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Gavin James feiert seinen Tourabschluss in der ausverkauften Zürcher Ambossrampe. Der Folksänger aus Irland spielte mit dem Publikum und punktete mit Charme, Witz und einer Stimme, die das Herz erwärmt.

Declan Greene eröffnete für Gavin James den Abend mit viel Charme und eingängigen Melodien. Er interagierte mit dem Publikum, animierte sie zum Mitsingen und überzeugte mit seiner kratzigen und doch sanften Stimme.

Declan Greene in der Amboss Rampe Zürich

Declan Greene eröffnete den Abend mit packenden Melodien.

Die Amboss Rampe mit ihrem kühlen industrial Look stand im reizvollen Kontrast zu den Songs aller drei Acts, die nicht nur das Herz aller Anwesenden erwärmten. Der Ire wünschte sich in der Mitte seines Sets, er hätte an diesem Abend Shorts getragen. Nicht etwa, um mit abgesägten Hosen dazustehen, sondern wegen der drückenden Hitze. Im ausverkauften Saal konnten ihm das die rund 300 Zuschauer problemlos nachfühlen.

Declan Greene in der Amboss Rampe Zürich

Er hätte im Nachhinein Shorts angezogen: Declan Greene.

Mit dem Wetter wechselte auch der Act. Auch wenn es draussen zu regnen begann, kühlte es im Innern nicht merklich ab. Die Dubliner namens Saarloos traten schon mal in der Schweiz auf und fragten in die Runde, wer am letzten Konzert dabei gewesen sei. Als Antwort kam die Frage aus dem Publikum, ob er eigentlich nur ein Shirt besitze. Seine Reaktion kam schlagfertig: Nein, er habe insgesamt zwei Shirts.

«This is the only day in Zurich, and we don‘t have Zurich money. That‘s where you guys come in: Buy some CDs so we have money for some beer. And a new shirt maybe.»

Saarloos in der Amboss Rampe Zürich

Hat sicher mehr als zwei Shirts: Craig Gallagher.

Immer wieder richteten sie Fragen ans Publikum, um eine Überleitung zum nächsten Song zu haben. Beispielsweise fragten sie: «Ever been in NY? Sweeeeet! Here’s a song about L.A.»

Während des letzten Changeovers werweisten zwei Gäste, was wohl «Saarloos» bedeutet. Er als Dubliner vermute irgendein Wortspiel, keine Ortsangabe. Schlussendlich googelten sie den Namen: Saarloos ist schlicht und einfach ein Wolfshund.

Saarloos in der Amboss Rampe Zürich

Saarloos.

Dann stand Gavin James auf der Bühne und zeigte, dass er live genauso schwindelerregende Höhen erreichen kann wie auf seinen Records.

Wir bekommen eine Lektion zu englischen Begriffen, die mehrdeutig sind. Savage sei eine Steigerungsform für etwas Grossartiges, nicht unähnlich unserem «das ist brutal schön». Bei seinem Song Boxes musste ich bei der Passage «wearing the wrong shoes» unweigerlich daran zurückdenken, als mein Blick auf seine Schuhe fällt. Die sind sowas von savage!

Gavin James in der Amboss Rampe Zürich

«Savage shoes».

Er interpretiert seine eigenen Lieder neu, singt sie sanft und langsam, begleitet auf Keyboard und Gitarre. Auf einmal singt er immer leiser und leiser, weil er im Publikum jemanden mitsingen hört. Gavin unterbricht und grinst in die Runde: «Diesen Song scheint nur eine einzige Person vom Karaoke her zu kennen.»

Allgemein ist es in der Ambossrampe sehr ruhig, fast schon andächtig. Es wird wenig geredet und wenn, dann eher gedämpft. Auch hier machte sich Gavin James einen Spass daraus, zuerst leiser zu werden, abrupt mit Singen aufzuhören und mit einem breiten Grinsen zu sagen: «It‘s alright talking. But shut the fuck up».

Er lässt uns auch an Anekdoten und Begebenheiten zu einzelnen Songs teilhaben. Wusstet ihr beispielsweise, dass er Hard To Do zu Beginn in einer zu tiefen Tonlage sang und dies änderte, damit er nicht mehr wie das Krümelmonster aus der Sesamstrasse klinge? Oder dass er beim Soundcheck rumgeblödelt hatte und ein paar Strophen seines sanftesten Songs durch rockige Passagen ersetzte? Wer in der Amboss Rampe war, nickt jetzt – er hat es uns nicht nur erzählt, sondern auch gleich demonstriert.

Nach seinem letzten Song geht nicht nur das Licht für diesen Auftritt aus, er beendete mit Only Ticket Home auch seine aktuelle Tour. Wenn er nächstes Jahr auch wieder in Zürich gastiert, werde ich erneut im Publikum stehen und hoffentlich wiederum einen Abend mit Musik verbringen, an dem sich mein verträumtes Lächeln immer mal wieder mit einem herzhaften Lachen abwechselt.