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Punks jeder Altersklasse und von überall her fanden sich am Montag abends beim höchsten Gebäude der Schweiz ein. Ihr Ziel war aber nicht die Aussicht über Zürich vom Prime Tower aus zu geniessen, sondern das Konzert in der direkt daneben liegenden Härterei zu besuchen.

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Bad Religion auf der Bühne (Foto: Daniela Stadlauer)

ds. Früh versammelten sich die Zuschauer vor der Härterei um ihr mitgebrachtes Dosenbier zu schlürfen oder begaben sich nach drinnen um sich dann wieder eine Erfrischung auf der Terrasse zu genehmigen. Kein Wunder wollten die meisten den Sommerabend so lange wie möglich draussen geniessen, denn wenn man die Halle betrat, strömten einem gefühlte 50° Celsius entgegen. Die Härterei scheint wohl keine Klimaanlagen zu besitzen oder man versäumte es, diese frühzeitig anzuwerfen.

Punkt acht Uhr betrat die Basler Band Cancer die Bühne und fegte schnurstracks mir ihrem schnell gespielten Punkrock los. Mit ziemlich rauem Sound beschallten sie das mittlerweile zahlreich vorhandene Publikum. Zwischen den Liedern forderte der Sänger und Bassist Joel Bader die Meute wiederholt auf, nach vorne zu kommen und abzugehen. Das Nachvornekommen klappte gut, doch für hektische Bewegungen waren die Zuseher zunächst nicht zu haben. Erst kurz vor Ende des Sets, bei einem der letzten Lieder sprang der Funken schliesslich doch noch über und es gab einen kleinen aber bereits wilden Mosh-Pit. Nach 30 Minuten Vollgas verabschiedeten sich Cancer wieder und das Publikum hatte nochmals Gelegenheit durchzuschnaufen und die Kräfte für Bad Religion zu bündeln.

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(Foto: Daniela Stadlauer)

Als es für Bad Religion Zeit wurde die Halle zu rocken, ertönen die ersten Klänge des Songs Past Is Dead. Nicht etwa ab Band wie es bei einem Intro oftmals der Fall ist, sondern direkt vom Gitarristen Brian Baker gespielt, der dann auch als erster die Bühne betrat. Ihm folgten seine Band-Kumpanen, jedoch ohne Brett Gurewitz, der seit Jahren nicht mehr zum Live-Ensemble gehört, und auch ohne Greg Hetson, der seit Mai vom The Cult Rhythmusgitarristen Mike Dimkich ersetzt wird. Unter tosendem Applaus nahmen sie ihre Positionen auf der recht kleinen Bühne ein und Greg Graffin stimmte zur ersten Strophe an. Als der Song danach los brach und Schlagzeug und Bass einsetzten, legte auch das Publikum einen andern Gang ein und die Szenerie vor der Bühne verwandelte sich in einen Hexenkessel. Perfekter Einstieg also in das Konzert. Nach gut einer Minute war das Publikum Wachs in den Händen von Bad Religion – und das nicht nur wegen den immer mehr nach oben kletternden Temperaturen im Saal.
Was die nächsten 90 Minuten folgte, war ein wahres Exempel wie man sich eine gute Punkrock Show vorzustellen hat. Bad Religion konnten mit ihren zahlreichen Hits aufspielen und die Fans dankten es, in dem sie zu Crowdsurfern wurden, die Texte mit brüllten oder einfach freudig umher sprangen. Bassist Jay Bentley fühlte sich dadurch wohl besonders angestachelt es dem Publikum gleich zu tun und so hüpfte er umher, als stünde er noch in der Blüte seiner Jugend. Generell muss erwähnt werden, dass die Band zu keinem Zeitpunkt altersschwach oder müde wirkte. Musikalisch und gesanglich voll auf der Höhe und so manch jüngere Band hätte sich hier ein Scheibchen abschneiden können. Nach einem Zugabenblock und gut 30 Liedern – darunter Hymnen wie Generator, Punkrock Song, American Jesus, Sorrow, aber auch neue Kracher wie Fuck You oder Robin Hood In Reverse – beendeten die zurecht als Urväter des Punks gefeierten Bad Religion ihr Konzert und liessen eine schweissnasse, überglückliche Masse im Saal zurück. Die Security des Abends war bestimmt auch froh über das Ende, die Absperrung direkt vor der Bühne begann nämlich allmählich nachzugeben. Auch mehrere Versuche das Geländer wieder zu stabilisieren, hielten nur ein Weilchen. Sowas hätte theoretisch auch ein sehr übles Ende nehmen können, glücklicherweise blieb ein solches Szenario erspart.