Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Der lange Bart, die kräftige Stimme: Ben Caplan ist ein Unikat. Eines, mit viel Bart, Charakterstimme und einer ganzen Menge Folk, Blues und Soul im Blut. Das beeindruckt das Publikum auch beim vierten Besuch des Kanadiers im Papiersaal.

Regenschirm um Regenschirm liegen an der Garderobe im Papiersaal. Es schüttet wie aus Eimern. Blitze durchzucken den Feierabendhimmel. Doch der Donnergroll bleibt draussen. An diesem Abend gibt es kein Platz für lautes Knallen. An diesem Abend gibt es nur eins: Musik in ihrer pursten Form gepaart mit den Charakterstimmen von Timothy Jaromir und Ben Caplan.

Timothy Jaromir eröffnet den Abend für Ben Caplan im Papiersaal. Mit ihm auf der Bühne: die Sängerin Christina Rieder, einst bekannt als Rykka. Mit ihr ist Jaromir auch unter dem Namen Goldschatz unterwegs und singt Duette. Denn die mag der Zürcher Musiker mit britischen und tschechischen Wurzeln besonders gern, wie er dem Publikum erzählt. Und die Duette haben es in sich: gefühlvolle Stimmen treffen auf Pop-Folk-Gitarrenklänge. Das tobende Gewitter – beim Publikum schon fast vergessen.

Was dann passiert, übertrifft die Wucht des Regen und das Knallen des Donners bei Weitem: Ben Caplan stürmt die Bühne wie ein Wirbelwind. Seine Stimme dröhnt in die letzten Ecken des Clubs. Sein Keyborder schlägt wild auf den Tasten, der Bläser holt die höchsten Tönen aus seinem Instrument. Ein musikalischer Sturm tobt auf der Bühne, ein wilder Mix aus Folk, Blues und Soul zieht das Publikum in seinen Bahn. Wild peitscht der Sänger mit Worten um sich.

Und dann ganz leise, ganz ruhig und achtsam bringt er die feinen Töne hervor. Es ist feine Sommerregen nach dem lauten Gewitter. So zart wie das Glitzern in seinen Augen, so stark wirken die Silben, die aus dem Mund des bärtigen Kanadiers hervorkommen. Musik in all seinen Facetten – Ben Caplan lebt und liebt sie. So scheint es zumindest. Und draussen, da ist es ganz still nach dem Sturm. Als hätte ihn Ben Caplan weggefegt.

Bild: Steffi Sonderegger