Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Diese Woche findet in Baden das Animationsfilm-Festival Fantoche statt. Auch Games sind zahlreich vertreten. Das Online-Magazin combobreaker.ch stattete dem Festival einen Besuch ab, und verraten euch, was es am Fantoche für Gamer zu sehen gibt.

ein Gastbeitrag von Anna Ettlin, combobreaker.ch

Combobreaker

Tausende von Besuchern strömen zurzeit in die Kinos und Ausstellungsräume der Stadt Baden. Am Dienstag begann zum zwölften Mal Fantoche, das internationale Festival für Animationsfilm. Während animierte Filme jeglichen Stils über die Leinwände der Stadt flackern, macht sich am Fantoche immer mehr ein weiterer Gast bemerkbar: Die Videospiele.

«Videospiele gehören für mich klar ans Fantoche», sagt Dominic Haas, ZHDK-Student im Studiengang Game Design. «Animation ist ein wichtiger Bestandteil von Games. Damit kann man einen Charakter beleben und Geschichten erzählen.» In Zusammenarbeit mit seiner Studienkollegin Martina Hugentobler entwickelte Haas im Studium das Spiel Merge. An der Ausstellung Moshi Moshi in der Badener Stanzerei können Besucher das erste Level des  noch unveröffentlichten Adventures anspielen.

Fantoche_2014-2-680x1024

Merge findet Beachtung bei den Besuchern der Ausstellung, auch bei den Jüngsten. (Foto: Anna Ettlin)

Moshi moshi

Die Welt der japanischen Videospiele von den 80er-Jahren bis in die heutige Zeit ist der Fokus der Ausstellung in der Stanzerei. Kuratiert von Dozierenden des Studiengangs Game Design an der ZHDK, lädt die Ausstellung zum Verweilen ein. Wir machen es uns auf den Sofas und Sesseln bequem und stürzen uns in jahzehntelange Videospielgeschichte. Super Mario auf der Wii U, ChuChu Rocket auf der Dreamcast, Katamari auf dem 3DS – an Spielen mangelt es nicht. Insbesondere ältere Handheld-Konsolen lösen Nostalgie aus. Ein Donkey Kong Game & Watch teilt sich den Tisch mit einem NeoGeo Pocket und daneben findet sich sogar ein PC Engine GT, ein riesiges Gerät aus einem anderen Jahrtausend. Während wir der guten alten Zeiten gedenken, stürmen zahlreiche Kinder die Couch. Geschichte? Egal! Spielen steht im Mittelpunkt.

Wer selbst mal etwas Nostalgie erleben oder einfach im besten Spielhöhlen-Stil mit Kollegen und Unbekannten gamen will, kann die Ausstellung noch besuchen: Sie ist noch bis am Sonntag täglich von 12 bis 22 Uhr (am Sonntag bis 19) frei zugänglich.

Fantoche_2014-1-1024x680

Nostalgisch: ChuChu Rocket auf der Dreamcast. (Foto: Anna Ettlin)

Zwischen drin

Dass Animation und Games unzertrennlich sind, bestätigt man uns auch im Vereinslokal 2woi. Dort arbeiten Studenten des Studiengangs Animation der Hochschule Luzern und Game Design-Studenten der Zürcher Hochschule der Künste an gemeinsamen Projekten. Jeden Nachmittag von 15 bis 16 Uhr kann man im Vereinslokal hinter die Kulissen blicken: Skizzen, Laptops und Origamitiere füllen die langen Tische. Vor lauter Planung und Diskussionen bemerkt fast niemand, wie wir ankommen.  Der Workshop findet bereits seit sechs Jahren an jedem Fantoche statt. «Wir haben immer eine super Stimmung hier», sagt Livio Lunin, der die Veranstaltung mitorganisiert hat. «Viele Studierenden kennen sich bereits aus den Vorjahren und freuen sich, ihre alten Kollegen wiederzusehen.»

Zuschauen kann man den Kreativen nur eine Stunde am Tag. Gearbeitet wird sechs Stunden und mehr. Am Sonntagnachmittag werden die Ergebnisse des Workshops – ein Spiel pro Gruppe – im Kino Sterk präsentiert.

Plug & Play

Wofür die Zusammenarbeit von Gamedesignern und Animatoren gut sein soll, zeigen uns schliesslich Animator Michael Frei und Gamedesigner Mario von Rickenbach. Am Mittwochabend kündigten sie ihr interaktives Projekt Plug & Play an. Der Animator Michael Frei erhielt am Fantoche 2013 den «Best Swiss Award» für den animierten Kurzfilm Plug & Play, in dem er sich mit Gegensätzen auseinandersetzt. Die exzentrische Schwarzweiss-Animation wurde auf zahlreichen Festivals ausgezeichnet. Als Gewinner durfte Frei auch den Trailer fürs diesjährige Fantoche animieren.

Mit der Interaktivität will Frei nun seine Zuschauer näher bringen. «Ich merkte, dass viele Leute Videos gar nicht zu Ende schauen, sondern vorher wegklicken», erklärt er. Mit dem interaktiven Projekt wollte er die Linearität des Mediums aufbrechen. «Animation selbst ist ein linearer Prozess. Gameentwicklung nicht», ergänzt Mario von Rickenbach. Der Schweizer Gamedesigner ist insbesondere für sein Spiel Krautscapebekannt, welches vergangenes Jahr über Greenlight auf Steam veröffentlicht wurde.

Das interaktive Plug & Play befindet sich seit bald zwei Jahren in der Entwicklung und wird von diversen Kulturstiftungen unterstützt. Bald soll es für mobile Plattformen erscheinen. Auf die Frage aus dem Publikum, wann denn das genau sei, antwortet von Rickenbach schmunzelnd, «zwischen einem Monat und zehn Jahren.» Das enigmatische Projekt zielt kaum auf den Durchschnittsgamer: Es ist zu wenig auf Highscores und Achievements ausgerichtet und zu stark auf das Experimentelle. «Es gibt ein Publikum», ist von Rickenbach sicher. «Wir müssen es nur finden.»

Fantoche_2014-3-680x1024

Am richtigen Ort: Games gehören ebenso zum Fantoche dazu, wie diese Ausstellung über Zähne. (Foto: Anna Ettlin)

Am Schluss sind auch wir überzeugt: Games sind ein wichtiger Bestandteil des Fantoche. Wenn ihr uns nicht glaubt, überzeugt euch selbst: Geniesst verschiedenste Games bei Moshi Moshi, redet mit den Gamedesignern und Animatoren im Workshop, entdeckt die verschwommenen Grenzen zwischen Animation und Game Design in der Ausstellung Interactive Spaces in Animation oder besucht mit uns am Freitag den Talk und das Panel, die sich mit den beiden Gebieten auseinandersetzen.