abend auf eine halbe Stunde beschränkt war, legte sich die anfängliche Nervosität und seine schönen und teils sehr einfühlsamen Texte kriegten den Klang, den sie verdienten. Am eindrücklichsten war der Song über seinen Brieffreund, der in Florida im Todestrakt sitzt und auf seinen nächsten Prozess wartet. Brutal ehrlich und sehr persönlich. Dazu eine positiv stimmende musikalische Untermalung, die trotz oder gerade wegen des ernsten Themas perfekt funktioniert. Man darf gespannt sein, was man von diesem jungen Musiker noch zu hören bekommt.

Beim nächsten Künstler waren Überraschungen Programm: So eröffnete er zunächst mit einen Berndeutschen Lied, wechselte dann bei Daily Nature Orchestra fliessend zu Englisch und später bei Bird flocht er auch noch eine französische Strophe ein. Im Vergleich zu André Marty kam die Musik von Vøgelsang dunkler, komplexer und kräftiger daher. Auch seine Qualitäten als Entertainer wussten zu überzeugen. So brachte er das Publikum zum Mitsingen – mehr als nur das übliche «ah ah ah» oder «oh oh oh» – und mit seiner Ansage zum Song I’m no Superhero, er dass er noch seine rebellische Phase nachholen müsse, zum Lachen. Das Lied, das, wie er selber zugab, noch etwas Feinschliff an den Lyrics benötigte, verbindet starke Blueseinschläge mit rotziger Punk-Attitüde. Vøgelsang kann bedenkenlos als Supportact für Singer/Songwriter-Konzerte gebucht werden.

«Speed Metal us em Muotatal»

Al-Berto & One Fried Bikini lockerten den Abend mit ihrem sehr unterhaltsamen Gig auf. «Eigentlich machen wir sonst andere Musik. Speed Metal usem Muotatal.», meinte Roli Würsch mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen, der neben den Percussions bei Esperanza zum Akkordeon griff. Normalerweise sind die Jungs zu Viert unterwegs – unter dem Namen Al-Berto & the Fried Bikinis – und das Akkordeon wird sonst vom Gitarristen gespielt. Deshalb hatte der Drummer eine Woche Zeit, das Instrument zu lernen, zumindest für diesen einen Song.

Dass sie sonst als Quartett unterwegs sind, hörte man dem Sound an: Er verlangte definitiv nach mehr Musiker. Dennoch funktionierte die Transformation auf zwei Personen erstaunlich gut. Gerade sie spanischen Elemente, kombiniert mit den schwermütigen Blueselementen sorgten für ein schönes Southern USA Feeling. Wir besuchen die Truppe gerne mal an einem Konzert in Vollformation.

Um zwanzig nach elf sorgte Miss Goldie für eine willkommene Abwechslung. Mit ihrer klaren,warmen Stimme lieferte sie einen Sound, der perfekt zur Jahreszeit passte. Es wäre interessant zu hören, wie es klingen würde, wenn sich Miss Goldie an Jazz versuchen würde. Die Stimme dazu hat sie auf jeden Fall.
Leider bemerkte man, dass nicht zur die Besucherzahl, sondern auch der Alkoholpegel gestiegen war: Das Gelaber des Publikums war immer wieder lauter als die Musik von der Bühne. Echt schade, denn die Musik war sehr gut und erinnerte stellenweise an ein Unplugged Konzert von Redwood.

Heimvorteil

Mit Eli van der Bar stand danach die Lokalmatadorin auf der Bühne. Allen Schüürgängern war sie als nette Bardame bekannt, was sich auch in ihrem Künstlernamen widerspiegelte. Doch auch vor der Bar leistete sie einen guten Job. Mit ihrem Sound wäre Eli ein wunderbarer Supportact für Bob Spring. Dass viele Besucher nicht zuletzt wegen ihr zur Singer/Songwriter-Nacht gekommen waren, merkte man auch daran, dass das Gerede im Publikum wieder auf ein erträgliches Niveau gesunken war. Das war auch bitter nötig, denn ihre vielschichtigen Lyrics verdienten es, gehört zu werden.

Den Abschluss machte das Duo Feather & Stone. Zwei quirlige Jungs, die sich selber nicht zu ernst nahmen und das Publikum immer wieder mit ihren Ansagen zum Lachen brachten. Ihr Sound ist blueslastig, und der Einsatz des Saxophons hob sie von den anderen Künstlern des Abends ab. Ihre Texte waren zwar einfacher als die der andern, dafür machte das Publikum umso besser mit. Die Stimmung im verkleinerten Saal der Schüür war grandios. Selbst als Michael Feather das Publikum zum Absitzen überredete blieb die Stimmung grossartig, was an sich schon eine Leistung war.

 

Zur Zeit arbeitet die beiden an einer neuen EP, die sie in Joel Stones Küche aufgenommen hatten. Aus diesem Anlass spielten sie auch den einen oder anderen Song dieser Scheibe. «Dieser Song verträgt viel Hall auf der Stimme», meinte Michael zum Mischer, der dieser Aufforderung gerne nachkam. Das Resultat erinnerte dann auch mehr an Waschküche; sehr zur Erheiterung der Besucher.
Das Highlight war das Featuring mit Lea von Miss Goldie, deren Stimme, obwohl sie deutlich schwächer abgemischt war, klar stärker als Michaels war. Es bleibt zu hoffen, dass ein solches Featuring auch den Weg aufs nächste Album finden wird, denn die beiden passen klanglich sehr gut zusammen.

Mit einem solchen Abend macht der Jahresbeginn doppelt Spass und auch der Rest vom Januar sieht sehr interessant aus. So darf das Musikjahr 2015 gerne weiter gehen.

Fotos: Sacha Saxer