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Seit 35 Jahren pilgern sie ins Naturschutzgebiet – die Festivalbesucher des St. Galler Openairs.  Es ist eines der ältesten und grössten Openair-Festivals, das die Schweiz zu bieten hat. Am 28. Juni ist es wieder soweit. Für drei Tage verwandelt sich das Sittertobel zum Hexenkessel. Ein Molotov-Cocktail gemischt aus unterschiedlichen melodischen Stilrichtungen ist garantiert.

Was die Briten erkannten, haben wir schon lange gewusst. Das Openair St. Gallen wurde 2008 von der grössten britischen Festivalplattform zum fünftbeliebtesten Openair  von Europa gewählt – immerhin ist es das einzige Festival aus den deutschsprachigen Ländern, welches es in die Top Ten schaffte. Das ist unter anderem dem einmaligen Ambiente des Naturschutzgebietes Sittertobel der Stadt St. Gallen zu verdanken. Der nahe Wald und Fluss bieten an heissen Sommerfestivaltagen eine willkommende Abkühlung. Ganz im Sinne des Gründers Freddi Gagi bieten die jetzigen Veranstalter den Besuchern dazu ein ganz spezielles Freiheitsgefühl. So sind die Camping- und Bühnengelände nicht voneinander getrennt und man darf seine Grilladen auf offenem Feuer brutzeln.

Das St. Galler Openair ist erfolgreicher denn je: Im letzten Jahr war es komplett ausverkauft. Die Organisation ist überaus professionell und darum wundert es nicht, dass immer wieder Bands von sich aus anklopfen und am St. Galler Festival auf der Bühne mit dem Publikum abfeiern möchten. Mit 35 Jahren Festival-Geschichte in dieser Grösse ist eine beachtliche Liste an Bands, welche zu Besuch waren, entstanden. Was wohl aber viel mehr interessiert: Wen haben die Organisationen fürs 2012 aufgeboten?

Das diesjährige Line-up wird angeführt von den Toten Hosen. Obwohl sich die Band schon vor zehn Jahren im Lied Graue Panther als schweinealt betitelten, rocken und punken die Toten Hosen noch heute bei ihren Konzerten. Sie sind bekannt für ihre Nähe zum Publikum, Campinos körperlichen Einsatz und seine provokanten, satirischen Ansagen. Lassen wir uns am Samstag doch ganz einfach überraschen, wie es um seine Fitness nach 30 Jahren Bandbestehen noch steht!

Ein Interessanter Folk Rock-Act am Donnerstag ist Katzenjammer. Im letzten Jahr waren die quirligen Norwegerinnen am Openair Gampel zu Besuch und überzeugten das Publikum mit ihrer witzigen Bühnenperformance. Jedes Bandmitglied beherrscht mehrere Instrumente, darunter findet man Bass-Balalaika, Akustik- und E-Gitarre, Akkordeon, Mandoline, Klavier, Schlagzeug, Geige, Mundharmonika, Banjo, Trompete, Ukulele, Glockenspiel, Kazoo und auch improvisierte Instrumente wie Blecheimer. Obwohl der Name Katzenjammer ins Altnorwegische übernommen wurde und schlechte, minderwertige Musik heisst, wird die Post mit diesen Ladies bestimmt abgehen.

Schweizer Stimmungsmacher sind mit dabei 

Züri West, eine der wohl bekanntesten Schweizer Pop Rock-Bands, brachte im März ihre neue Platte Göteborg raus. Ob das Publikum den sympathischen Bernern ihnen ihr Herz am Freitag schenken wird? Bestimmt!

Ein weiterer Vertreter der Schweiz Phenomden, ein MundartReggaekünstler, wird die Festival Besucher am Samstag sicher zum Gang-da-lang auffordern: Sein erfolgreicher, gleichnamiger Songtitel ist vom jamaikanischen „Galang-Galang“ abgeleitet, was so viel heisst wie „mach mit!“. Die leichtfüssigen, abwechslungsreichen Beats und die witzigen Texte machen richtig Spass. Reggae-Musik mit Zürideutschen Texten ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber Phenomden wird es trotzdem gelingen, dem Publikum eine Spur Karibik näher zu bringen – und wer möchte darauf wirklich verzichten?

Und dann gibt’s noch Besuch aus der Westschweiz: Stress war schon in Frankreich und Deutschland längst bekannt mit der Hip-Hop-Truppe Double Pact. 2003 folgte dann sein Soloprojekt. Spätestens wurde er uns allen bekannt mit On n’a qu’une terre. Der dazugehörige Werbevideoclip von Coop setzte sich für die Umwelt ein. Auch wenn Französisch für viele ein rotes Tuch ist, lohnt es sich bei den Texten genau hinzuhören. Stress gibt klare Aussagen zu Themen wie Rassismus, Drogen, Politik und Liebe. Er erzählt viel Biografisches in seinen Liedern. Die Phase des Selbstmitleides nach dem Zusammenbruch seiner Ehe, welche breit in den Medien diskutiert wurde, scheint überwunden. Wir können uns auf ein energiegeladenes Konzert am Sonntag freuen.

Mit von der „Party“ werden weitere bekannte Grössen aus der ganzen Welt sein; für jeden Geschmack etwas. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.