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Am 5. Juni stimmt die Schweiz über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ab. Redaktionsleiter Janosch Tröhler sagt, was ein Grundeinkommen für ihn bedeuten würde.

(Foto: Cornelius Fischer)

(Foto: Cornelius Fischer)

Neulich wurde ich gefragt, was ich bereuen würde, wenn mich morgen das Zeitliche segnen würde. «Dass ich nicht mal alles auf Negative White gesetzt habe», sagte ich und meinte es todernst.

Als mein Bruder Nicola und ich das Projekt Negative White 2009 andachten, war es eine Herzensangelegenheit. In den letzten Jahren ist unser «Baby» gewachsen – zu einem regelrechten Unternehmen mit über 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir hatten Glück, dass so viele Leute unsere Leidenschaft teilten. Die Begeisterung für Musik, für alternative Kultur. Wir hatten die Chance, ständig zu wachsen. Und wir taten das, immer und immer weiter. Ohne Aussicht, je davon leben zu können.

Nicht wenige würden behaupten, dass Geld das alles kaputt machen würde. Doch sehen Sie, verehrte Leserinnen und Leser, die Sache ist die: Ja, Negative White ist prinzipiell ein Hobby. Ein sehr Schönes sogar. Allerdings hat das Wachstum der letzten Jahre auch seine Schattenseiten. Ich kann nicht mehr einfach nur machen, was ich gerne möchte und wann ich möchte. Dafür ist das Online-Magazin zu gross. Sie, geschätzte Leserschaft, und die Mitwirkenden verlassen sich auf eine konstante Organisation. Eine, die viel, sehr viel Zeit beansprucht.

Bisher habe ich die Zeit nur allzu gerne investiert. Auch nach sechs Jahren ist Negative White für mich immer noch einer Herzensangelegenheit, eine Herausforderung und eine Spielwiese. Aber das liebe Geld…

Das Problem ist, dass ich in einem Spannungsfeld festsitze. Einerseits bräuchte Negative White mehr Aufmerksamkeit, mehr Fürsorge, um auf ein Niveau zu kommen, mit dem ich ganz persönlich zufrieden bin. Andererseits müssen auch Journalisten essen – von Kaffee und Zigaretten mal abgesehen. Das heisst im Klartext: Neben einem Teilzeitstudium schlage ich mich mit drei, vier Jobs finanziell durch. Dann kommt noch Negative White obendrauf. Ein Privatleben, Freizeit möchte man ebenfalls führen.

Bevor jemand um die Ecke kommt: Ja, ich bin selber schuld. Ich habe es selbst in der Hand, wie ich mir mein Leben einrichte. Stimmt. Wenn mich meine Lehre als Kaufmann aber eines gelernt hat, dann, dass ich nie mehr etwas ohne Leidenschaft machen will.

Hätte ich die Wahl, würde ich alles auf Negative White setzen. Der Konjunktiv steht mir im Weg. Aber am 5. Juni haben wir eine Wahl. Die Möglichkeit, ein bedingungsloses Grundeinkommen zu ermöglichen. Und mir ist bewusst, dass es teuer wäre, dass die Umsetzung schwierig würde und unsere Gesellschaft tiefgreifend umwälzen würde. Jenseits von allen politischen Gedanken, wäre es dennoch eine Chance für viele Menschen – mich eingeschlossen – ihrem Traum nachzugehen, alle Existenzängste hinter sich lassend.