Wenn sich vor dem Volkshaus Jungs mit kitschigen Perücken, bunten Bandanas und knallengen Röhrenjeans warten, dann kann das nur eines heissen: Steel Panther sind in der Stadt. 

Steel Panther überzeugten im Volkshaus (Sacha Saxer)

Steel Panther überzeugten im Volkshaus (Sacha Saxer)

 

sax. Schon vor der Türöffnung war die Stimmung vor dem Volkshaus ausgelassen. Typen in Klamotten, in denen sie sich normalerweise nicht mal tot sehen lassen würden, und Mädels mit einem Sinn für Humor und Ironie alberten vor dem Eingang herum, bis dieser endlich geöffnet wurde und die wilde Meute den Saal stürmen konnte. Die Vorfreude auf das Konzert war allen ins Gesicht geschrieben.
Doch bevor Steel Panther die Bühne rockten, durften erst mal die Kanadier von Kobra and the Lotus ran. Die Band spielt eigentlich soliden Powermetal mit thrashigen Riffs, wenn man sie denn über die Kickattacken des Drummers hätte hören können. Durch die schlechte Abmischung der Instrumente war die Doublebase so dominant, dass man die Saitenschrummer schlicht nur ganz fein am Rande wahrnehmen konnte. Immerhin wurde Kobras Gesang laut genug in den Mix gepackt, so dass man wenigstens anhand der Texte die Songs unterscheiden konnte. Hier hatte der Soundtechniker einer ganz passablen Band den Auftritt versaut. Die vier Jungs um Sängerin Kobra Paige bekamen davon aber wohl nichts mit und lieferten eine solide Show ab, was die Besucher allerdings nicht so gross interessierte. Wenn man vom Drummer wortwörtlich weggekickt wird, geht man eben was gegen den Durst unternehmen. Einzig die, welche bei Steel Panther in der ersten Reihe stehen wollten, hielten dem Gestampfe tapfer stand.

Dann kam endlich der Moment, auf den alle gewartet hatten: Die vier schrägen Typen von Steel Panther stürmten die Bühne und legten sich von Beginn an ins Zeug. Posen, spielen, scherzen und vor allem eines: Gute Laune verbreiten. Der Auftritt war wie üblich eine Comedyshow der Extraklasse, zu der auch noch gute Musik gespielt wurde. Wo man hinschaute, sah man glückliche Gesichter.  Die Jungs nehmen nichts und niemanden ernst, am allerwenigstens sich selber. Ihre Texte sind sexistisch und mit einem so “tiefgründigen” Humor versehen, dass sie sogar für Hiphopper Schläge unter die Gürtellinie darstellen. Wer sich daran stört, sollte sich mal über die Konzepte “Parodie” und “(Selbst)Ironie” informieren. Es gibt kein Klischee des Rock’n’Roll, das die Kalifornier nicht verballhornen würden. Dabei kommt aber die Musik nicht zu kurz – bei Steel Panther stehen vier sehr gute Musiker auf der Bühne, was Gitarrist Satchel bei seinem Solo eindrücklich zeigte. Aus dem Solo wurde ein Medley bekannter Metaltitel von Bands wie Judas Priest, Iron Maiden, Def Leppard und Metallica. Und als er gerne etwas Percussion zu seinem Gitarrensolo wollte, kletterte er kurzerhand hinters Schlagzeug und kickte sich seine Drumparts gleich selber – notabene ohne aufzuhören, kräftig in die Saiten zu greifen. Ganz grosses Kino!
Immer wieder warfen sich Lexxi Foxxx, Satchel und Michael Starr in Pose, führten gar einen Catwalk durch, nachdem Michael das Outfit während Satchels Solo gewechselt hatte und veralberten sich permanent gegenseitig. Foxxx konnte es nicht lassen, sich andauernd die Perücke zu frisieren und hatte dafür eigens einen kleinen Vanity-Spiegel am Rand der Bühne. Da der Arme ausser gut aussehen nichts könne, spiele er eben Bass, scherzte Satchel. Witze über die Länge der primären Geschlechtsorgane durften natürlich ebenso wenig fehlen wie der obligate Auftritt auf der Bühne von diversen Mädels aus dem Publikum. Dabei zeigten sich einige Mädchen etwas offener und kontaktfreudiger als andere, aber was hätte man auch anderes erwarten sollen, das Konzert fand ja in der Schweiz statt. Mädels, wenn ihr schon die Chance habt, auf die Bühne zu dürfen, dann zeigt auch, dass ihr Freude daran habt oder bleibt gleich unten. Spass haben ist erlaubt und an einem Steel Panther Konzert sogar Pflicht.

Der Auftritt der Amerikaner erfüllte alle (ziemlich hohen) Erwartungen. Es war eine grosse Heavy Metal-Party mit ganz viel Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Und allen Besuchern war klar: Beim nächsten Mal sind wir wieder mit dabei!

 

Fotos: Sacha Saxer