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Es ist ein sonniger Tag in Zürich. Vor der Sportbar lehnen sich die Gäste in ihren Stühlen zurück, geniessen einen Kaffee, rauchen eine Zigarette. Im kleinen Innenraum treffen wir Viola von Scarpatetti, eine junge Frau mit feiner Statur und faszinierender Persönlichkeit.

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Filmstill von «20 Regeln für Sylvie»

1987 erblickte Viola das Licht der Welt. Acht Jahre später fasste sie einen Beschluss, der ihr zukünftiges Leben bestimmen würde: Sie will Schauspielerin werden. Erst besuchte Viola die Zirkusschule wechselte dann an die «European Film Actor School» in Zürich und lernte dann von Maria Becker, der Grand Dame des deutschen Schauspiels.

Viola von Scarpatetti hat schon früh alles auf eine Karte gesetzt. Eine mutige Frau wagt den Seiltanz ohne Sicherungsnetz. Was, wenn sie plötzlich ihren Traum aufgeben muss? «Ich mache mir selten Sorgen. Eigentlich nie», sagt sie unbeschwert, «Dieser Entscheid kam so aus dem Bauch, aus dem Herzen. Und wenn es nicht klappt, mache ich halt was anderes…» – Was denn? – «Es gibt eben keine Alternative», antwortet Viola und lacht.

Doch Viola muss sich auch keine Sorgen machen. Sie steht als Agente V in der Serie Mission:Ciné für das Westschweizer Fernsehen RTS vor der Kamera. Erst kürzlich drehte sie für das ZDF. Und in Paris arbeitet sie an einem Theaterstück mit Texten von Bertold Brecht und Kurt Weill mit. «Es sind immer viele Süppchen, die ich gleichzeitig koche.»
Nebenbei realisiert sie ein eigenes Filmprojekt über eine isolierte Architektin. Viola ist ständig auf Achse. Sie reist hin und her, von Zürich nach Paris. Kurz nach Deutschland, danach wieder nach Quebec. Das Reisen würde sie vermissen, wenn sie an einem Ort bleiben müsste.
Sie hat den Sprung über den Teich nach Kanada geschafft, wo viele grosse Produktionen aus den USA aus Kostengründen gedreht werden. Der französischsprachige Raum zieht eine enorme Anziehungskraft auf die fünfsprachige Schauspielerin aus: «Ich möchte nicht einem Schema entsprechen, sondern Menschen und Rollen finden, die so vibrieren, wie ich mir das vorstelle. An diesen Orten spüre ich diese Vibrationen am meisten.»

viola_02«Mich faszinieren diese leicht schrägen, abgefahrenen Rollen. Diese Amélie Poulain-Charaktere, fein und dennoch aus dem Leben ausbrechend.» Es sind Protagonistinnen, die ihr auf den Leib geschnitten sind. Viola ist eine kleine, zierliche Gestalt und doch glühen in ihr Mut, Wille und Kraft. Keine Spur vom Vorurteil, dass Schauspieler aufgesetzte Menschen sind. «Ich glaube, Schauspieler sind sehr emotionale, sensible Wesen. Entweder sind sie wie ein Chamäleon oder ganz klar definiert. Einen Gérard Depardieu kann man ganz klar einordnen. Aber jeder Typ geht seinen Weg. Jeder hat dieses Feuer in sich, das kann man nicht löschen.»

Dieses Feuer treibt Viola an und sie ist auf dem Weg nach oben. Agenturen in der Deutschland, Frankreich und zwei mögliche Partnerschaften in Kanada – sie habe sich noch nicht entschieden, meint sie keck. Viola ist bestimmt, sie weiss, was sie will und behält gerne die Zügel in der Hand. Dennoch nimmt sie es gelassen: «Ich mache mir nicht zu viele Gedanken über die Konkurrenz. Wenn ein Engagement passt, dann ist das gut, und wenn nicht, ist es auch in Ordnung. Ich vertraue darauf, dass ich die richtigen Projekte finde und den richtigen Leuten begegne.»

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Viola ist rastlos, permanent auf Zack. Nach dem Interview klappt sie ihren Laptop auf und scannt ihr Postfach. «Mein Leben spielt sich ziemlich fern vom roten Teppich ab. Heute bin ich um 8:45 Uhr aufgestanden. Am Morgen esse ich immer ein Müsli mit Melonen, das liebe ich. Danach bin ich ins Studio gegangen für eine Aufnahme und dann wieder zurück in die Wohnung, um Mails zu schreiben und zu telefonieren wegen einer Rolle.» Als wir die Sportbar verlassen, peilt Viola ein weiteres Studio an. Sie muss ihre Texte nachsprechen, weil der Ton im Film nicht ganz sauber war.

Was würde sie angehenden Schauspielerinnen und Schauspielern auf den Weg mitgeben? Viola überlegt lange – «Es gibt keine Regeln.» – wieder schweigt sie. «Eine Schweizer Künstlerin hat mal eine Klasse unterrichtet hier in Zürich und dann haben die Studenten gefragt, was man unternehmen kann, um bei ihr eine Ausstellung zu machen. Sie hat auch lange überlegt. Irgendwann sagte sie: ‚Wir müssen Freunde werden.’ Wenn du schauspielern willst, muss du die richtigen Leute finden.»

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Alle Fotos zur Verfügung gestellt. Copyright: Urban Ruths