Wie würde sich die Trennung des beliebten Gitarristen Matze auf das Konzert auswirken? Die Frage brannte. ASP boten eine gewohnt mitreissende Live-Performance, der dennoch etwas fehlte.

Wie bereits 2009, begleitete die Sängerin Lahannya samt Band die deutschen Gothic-Rocker von ASP. Doch vergangenen Mittwoch, dem letzten Konzert der Fremd-Tour, schien die Dame im lasziven Latex-Outfit müde, ausgelaugt und nicht gerade motiviert. Klar, dass somit auch weniger Publikum vor der Bühne verweilte, sondern sich eher dem Merchandise-Stand oder der Bar zuwandte. Der Auftritt von Lahannya vermochte deshalb auch nicht zu begeistern. Zudem war ihrer Stimme zu leise abgemischt, dass sie den schweren Gitarrenklängen hoffnungslos unterworfen war.

600 hatten ihre Tickets im Vorverkauf erworben, also füllte sich der Saal im X-Tra schnell, als Lahannya verstummt war. Wer ASP mag, zeigt das mit Stolz, wie ein Blick ins Publikum bewies. Treue Anhänger zeigten ihre Loyalität mit ihren Band-Shirts, Buttons oder Badges an Taschen. Die Saalbeleuchtung ging aus und die ersten Klänge wummerten aus den Boxentürmen. Mit dem ersten Song des neuen Album, A Prayer for Sanctuary wurde ein Stück gewählt, dass das Publikum mit steten Bassschlägen in die Welt von ASP zerrte. Die Bühnengestaltung zeigte, dass sich die Band noch immer nicht von ihrem fünf Alben umfassenden Epos um den Schwarzen Schmetterling lösen konnte und es vermutlich auch nie können. Frenetisch wurden die Musiker empfangen, wobei Himmi am Schlagzeug und Tossi am Bass altbekannte Gesichter waren. Im Hintergrund geblieben ist der neue Lead-Gitarrist, Sören Jordan, der mit seinem krausen Haar rein optisch an Matze Ambré erinnern mochte. Doch vor Jordan drängte sich der Bassist von Lahannya und neue Partner von ASP, Lutz Demmler, der mit seinen auffälligen weissen, langen Haaren nicht so recht ins Bild von ASP passte.

Asp ist zweifellos Dreh- und Angelpunkt der Band. Während die übrigen Musiker sich meist in stoischer Ruhe übten, zog Asp seine Grimassen, gestikulierte das Gesungene aus und wirbelte auf der Bühne umher. Er ist ein Entertainer mit Leib und Seele, dem das Publikum auf der Stelle aus der Hand frass. Energiegeladen war die Darbietung von ASP: Songs vom neuen Album Fremd wurden nun auch live auf die Probe gestellt. Wechselbalg oder Eisige Wirklichkeit bestanden diese mit Bravour. Doch auch ältere Stücke, die mittlerweile zu Klassikern avanciert sind, wurden zum besten gegeben. Die Fans bewiesen Textfestigkeit und sangen lauthals zu Sing Child, Schwarzes Blut, Demon Love oder Und Wir Tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe) mit. Herausragend war auch das Duett beim Song – o wunder – Duett – Minnelied Der Incubi mit Tossi, der seine gesanglichen Fähigkeiten auch schon als „Zaubererbruder“ offenbarte. Etwas ermüdend war der Schluss der Sets mit Unverwandt, ein schweres und langes Lied aus dem neuen Album. Den flammenden Abschluss fand der Abend im obligaten Live-Knüller Ich will brennen. Ein Song, der stets mit kräftiger Unterstützung aus dem Publikum zu einem verbindenden Erlebnis wird.

Trotz all der Begeisterung fehlte der Show das leichtfüssige Gitarrenspiel von Matze. Die Soli von Jordan waren technisch einwandfrei, doch einiges schwerer im Klang. Auch die Interaktionen zwischen Ambré und Asp hatten ein Auftritt der Band humorvoll und mitreissend gestaltet. Jordan hingegen blieb unscheinbar im Hintergrund. Vielleicht war es auch bloss eine erste Annäherung an den Fan-Zirkel, ein Sich-an-einander-Gewöhnen.