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Vier Bands, ein neuer Sänger, ein volles Haus. Letzten Samstag war mal wieder eine grosse Metalparty im Z7. Kamelot schleppte ihren Supportact von der USA-Tour mit nach Europa und holte sich noch weitere Verstärkung in die Schweiz. Das musikalische Zusatzgeschenk wäre nicht nötig gewesen, wurde aber dankend angenommen.

 

Tommy Karevik überzeugte als neuer Frontmann von Kamelot (Sacha Saxer)

Tommy Karevik überzeugte als neuer Frontmann von Kamelot (Sacha Saxer)

 

sax. Ein langer Abend stand am 3. November auf dem Programm der Z7-Besucher. Gleich drei Supportacts wurden aufgeboten, um das Publikum für Kamelot aufzuheizen. Deshalb startete die erste Band schon um 19:30 Uhr, gerade einmal eine halbe Stunde nach Türöffnung. Entsprechend leer sah die Halle dann auch noch aus, was die Kanadier von Blackguard aber nicht daran hinderte, gleich vom ersten Ton an Vollgas zu geben. Die hierzulande noch relativ unbekannte Band spielte am Samstag ihr erstes Konzert in der Schweiz und hatte sich dafür genau die richtige Location ausgesucht. Ihr Sound war zwar deutlich härter als der von Triosphere, Xandria oder Kamelot, was das metalverwöhnte Publikum des Z7 nicht im geringsten störte. Leider war ihr Auftritt nur von kurzer Dauer. Nach rund 25 Minuten mussten sie die Bühne den Roadies überlassen, doch in dieser Zeit haben sie bestimmt einige neue Fans dazu gewonnen.

Als nächstes kam Unterstützung aus dem hohen Norden in Form der norwegischen Formation Triosphere. Musikalisch deutlich näher am Headliner wie ihre Vorgänger, vermochten sie die ohnehin schon gute Stimmung noch zu verbessern und konnten das Publikum, welches mittlerweile deutlich mehr als die halbe Halle füllte, bis weit nach hinten zum Mitklatschen animieren. Die sympathische Sängerin Ida Haukland am Bass und die beiden Gitarristen Marius Silver Bergesen und Tor Ole Byberg hatten sichtlich ihren Spass daran, sich für die Fotografen in Pose zu werfen, worüber diese natürlich sehr dankbar waren. Wenn jetzt noch der Lichttechniker ein wenig Licht von Vorne auf die Band gerichtet hätte, hätte es bestimmt die herrlichsten Konzertfotos gegeben.

Mit Xandria stand dann auch endlich ein bekannterer Name auf der Bühne in Pratteln. Sängerin Manuela Kraller bewies, dass die Symphonic Metalband nicht zu Unrecht als Deutschlands Antwort auf Nightwish bezeichnet wird. Eine herrliche Stimme, grosse Melodien, treibende Riffs und eine Band, die einen besonders guten Tag erwischt zu haben schien – die Performance stand der vom 27. April als Vorband für Epica um nichts nach. Im Gegenteil, die Bielefelder legten sich mächtig ins Zeug und schafften es auch, dass die Feuerzeuge im Publikum die Smartphoneseuche überstrahlte. Der Song The Dream Is Still Alive wurde so zu einem Highlight des Abends.

Als dann endlich Kamelot vor die Besucher trat, gab’s kein Halten mehr. Dass der Neue, Sänger Tommy Karevik, sich gut in die Musik der Band eingewöhnt hatte, konnte man schon auf dem neuen Album Silverthorn hören. Die Frage war nur noch, konnte er auch live so überzeugen, wie Roy Kahn es getan hatte? Die Antwort darauf ist ein ganz klares Ja. Seine Stimme verfügt über eine sehr ähnliche Klangfarbe wie Kahns und er nimmt die Bühne genauso in Beschlag, wie sein Vorgänger. Ein Sängerwechsel ist immer etwas vom Einschneidendsten, das einer Band geschehen kann, doch hier kann man mit guten Recht behaupten, dass sie den perfekten Ersatz gefunden haben. Karevik spielte mit dem Publikum, hatte keine Berühungsängste und konnte die grossen Fussstapfen, die er ausfüllen musste, problemlos füllen. Dass Kamelot nicht das gleiche Schicksal wie Nightwish nach dem Rauswurf von Tarja Turunen blühte, liegt nicht zuletzt am neuen Album, dass sich nahtlos an die letzten zwei Scheiben anreiht und den Fans gar nicht gross Zeit lässt, sich über den Weggang von Roy weiter Gedanken zu machen. Tommy hat seinen ersten Auftritt in der Schweiz souverän hingelegt.

http://www.youtube.com/watch?v=ORAc_hx33-Q

Der Abend hat mir auch noch etwas anderes bestätigt: Die Gothic- und Metalszene ist extrem familiär und man achtet auch seine Mitszenis. Ich hatte meine beiden Töchter mit dabei, da sie mal wieder mit an ein Konzert wollten und wer bin ich, dass ich ihnen gute Musik vorenthalten könnte? Als eine der beiden mal kurz aufs Klo musste, wurde sie von einer netten Dame zurückbegleitet, die gemeint hatte, die Kleine sei verloren gegangen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank für die Aufmerksamkeit! Das Fazit meiner Töchter: Es war ein sehr lustiger Abend, und besonders die erste Band (Blackguard) ist sehr gut gewesen, weil sie sofort richtig Gas gegeben haben. Auch Xandria fanden sie toll. So glücklich sind die beiden schon seit einen Weilchen nicht mehr eingeschlafen.

 

Fotos: Sacha Saxer