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Eine Einladung zu einem Akustik-Konzert zweier Bands klingt eigentlich sehr verlockend. Wenn die eine Band ein unberechenbarer Chaotenhaufen und die zweite Band aus einer bezaubernden Singer/Songwriterin besteht, ist die Neugier geweckt.

Akustische Spielkunst pur – Spencer & Tilia (Fotos: Sacha Saxer

Akustische Spielkunst pur – Spencer und Tilia (Foto: Sacha Saxer)

Um es gleich vorweg zu nehmen: Spencer sind langjährige Freunde von Negative White. Wir kennen  und respektieren uns schon seit Jahren. Und genau das macht es umso schwieriger, einen Spencer-Gig objektiv zu kritisieren.

Zum Glück war dies heute Abend kein normaler Spencer-Gig, sondern eine spezielle Akustik-Konstellation aus den beiden Bands Spencer und Tilia. Leo Niessner von Spencer und Daniela Hallauer von Tilia sorgten für den nötigen Druck an den Gitarren, während Spencer’s Paschi mit seinem Bass für den Beat und die nötigen Percusion-Einlagen sorgte.

Drei akustische Gitarren, zweimal in der üblichen sechssaitigen Formation und einmal als Bass mit fünf Saiten, sorgten während gut zwei Stunden mit einer kurzen Pause für die Raucher im Publikum (und der Band) für abwechslungsreiche Musik.

Rock Meets Acoustic

Die Stimmen von Leo und Daniela ergänzten sich auf wundervolle Weise und verliehen so den bekannten Songs ein neues Gesicht. Dass Tilias Songs funktionieren würden, war klar, sind sie doch so geschrieben, dass sie alleine von der Unterstützung einer Gitarre getragen werden können. Dass die rockigen Songs von Spencer ohne den treibenden Einsatz von JP am Drums ebenfalls zu überzeugen vermochten, liegt neben gesanglichen Neuinterpretation auch an der sehr geschickten Auswahl, die Spencer beim Zusammenstellen der Setliste getroffen hat.

Die einzelnen Stücke waren ein Ping Pong zwischen Spencer- und Tilia-Liedern, und das erste Set wurde von Spencer’s The Idea of Something New eröffnet. Die Künstler funktionieren traumhaft zusammen, als ob sie schon seit je her eine Einheit wären. Insgesamt war die erste Hälfte des Konzerts stark durch den Sound von Spencer geprägt, und gerade mit The Horizon, welche sie für den Sohn von Bekannten, der an Leukämie erkrankt war, geschrieben haben, berührten sie die Herzen der Besucher. Konzerte in ein einem solch familiären Rahmen, in welchem sich die Band wohl genug fühlt, solche intimen Details zur Entstehung eines Songs preiszugeben, sind immer etwas spezielles.

Auch Bassisten haben ihren Nutzen

Die zweite Hälfte startete mit Tilias Stereotypes und ab diesem Zeitpunkt war es Danielas Konzert. Mit einer Stimme einer jungen Heather Nova gleich, sang sich Daniela endgültig  in die Herzen der rund 50 Besucher – sehr viel mehr hätte die Memphis Bar auch nicht ertragen. Da konnten Spencer auch mit One in a Million nicht mehr aufholen – der Songs ist übrigens gerade als Single mit Orchesterunterstützung erschienen und tönt so extrem genial. Für den humoristischen Moment sorgte Paschi währen Tilias A Letter, einem Song, der keine Bass-Unterstützung benötigte, und ihn somit arbeitslos zurück liess. Er nutzte die Gelegenheit und bestellte sich an der Bar ein Bier – laut genug, dass Daniela auch eines wollte; wenn der Bassspieler schon mal was sinnvolles macht…
Den krönenden Abschluss des Konzertes machte Tilias Interpretation vom Lady Gaga Hit Paparazzi. Im Kreise der Musikbegeisterten huschte ein erstauntes Lächeln über das Gesicht: Den Song kann man auch gut spielen und wunderbar klingen lassen. Und darüber, dass Daniela auch noch viel besser aussieht als Lady Gaga, darüber verschweigt sich mein Fotografenherz jetzt einfach.

Dies war wohl einer der unterhaltsamsten Ostersamstage und die Frage, wie es Leo geschafft hatte, während einem Akustikkonzert, an welchem er eigentlich nur auf seinem Barhocker gesessen ist, diesen kaputt zu machen, bleibt wohl für immer ein Rätsel. Und für alle, die an jenem Abend anwesend waren: Es war Neto von der Memphis Bar, der den Ersatzhocker organisiert hatte, ich hatte ihn nur noch am Ende des Songs auf die Bühne gereicht. Ich will mich da nicht mit fremden Federn schmücken. Für alle andern: Leo musste nicht bis zum Ende auf dem kaputten Hocker sitzen bleiben.

Ich für meinen Teil bin gespannt auf die rockige Version dieses Abends, die am 3. Mai im Nelson Pub in Adliswil über die Bühne gehen wird.