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Seit die schottische Band Franz Ferdinand das letzte Mal in Zürich spielte, hat sich eine Menge getan. Nick McCarthy ist ausgestiegen, worauf die Band zum Quintett gewachsen ist. Während ihr neues Album «Always Ascending» nahtlos an die alten Erfolge anknüpft, gilt es dies nun auch live zu beweisen.

Hinweis: Dieser Text wurde von einer Reporterin geschrieben, die auf die Frage nach ihrer Lieblingsband ohne mit der Wimper zu zucken Franz Ferdinand nennt. Nach 14 Jahren Fantreue und über 30 Konzerten (irgendwann wurde aufgehört zu zählen, es sind jedoch allein schon auf dieser Tour wieder deren sieben), ist konstruktive Kritik fast gar nicht mehr möglich. Dennoch wurde versucht, so sachlich wie möglich, diesen Konzertabend festzuhalten.

Der 80ies-Hype zum Aufwärmen

Früh Erschienene wurden am Sonntagabend vor Franz Ferdinand mit dem wohl zurzeit heissesten Act der Schweiz belohnt: Crimer. Letzte Woche mit seinem Debütalbum Leave Me Baby direkt von null auf Platz zwei der Charts katapultiert, stand der 80ies-Revival-Wave-Popper nun auf der grossen Bühne der Halle 622. In einer knappen halben Stunde konnte der St. Galler zeigen, dass er auch den Zusehern, die nicht wegen ihm erschienen, ein durchaus fulminantes Aufwärmprogramm bieten konnte.

Mit Cards, Follower und Brotherlove war sein Repertoire gespickt an Ohrwürmern, die schliesslich auch die allermeisten bereits aus dem Radio kannten. Unterstützt durch seine beiden Bandkollegen, hatte Alexander Frei alias Crimer auch genug Freiheiten, sich mit seinen eigenwilligen Bewegungen in die Herzen des Publikums zu tanzen. Dennoch war es für mich vor allem seine markante Stimme, die bereits ein frühes Highlight an diesem Abend ausmachen konnte.

Und obwohl Franz Ferdinand Crimer weder kannten, noch selber zur Vorband erkoren, gibt es durchaus Parallelen zwischen den beiden Bands, die nicht von der Hand zu weisen sind. Neben den wunderbaren Singstimmen der beiden Alex, geben sie auch beide wegen ihren Haaren zu sprechen: Bei Crimer wird artig gewartet, bis sie wieder genug lang sind, damit der Mittelscheitel wieder passt, während man sich bei Kapranos allmählich an das Wasserstoffblond, das davor kurz türkis-grün war, gewöhnt hat.

Ausserdem wurden mit Julian Corrie am Keyboard und Dino Bardot an der Gitarre gleich zwei Ersatzmänner für das ausgestiegene Gründungsmitglied Nick McCarthy verpflichtet, wodurch Kapranos bei vielen neuen Liedern von der Gitarre befreit, sich ebenfalls seinen exzentrischen Tanzschritten widmen konnte.

Neben den gewohnten Spielereien mit den vordersten Reihen, zelebrierte Kapranos seine Leichtfüssigkeit besonders bei den beiden schneidigen Up-Beat-Nummern Glimpse Of Love und Feel The Love Go, wobei sich seine Bewegungen allmählich immer mehr zu einer regelrechten Aerobic-Choreographie entwickelt hatten. Jedes Mal aufs Neue beeindruckt, mit welch Agilität der Sänger eine flotte Sohle aufs Parkett legt, muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass der Mann ja bereits Mitte Vierzig ist. Chapeau!

Love, Love, Love!

Abgesehen von der Tanzerei, brillierte der Frontmann auch als Motivationstrainer und Liebestransporteur zwischen dem Publikum und der Band bei der Bandvorstellungsrunde zu Feel The Love Go. Fast so wie im dazugehörigen Videoclip, in dem Kapranos als Wunderheiler agiert, spürt man richtig, wie wichtig es ihm ist, dass alle in der Halle ein bisschen von seiner Liebe bekommen, und sie wieder zurück an die anderen Bandmitglieder schicken. Ein Spielchen das ungelogen, auch nach mehrfachem Mitmachen bei mir immer noch funktioniert, eben gerade weil man merkt, dass ihm aufrichtig viel daran liegt, dass wirklich alle eine gute Zeit haben.

Alex Kapranos von Franz Ferdinand live in Zürich

«Do you feel the love? Then let the love go…», sagte Alex Kapranos während der Bandvorstellung. Bild: Evelyn Kutschera

Das Publikum schien dann auch tatsächlich die Liebe zu spüren, obwohl sie eh bereits von Konzertbeginn an auf der Seite der Band waren. Moshen, Hüpfen und sogar ein Crowdsurfer bei den elektrifizierenden, wilderen Lieder. Spontanes sich auf den Hallenboden setzen, wo grad passend, oder auch nicht ganz so passend. Aber natürlich fanden auch ruhigere Songs ihren Platz in der Playlist von Franz Ferdinand und so konnten die Zuschauer ganz Oldschool ihre Feuerzeuge bei Slow Don’t Kill Me Slow zücken und für ein wenig Romantik in dieser sonst recht kalt wirkenden Industriehalle sorgen.

Neben dem geringen ästhetischen Charme der Halle, von dem Franz Ferdinand mit einer Videoleinwand, ansprechenden Visuals und einer leidenschaftlich, fesselnden Performance abzulenken wussten, blieb der Versuch dem hallentypischen Sound mit grösserer Lautstärke entgegen zu wirken leider erfolglos. Direkt schon lärmig wirkten jene Stellen, die mit voller Instrumentierung gespielt wurden.

Was am Ende bleibt

Wie bereits am Anfang erwähnt, tue ich mich schwer, ein unvoreingenommenes Urteil über die Band zu fällen, die mir mehr Wert ist als irgendwelche materiellen Dinge. Ich bin unendlich dankbar, dass der Ausstieg von Nick McCarthy nicht auch das Ende von Franz Ferdinand zu bedeuten hatte. Meiner Meinung nach, hat die Band mit «den beiden Neuen» Julian und Dino ein gutes Los gezogen, welche Nick nicht zu ersetzen versuchen, sondern der gesamten Band besonders live einen neuen Drive verpassen.

Dass das Neo-Quintett sich in seiner aktuellen Formation wohl fühlt und spielfreudig ist, merkt man daran, dass sie bei jedem Auftritt ihre Setlist durchmischen. Von Abend zu Abend wechseln sich einige alte Hits ab und das aktuelle Album Always Ascending ist das erste Album seit dem Debüt, welches Franz Ferdinand komplett live spielen. Fangirl-Herz, was willst du mehr?