Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Als hätte man die Editors oder die White Lies genommen und die Instrumentalisierung auf Sparflamme gesetzt. Die britischen Senkrechtstarter The xx veröffentlichen mit „Coexist“ das heiss erwartete zweite Album. Am 03. Dezember spielen die Mercury Prize-Gewinner vor einem ausverkauften Volkshaus in Zürich. Dabei würden sie auch ein Hallenstadion füllen.

Es war eine Sensation, als das unscheinbare Trio von The xx mit dem gleichnamigen Debüt ins Rampenlicht trat. Der minimalistische Sound passte so gar nicht in die schillernde Pop-Welt voller Jubel, Trubel und Heiterkeit. Noch nie hatten so spärliche Töne eine solch eruptive Wirkung, wie der unterkühlte Indie-Pop von The xx.
Dabei stimmt die Bezeichnung Pop nicht einmal für das, was da aus England kam. Viel mehr waren die Musik-Experten und Kritiker schlicht überfordert von der Neuartigkeit. Es gab deutliche Einflüsse aus dem Post-Punk der 80er-Jahre, die sich in der frostigen und tendenziell melancholischen Grundstimmung des Albums manifestierten, und doch schienen The xx keineswegs vom Staub vergangener Zeiten belegt zu sein. Die Faszination um den geheimnisvollen Sound von Romy Croft, Oliver Sim und Jamie Smith war gross, die Songs des Debüt-Albums wurden in Serien und bei Fussballspielen verwendet.

Drei Jahre hat sich die Band Zeit gelassen, um Coexist reifen zu lassen, welches – angefüllt mit sanften, unauffälligen Melodien – erneut Jubelrufe und Lobeshymnen rund um den Globus hervorrief. Soweit sind sich The xx auch treu geblieben und das neue Album wurde mit dem bewährten Grundgerüst aufgebaut. Doch das Klanggebäude von The xx ist wie moderne Architektur: viel Platz für Experimente. Die Angst vor dem Einsatz riskanter Instrumente wie den Steel Drums in Reunion gibt es nicht. Wenn man den Song hört, weiss man gleich, wie viel hätte schief gehen können. Doch The xx bringen diesen gewagten Spagat fertig, so dass es nicht nach kitschigem Karibik-Urlaub klingt, sondern mehr nach einer blassen Erinnerung.
Die Songs, die zum Grossteil vom zurückhaltend bescheidenen Jamie Smith kommen, haben eine magische Anziehungskraft. Dass hier ein äusserst talentierter Künstler am Werk ist, bekräftigt sich, wenn man bedenkt, dass Musikgrössen wie Adele oder Radiohead ihn für Remixes von Songs engagierten.

The xx vereinen – vielleicht unbeabsichtigt – die Szenen. An düsteren Gothic-Parties wummert Fiction durch den Saal, ebenso an den ausgefallensten Indie-Sausen. Bei all der Analyse: genau bestimmen lässt sich der Erfolg der Band nicht. Sie haben das Rad nicht neu erfunden, doch in ihrer Welt scheint es anders zu drehen. Mit Coexist stellen The xx nüchtern die Anwesenheit ihrer Hemisphäre fest, die neben der schillernden Pop-Welt existiert. Diese Feststellung hat weder einen anklagenden, noch einen belehrenden Charakter. Und trotzdem ist es skurril, dass eben diese funkelnde Pop-Welt des Mainstreams die unscheinbaren, blassen Figuren von The xx auf ein Podest heben.

Weitere Infos zur Veranstaltung:

volkshaus.ch
thexx.info