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Am Abend des 27. April erwartete das Zürcher Publikum eine doch eher spezielle Konzertkombination. Noxiris liess die Letzte Instanz im Rahmen ihrer Ewig-Tour 2013 zusammen mit Feuerschwanz im Dynamo auftreten.

Holly Loose und die Letzte Instanz im Dynamo (Sacha Saxer)

Holly Loose und die Letzte Instanz im Dynamo (Sacha Saxer)

 

sax. In einem gut gefüllten, aber nicht überfüllten, Dynamo durften Feuerschwanz und die Letzte Instanz ein buntschwarzes Publikum bespielen. Den Auftakt machte die Mittelalter-Klamaukkombo Feuerschwanz – in etwa das Mittelalterrockpendant zu J.B.O. – und was man auch von ihren Texten halten mag, eines muss man der Truppe zugestehen: Sie verstehen es, ab dem ersten Ton für mächtig gute Laune im Saal zu sorgen. Die Stimmung der Besucher als «ausgelassen» zu bezeichnen, wäre wohl die Untertreibung des Jahres. Hodi, wie Prinz R. Hodenherz III von Hauptmann Feuerschwanz liebevoll genannt wird, fasste das Engagement des Zürcher Publikums mit folgenden Worten zusammen: «Ihr seid ja echt so blöd, dass ihr jeden Scheiss mitmacht. Gut, wir sind so blöd, dass wir uns diesen Scheiss ausdenken.»

Interaktion mit dem Publikum ist bei der Spielmannstruppe aus Erlangen sowieso ein wichtiger Programmpunkt und so wurde für den Song Geizhals vom neuen Album Walhalligalli eine junge Dame aus dem Zuschauerraum als Geizhals erkoren und durfte dann auf den Schultern eines strammen Jünglings die Titelfigur des Songs symbolisieren und dabei Schokotaler verteilen. Und bei Wunsch ist Wunsch suchten sie sich eine ganz besondere Fee aus. Ein Blick in die Bildstrecke unten sagt mehr, als hier mit tausend Worten beschreiben werden könnte – seid einfach froh, dass wir Euch den Anblick des entblössten Oberkörpers des Astralkörpers dieses Adonis an dieser Stelle ersparen. Der Einsatz der Fee belustigte allerdings auch die Band und beim abschliessenden Crowdsurfing legte das Feenungetüm die Grazie eines Eisbrechers an den Tag, was dem Soundtechniker, auf welchen der Koloss zusteuerte, den nackten Angstschweiss ins Angesicht trieb.

Metnotstand gab es nicht nur im Märchenland. Auch an der Bar war die köstliche Veredelung von Honig leider Mangelware… was etwas unverständlich war, da das zu erwartende Publikum das klebrige Gold bekanntermassen doch eher in rauen Mengen zu vernichten weiss.

Tiefgang such man bei einem Feuerschwanzkonzert vergeblich, doch das stört die Fans wenig bis gar nicht, im Gegenteil. So können sie ungehemmt noch ein Gläschen über den Durst trinken und immer noch – manche würden sagen, dann erst recht – einen Heidenspass haben.

Ganz ohne Met und Miezen traten danach die Letzte Instanz auf die Bühne. Wo vor einer halben Stunde noch Walhalligalli war, machte sich andächtige Stille breit. Schon im Vorfeld häuften sich die Fragen, ob und wie diese Kombination zweier Bands, die kaum gegensätzlicher sein könnten, funktionieren würde. Erstaunlicherweise kam es aber nicht zum grossen Publikumswechsel, der von einigen befürchtet wurde.

Allerdings schien es, als ob Feuerschwanz nicht nur für mehr Stimmung, sondern auch für den grösseren Besucheranteil gesorgt hätten.

Wieso nicht – wie beim Rest der Ewig-Tour – die Schweizer Gothik Rockband Lost Area als Support gebucht wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Sowohl die Letzte Instanz wie auch Lost Area selbst waren – gelinde gesagt – nicht wirklich glücklich darüber.

Wie dem auch sei, der charismatische Frontmann Holly Loose verzauberte die Letzte Instanz-Fans in gewohnter Manier und auch wenn die Stimmung nicht mehr so zum Kochen kam wie bei der Vorband, wurden die Besucher, die wegen der Letzten Instanz gekommen waren, nicht enttäuscht. Für die Klamaukverwöhnten Feuerschwanz-Fans hingegen waren die im Vergleich eher ruhigen Song und tiefgründigeren Texte wohl eher schwere Kost.

 

Fotos: Sacha Saxer