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Fink zwitschert und ruft und die Massen folgen. Am Sonntag, dem 29 Oktober, trällerte der Lo-Fi-Barde im Bierhübeli ein Konzert der Extraklasse.

Sonntagabend. Als Support-Act gibt’s keine Band, sondern ein Film wird gezeigt. Habe ich jetzt auch noch nie so erlebt. Der rund einstündige Film läuft auf einer Grossleinwand auf der Bühne. Viele Leute interessieren sich jedenfalls dafür, schnappen sich Getränk und hocken auf den Boden. So auch wir.

Der Film, wie eine Art Doku über Musik, zeigt eine Vielzahl an kurzen Clips oder Interviews über verschiedene Bands, Musiker und Konzerte aller Art. Von den Beatles zu Primus, den Beastie Boys zu Nirvana, Metallica und, und, und,… Coole Idee, aber recht zu fesseln vermag der Film nicht. Die raschen Wechsel und das sonstige rege Treiben lenken schnell mal ab.

Warm Shadow

Um 19.45 Uhr geben die Nebelmaschinen Gas und die fünf Musiker betreten unter Applaus die Bühne. Das Hübeli voll, niemand möchte den Sing- und Songwriter aus Brighton verpassen. Warum auch. Fink, typischerweise mit seinem Cap und seiner halbakustischen Gitarre, spielt drei Akkorde an und schon wird einem klar, dass das Konzert gleich mit einem krachenden Song beginnt: Warm Shadow. Der erste Song sorgt schon für Gänsehaut. Hallende Akustikgitarrenklänge gehen sanft durch Mark und Bein.

Melancholische Überdosis

Der Abend wird zu einer melancholischen Wohlfühlzone. Der Brite vermag mit seinem Lo-Fi Folk einerseits wunderschöne Balladen zu kreieren, aber auch zu rocken, wie er mit seinem Fink’s Sunday Night Blues Club Vol.1 bewiesen hat. Während bei den ruhigeren Songs ein Schlagzeuger meist noch mit einer zusätzlichen dritten Gitarre weitere Melodien zur Idylle beiträgt, grooven die Songs mit beiden Drums umso mehr. Mehr Power, mehr Treibstoff, mehr trommelnde Gründe, ein wenig zu tanzen. Mit Bottleneck-Gitarren und groovigen Drums präsentiert er massgeschneidert coolen Blues-Rock. Da wird auch mal die Klampfe ein wenig dreckig verzerrt. Auf dem Keyboard liegt sein Glas «Wyssa». Was für ein Sonntagabend.

In der Stadt mit dem besten Plattenladen

Der Brite beteuert, wie gern er diese Stadt hat. Gleich nach dem Auftritt werde er nach Bern umziehen, witzelt er zu seinen Bandkollegen. Besonders der Oldies-Shop im Hirschengraben hat es ihm angetan. Für ihn der beste Plattenladen des Universums. Seine Gage sei morgen sicher schon bei Daniel Binggeli verprasst.

Resurgam

Schon wird es warm, mit dem Nebel wird gleich Hammam-Stimmung, denn der Dunst bahnt sich seinen Weg bis zu den WC’s hinein. Fink versprach im Voraus, dass er bei seinen nächsten Besuch in der Schweiz eine neue Platte mit im Gepäck habe; und tatsächlich, Resurgam ist seit dem 15. September draussen. Während mich seine neuste Scheibe weniger zu flashen vermochte, war die Live-Performace von Godhead oder Resurgam sensationell. Resurgam, auf lateinisch «Rise Again». Die Tracks intensiver, direkter und fesselnder. Der Bass gräbt sich in die Magengrube und die beiden Schlagzeuge betören das Trommelfell. Grund genug, seine neuste CD wieder aus dem Regal zu holen und durchzuhören.

Das Beste zum Schluss

Schon über eine Stunde gespielt und nun folgen grosse Hits. Bei Fall Into The Light, Looking Too Closely und Yesterday Was Hard On All Of Us ernten Fink und seine Band tosenden Beifall. Zurecht. Atemberaubende Performance. Wer Fink gerne auf CD hört, sollte unbedingt an ein Konzert. Die Atmosphäre flasht auf eine schöne und doch melancholische Art und Weise, wie man (oder zumindest ich) es nur selten erleben kann. Dank grandioser Band mit tollem Charisma und einer waschechten Gutenacht-Geschichten-Stimme wird jeder Auftritt unvergesslich.

Alles hat ein Ende

Nach einem Piano-Duett von Fink und dem Schlagzeuger Tim Thornton, diesmal allerdings erneut an der Gitarre, folgt der einpreschende Schlusssong Pilgrim. Anderthalb Stunden sind gespielt. Natürlich darf eine Zugabe nicht fehlen, mit beiden Schlagzeugern gibt er – wie er es betitelt – einen «extendend mega jam» von einem Song, der beschreibt, warum sie es so lieben Musik zu machen. This is the thing ist der letzte Track. Ein gemütlicher und Sonntagabend mit Aussichten auf Nebel, Herzschmerz und einem guten Gefühl, ein Wahnsinns-Konzert gesehen zu haben.